Schlagzeilensintflut

Irgendetwas lag an diesem Wochenende über Deutschland in der Luft. Wie sonst ließe sich dieser verrückte Fußball-Spieltag erklären, der ligaübergreifend noch länger in Erinnerung bleiben dürfte? Die aktuelle Dürreperiode über Mitteleuropa, die die Hirne der Sportler austrocknet? Der Dauernebel, der ihre Sinne trübt? Oder war es die Angst vor Aufmerksamkeitsverlust angesichts der noch verrückteren weltpolitischen Lage?

Eine kurze Zusammenfassung der letzten beiden Tage, damit alle auf dem gleichen Stand sind:

  • An der alten Försterei wird das Spiel zwischen Union Berlin und Fortuna Düsseldorf mit 30 Minuten Verzögerung angepfiffen, da die Gäste so lange im Stau standen.
  • Anhänger von Hansa Rostock zündeln nicht im eigenen Block mit Pyrotechnik herum, sondern feuern die Raketen direkt in den Block der Gäste aus Hamburg Sankt Pauli.
  • Werder Bremen verliert insgesamt 0:9 (Gladbach-Bremen 5:0 und BremenII-Aalen 0:4).
  • Jena bekommt nicht weniger als drei Strafstöße zugesprochen und schlägt Bielefeld mit 4:3 .
  • Freiburg gleicht in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen Berlin aus – nachdem bereits zuvor der sicher geglaubte Ausgleich lange nach dem Torjubel annulliert wurde.
  • Wolfsburg schießt vier Tore, zwei davon macht „Brazzo“, eins Chris, die beide zuvor in der Liga nie für den VfL getroffen hatten.
  • Hannovers Ya Konan fliegt mit rot vom Platz, nachdem er aus 15 Metern den Ball gezielt per indirektem Pass einem Gegner an den Kopf wirft.
  • In allen vier Samstag-Nachmittag-Partien fielen vier oder mehr Tore.
  • Frankfurt besiegt Aachen mit 4:3. Dabei fallen zwei Tore in den ersten und fünf in den letzten zwölf Minuten.
  • Auch Aue lacht zuletzt. In der Nachspielzeit gelingt der Siegtreffer im Sachsenderby bei Dynamo Dresden.
  • In der Regionalliga Nord sorgten die Ergebnisse des Spieltags dafür, dass der Abstand zwischen dem Dritt- und dem Viertplatzierten (11 Punkte) größer ist als der zwischen dem Vierten und dem Letzten (10 Punkte).
  • Schließlich überschattet der erschütternde Selbstmordversuch des Schiedsrichters Babak Rafati den Spieltag.

Und dann hat ja noch Dortmund bei den Bayern gewonnen. Die armen Zeitungsredakteure müssen doch verzweifeln. So viele Ereignisse, die ihre eigene Schlagzeile wert wären, womit macht man dann auf? Diese Frage dürfte sich allerdings leichter beantworten lassen als die, weshalb so viele sonderbare Dinge so oft innerhalb so kurzer Zeit passieren. Oder wieso es uns so vorkommt.

Nächste Woche stehen mit Gladbach-Köln, Dortmund-Schalke und HSV-HSV drei Derbys auf dem Spielplan. Die werden dann bestimmt total langweilig.

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5 Gedanken zu „Schlagzeilensintflut“

  1. Ich möchte nur ungern kleinlich sein, aber streng genommen hat Salihamidzic am Samstag gleich zweimal getroffen und zuvor bereits (im DFB-Pokal) für den VfL eine Bude gemacht. Noch eine kleine Ungenauigkeit: die Kurzschreibweise für Hannover 96 ist meiner Meinung nach nicht HSV.

    1. Oh, bei Salihamidzic hast du Recht, das war ein Verschreiber. Der erste Treffer war auf die Bundesliga bezogen, unglücklich ausgedrückt.
      Hannover war aber Absicht. HSV-HSV sieht besser aus als Hannover-Hamburg, die Fans beider Seiten feuern ihre Teams mit „HSV“ an, Hannover ist nun mal Sportverein und verzichten nur auf das offizielle Kürzel HSV, weil Hamburg größer ist. ;)

  2. Stimmt, am Samstag herrschte bei uns in der Redaktion auch Ausnahmezustand – besonders in den Minuten nach der ersten Rafati-Meldung. Solche Ereignisse wie in Düsseldorf und Jena kümmern aber die meisten überregionalen Medien nicht. Das kommt eben einfach vor ;)

  3. Wir hatten hier andere Schlagzeilen: 1. Eine naive junge Frau aus unserer Gegend, die sich von Sat.1 zu einer Teilnahme bei „Schwer verliebt“ hatte überreden lassen, wird jetzt hier systematisch gemobbt, In einer Kneipe wurde sogar ein public viewing veranstaltet, bei dem sie kollektiv verspottet wurde und niemand hat etwas dagegen unternommen.
    2. In Remagen fand ein Neonaziaufmarsch statt, und auch hier hielten sich die Proteste in Grenzen.
    Da tritt so was schönes wie Fußball leider etwas in den Hintergrund

  4. Wir hatten hier andere Schlagzeilen: 1. Eine naive junge Frau aus unserer Gegend, die sich von Sat.1 zu einer Teilnahme bei „Schwer verliebt“ hatte überreden lassen, wird jetzt hier systematisch gemobbt, In einer Kneipe wurde sogar ein public viewing veranstaltet, bei dem sie kollektiv verspottet wurde und niemand hat etwas dagegen unternommen.
    2. In Remagen fand ein Neonaziaufmarsch statt, und auch hier hielten sich die Proteste in Grenzen.
    Da tritt so was schönes wie Fußball leider etwas in den Hintergrund
    Sorry, hatte meinen Namen vergessen

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