Der perfekte Abend

RB Leipzig schlägt den VFL Wolfsburg mit 3:2

RB Leipzig vs. VFL Wolfsburg: 3:2

Zuschauerrekord in Leipzig

Was hätte eigentlich noch besser laufen können? Leipzig besiegt Wolfsburg mit 3:2 und zieht in die zweite Runde des DFB-Pokals ein. Dabei schießt Kapitän und Publikumsliebling Daniel Frahn drei Tore, die Mannschaft gab sich in einem tempo- und spannungsreichen Spiel auch nach dem zwischenzeitigen Ausgleich nicht auf, spielte sich sogar noch weitere hochkarätige Chancen heraus und so ganz nebenbei wurde auch noch der Zuschauerrekord  im umgebauten Zentralstadion geknackt. 31.212 Besucher sorgten für eine Stimmung, wie sie Leipzig seit vielen vielen Jahren nicht mehr erlebt hat. Sogar das Wetter spielte mit, bescherte einen geradezu romantisch roten Abendhimmel und begann mit dem starken Regen erst, als alle zu Hause angekommen waren. Nein – dieser Abend ist schwer zu toppen.

Rockenbach wehrt einen Wolfsburger Eckball ab

Ohne jedes Abtasten begann das erwartet schnelle, attraktive Spiel. Bereits nach einer Minute hatte Frahn die erste Großchance zur Führung der Außenseiter, zielte jedoch zu hoch. Fünf Minuten später machte er es besser und bescherte Rasenballsport nach einer schlecht abgewehrten Ecke die Führung. Wolfsburg versuchte sofort zu antworten, was die Hausherren durch gut ausgespielte Konter auszunutzen versuchte – mit Erfolg. Nach einer Viertelstunde erhöhte Leipzigs Kapitän durch eine schöne Direktabnahme. Das Stadion kochte, Wechselgesänge und LaOla liefen durch die Ränge. In der Folge nahm der Bundesligist jedoch das Heft in die Hand, spielte mit sicheren Passkombinationen die Abwehr der „Bullen“ schwindelig und kam nach 30 Minuten zum verdienten Ausgleich. Weder Stimmung noch Spielqualität verloren dadurch an Intensität – eher im Gegenteil. Die Wölfe drängten auf die Führung, scheiterten jedoch an Leipzigs Defensivabteilung und Torwart Pascal Borel. Mit einem Konter kurz vor dem Pausenpfiff konnte Daniel Frahn im Spiel seines Lebens RB mit einem Kopfball sogar erneut in Front schießen.

Nach dem Seitenwechsel überließ der Regionalligist dem Favoriten das Heft des Handelns. Wolfsburg rannte an, konnte die nun gut formierte Abwehrreihe der Gastgeber aber nicht entscheidend durchbrechen. In der Schlussphase hätte Daniel Frahn sogar noch auf 5:2 erhöhen können. Frei vorm Tor verzog er zunächst, bevor ein sehenswerter Seitfallzieher vom Wölfe-Torwart Diego Benaglio sensationell pariert wurde. Nach packenden 90 Minuten blieb es jedoch beim 3:2, womit Leipzig den Favoriten aus der Autostadt aus dem Wettbewerb wirft und sein Image als Pokalmannschaft unterstreicht. Felix Magath zeigte sich am gesamten Abend humorlos. Nach einer halben Stunde holte er Josué vom Feld, wechselte dessen Ersatz Tuncay nach kurzer Spieldauer gleich wieder aus und auch der Torschütze Hasan Salihamidzic musste sich die zweite Halbzeit auf der Bank anschauen. Zur Strafe schickte er seine Mannschaft direkt nach dem Abpfiff zum Auslaufen zweimal um das Feld, vorbei an den jubelnden Leipziger Spielern und Fans.

Ausverkaufte Haupttribüne

Und plötzlich ist wieder alles gut. Alle fragwürdigen Personalentscheidungen im Sommer, die Rücktritte und Rausschmisse, die Tatsache, dass in der zweiten Sommerpause der Vereinsgeschichte das zweite Male quasi das komplette Team ausgetauscht wurde – alles rückte in den Hintergrund. Sogar der von den Fans bedauerte Abschied von Torwart Sven Neuhaus wurde zumindest für einen Abend vergessen. Für derlei Gedanken spielte die Mannschaft von Trainer Peter Pacult viel zu gut. Aggressiv in den Zweikämpfen, geordnet in der Abwehr, schnell im Umschalten, technisch sauber, kreativ in Spieleröffnung und -gestaltung, effektiv vor dem Tor. All das, was man dem Team von Tomas Oral im letzten Jahr absprach, zeigten Pacults Jungs. Und das weitaus länger als 15 Minuten.

Ein spielstarker Gegner wie Wolfsburg, eine derartig grandiose Stimmung und damit einhergehend eine schier grenzenlose Motivation der Spieler stellt jedoch die seltene Ausnahme dar. Den süßen Nachtisch, den man sich verdienen muss. Der Alltag in der Regionalliga, die für RB am nächsten Wochenende in Meppen beginnt, dürfte – gerade nach diesem Pokalabend – vollkommen anders aussehen. Man wird auf deutlich schlechteren Rasenflächen gegen massive Abwehrbollwerke antreten müssen, die gar nicht daran denken, durch eigenes Offensivspiel Räume zu öffnen. „Die Roten Bullen“, wie die Mannschaft im Vereinsjargon nur noch heißt, müssen nun beweisen, dass sie auch gegen vermeintlich schwächere Gegner ihren Kombinationsfußball spielen können. Dass Flutlichtpartien wie diese fernab vom Alltag sind und kaum auf die Leistungen im Ligabetrieb schließen lassen können, haben das Spiel gegen Schalke und die folgenden Monate gezeigt.

An diesem Abend darf man jedoch erst einmal glücklich sein. Leipzig über den Einzug in die nächste Runde, RB über den garantierten Fanzuwachs und Mateschitz über die enorme Medienpräsenz und eine Werbung, die er sich besser nicht hätte vorstellen können. Bei den Fans hat der bravouröse Pokalauftritt große Hoffnungen geweckt. Auf attraktiven Fußball, auf Tore, auf den Aufstieg. Ob sich diese erfüllen, werde ich aufmerksam beobachten. Eines steht jedoch fest: Zeigt Rasenballsport Leipzig immer solchen Fußball, ist der Verein ein großer Gewinn.

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7 Gedanken zu „Der perfekte Abend“

  1. Ich glaub, du hast da was verwechselt. Der schöne Kopfball war das Führungstor zum 3:2. Das 2:0 war eine flache Direktabnahme von Frahn nach einer Röttger-Flanke. Ansonsten ein sehr schöner Spielbericht ;)

  2. Der „Zuschauerrekord im umgebauten Zentralstadion“ gilt selbstverständlich nur für Spiele von RB. Ich erinner mich an ein ausverkauftes Leipziger Stadion, wenn z.B. die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen ist.

    1. Fast richtig. Der Rekord gilt nicht für RB, sondern für Vereinsspiele allgemein. Hab ich im letzten Beitrag schon ausführlicher erklärt, deswegen hab ich mir das hier gespart. Auch Lok und Sachsen haben im neuen Stadion nicht mehr Zuschauer angelockt. Nur Nationalmannschaften.

      1. Jetzt stimmts. Hatte deinen älteren Beitrag nicht gelesen. Sorry für die Wiederholung.

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