Für später

Ein kopfgesteuerter Mensch wie ich macht sich gerne Pläne. Für den Tag, für die Arbeit, für die statisch sinnvollste Anordnung der Lebensmittel im Einkaufswagen. Dass ich mich an so einen Plan dann auch halte, kommt zwar selten vor, aber er sortiert die Gedanken. Deshalb habe ich neulich über meinen Grabstein nachgedacht.

Ich habe beschlossen, dass meine Grabstein-Inschrift später mit „Comic Sans“ eingraviert werden soll. Comic Sans, die Kakerlake unter den Schriftarten: Evolutionsresistent, Ekel erregend, nicht tot zu kriegen. Selbst wenn kein Mensch mehr lesen und schreiben kann, weil es überflüssig geworden ist und Roboter alles für uns tun, wird es an den Wänden noch Schmierereien in Comic Sans geben. Die Leute werden nicht wissen, was dort steht, aber sie werden sich angewidert abwenden und ihr Möglichstes tun, nicht auf das Gesehene zu erbrechen. Obwohl es das verschönern würde. Die einzige Waffe gegen böse Superroboter, die uns unterdrücken wollen, werden Plakate mit Comic Sans sein, bei deren Anblick die Maschinen ob der Grausamkeit der menschlichen Phantasie erstarren und sich anschließend selbst zerstören. Eine sogenannte ABC-Waffe.

In dieser Schrift soll also auf meinem Grabstein stehen: „Hat sich totgelacht.“ Damit die Menschen auch nach meinem tragischen und viel zu frühen Ableben mit nur 98 Jahren noch das traditionelle Ritual vollführen, das mir vor allem zu Schulzeiten des öfteren entgegen gebracht wurde: Schmerzverzerrt die Hand vors Gesicht schlagen und gequält lächelnd mit einem Kopfschütteln murmeln: „Oh man, Schmand!“ Das wird ein Spaß.

Noch schnell ein Konzept schützen lassen

Vor dem Grabstein kommt aber die (Auto-)Biografie. Und da ist es nie zu früh, drüber nachzudenken. Fragen Sie mal Michael Ballack. Sollte ich tatsächlich mal in die Situation kommen, dass mir jemand sehr, sehr viel Geld dafür anbietet, mein Leben in Buchform zu pressen und ich geistig verbraucht genug bin, um von der Vermarktung nichts mehr mitzubekommen, weiß ich zwar noch nicht, was ich schreiben werde – aber ich weiß schon, wie:

Das Buch wird in beide Richtungen lesbar sein. Es gibt aber kein Vorwärts und Rückwärts, sondern nur Gut und Schlecht. In der einen Richtung erzähle ich von den positiven Ereignissen, in der anderen von den negativen. Wie man das Buch auch hält, nur die rechte Seite lässt sich lesen, die linke steht Kopf. So entsteht ein Buch, das sich individuell der Stimmung des Lesers anpasst. Bock auf ein Best Of? Kein Problem! Oder lieber über das traurige Leben einer gescheiterten Persönlichkeit informieren? Einfach umdrehen! Man könnte sagen, es wird – für mich als Wendekind, Jahrgang ’89 – ein Stück Wende-Literatur.

Das Buch hat dann logischerweise auch zwei Titel. Es heißt, wenn mein Leben so weiter geht wie bisher, von der einen Seite „Von allem etwas…“ und von der anderen „… aber nichts richtig“. Ein abschließendes Urteil darüber, ob mein Leben erfolgreich oder ernüchternd war, liefert das Buch letztlich auch. Der Teil mit den überschüssigen, leeren Seiten verliert.*

So mache ich das mal. Wenn alles nach Plan läuft.

 

*Die umweltschonende, weil papiersparende Variante bedruckt beide Seiten und die Geschichten treffen sich in der Mitte.

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