Mit dem Sonderzug auf die Ehrenrunde

Etwa zwei Drittel des gut gefüllten Gästeblocks in Kiel

Beginnen wir sportlich und beginnen wir positiv: Leipzig hat nicht mit 5:1 verloren. Die rechnerische Aufstiegschance ist noch da und ja, Peter Pacults Aussage, die erste Halbzeit sei „das beste gewesen, was die Mannschaft dieses Jahr auswärts gespielt hat“, ist teilweise nachvollziehbar. Aber damit hört es eben auch auf.

Nach dem Spiel: Kiel feiert, Leipziger konsterniert

Nach 90 Minuten im prall gefüllten Kieler Holsteinstadion war auch das zweite von drei Spitzenspielen der Saison verdient mit 0:1 verloren. Die Kieler jubelten und für Leipzig sind so nun auch die letzten realistischen Chancen verspielt, im zweiten Anlauf in die dritte Liga aufzusteigen. Dabei entschieden an der Ostseeküste die im gesamten Saisonverlauf beobachteten Schwächen. Das Mittelfeld fand keine Mittel gegen die immer wieder starken Spieleröffnungen der Kieler, verhinderte im Gegenzug vielversprechende Situationen durch ungenaue Abspiele, technische Schwierigkeiten bei Ball-An- und -mitnahme brachten den Gegner immer wieder ins Spiel, die defensiv schwache Außenbahn verunsicherte das Team und letztlich fehlte wie so oft die letzte Konsequenz vor dem Tor. Alles bekannte Baustellen. Auch das Spielsystem wirkt wie „schnell den Ball nach Außen spielen und dann mal schauen“. Unkreativ, planlos, zu schlecht für Gegner wie Kiel, das durchaus höher hätte gewinnen können.

Doch trotz der begrabenen Aufstiegshoffnungen war die Partie im hohen Norden nicht kompletter umsonst. Über 600 mitgereiste Fans demonstrieren, dass zumindest die Fankultur auf dem richtigen Weg ist. Zum Vergleich: Zum letzten Auswärtsspiel in Kiel kamen damals ca. 25 Leipziger mit. Die Stimmung im mit 500 Mann voll besetzten Fanzug war prächtig, die Unterstützung im Gästeblock lautstark. Und, das muss an dieser Stelle auch mal erwähnt werden, um Welten kreativer als die der Gastgeber, die nicht viel mehr zu bieten hatten als die beiden Fangesänge „Holstein Kiel“ und „Scheiß Red Bull“ und auch erst nach dem Führungstreffer halbwegs laut wurden. Die Reise mit einem Sonderzug, wenngleich durch die Unterstützung des Vereins begünstigt, ist eine neue Qualität der Fanszene und ist nach nur drei Jahren Vereinsbestehen durchaus beachtlich. Besonders schön dabei: Die Atmosphäre war jederzeit friedlich und sportlich.

Schlechtes Foto von der Invasion der Leipziger am Kieler Hauptbahnhof

Stimmen, dass die Reise umsonst war, konnte man nicht finden. Vielmehr entstand das Gefühl, dass die gemeinsame Zugfahrt und das geteilte Leid (wobei „nicht aufsteigen“ leiden auf hohem Niveau ist) die Fangemeinschaft weiter zusammengeschweißt hat. Das zeigt sich auch dran, dass es nach dem Ende des Spiels keine Pfiffe gegen die Mannschaft gab, sondern vielmehr Applaus als sich Kapitän Daniel Frahn als Reaktion auf die Schmährufe der Kieler Fans stolz auf sein Wappen schlug und dem Anschein nach beim Gang in die Fankurve den Tränen nah war. Er ist einer derjenigen, denen man das abkauft. Und auch wenn das nach Zweckoptimismus klingt – diese Fanentwicklung ist positiv und macht Hoffnung, dass auch die Unterstützung in der dritten Regionalliga-Saison nicht wegbröckelt.

Der kommende Sommer dürfte somit äußerst interessant werden. Bleibt Trainer Pacult? Oder kommt im vierten Jahr der vierte Trainer(stab)? Wie sieht der Kader 2012/13 aus? Kommt Kontinuität in den Kader oder gibt es erneut den großen Umbruch? Setzt man bei eventuellen Neueinkäufen auf Jugend oder Erfahrung, auf Bundesliga- oder Regionalliga-Erfahrung?  Wie kommuniziert man das zweite Scheitern den Fans? Wie groß wird der Druck aus Fuschl am See? Und wie wird die Ursachenforschung in der sportlichen Leitung aussehen? Meine persönlichen Ansichten dazu (bis auf die meiner Meinung nach suboptimale Kaderplanung) hebe ich mir mal für das Ende der Saison auf.

Sicher ist nur: Einfacher wird das Aufsteigen nach der Regionalligareform nicht. Aber andererseits… als RB Leipzig das letzte Mal mit Zwickau, Auerbach, Lok und (evtl.) Bautzen in einer Liga gespielt hat, verlief die Saison nach Plan.

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