Erfolg geht vor

RB Leipzig: Pacult kommt, Linke geht

Seit einigen Wochen hielt sich das Gerücht hartnäckig, dass Peter Pacult, bis vor kurzem Trainer von Rapid Wien, zur neuen Saison den Regionalligisten Rasenballsport Leipzig übernehmen würde. Seit heute Abend, 20:30 Uhr ist es offiziell. Der Wiener arbeitet ab Juli in der Messestadt. Doch damit nicht genug. Auch ein neuer Sportdirektor wird ab sofort gebraucht. Thomas Linke gab heute seinen Rücktritt bekannt – nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt.

Vieles spricht dafür, dass diese Entscheidung in Österreich getroffen wurde. Dass Thomas Linke seinen Vertrag zeitgleich mit Peter Pacults Unterschrift unter dem seinen auflöst, ist alles, nur kein Zufall. Der Rücktritt sei aus „persönlichen Gründen“ erfolgt, heißt es in der Pressemitteilung. Meine Übersetzung: Er durfte in der Trainerentscheidung nicht wirklich mitreden und/oder sieht in Pacult nicht den geeigneten Mann. Auch sein Zitat „Ich danke Red Bull für eine sehr lehrreiche Zeit.“ klingt nicht nach einer echten Liebesbekundung.

Die Entscheidungen des heutigen Abends werden von den Fans bestenfalls mit einer hochgezogenen Augenbraue kommentiert werden. Thomas Linke hat sich in kurzer Zeit zum Sympathieträger entwickelt und die einhellige Fan- und Journalistenmeinung zu Pacult ist: „bitte nicht!“ Nach dem gescheiterten Versuch mit Tomas Oral als Cheftrainer und einer zusammengeflickten Sternchen-Mannschaft wurde der Ruf nach lokalen Größen immer lauter. Ein Trainer aus der Region wird gefordert, jemand, mit dem man sich identifizieren kann, der die Sympathien der Leipziger erobern kann. Nichts davon trifft auf den neuen Coach zu.

Oral wurde vorgehalten, er sei zu aufbrausend, könne nicht gut mit Menschen umgehen und erreiche die Mannschaft nicht. Dem neuen Mann wird zwar fachliche Brillianz zugebilligt, seine Art, mit Personen umzugehen, ist jedoch ebenso berüchtigt. Ein Spieler, der bei Dynamo Dresden unter Pacult trainiert hat, bezeichnete ihn gar als „menschliche Katastrophe“. Worin liegt also der Sinn in der Verpflichtung eines solchen Mannes? Ganz einfach: Die Verantwortlichen glauben offensichtlich, dass er mit seinem Fachwissen derjenige sein kann, der RB Leipzig schnell in höhere Ligen befördern kann. Sportlichen Erfolg um jeden Preis – damit bleibt der Verein seiner Linie treu.

Denn eines ist klar: Die beiden Personalentscheidungen werden einen Preis haben. Fans werden verärgert sein, neue Anhänger werden nicht wegen der Personalie Pacult das Stadion füllen. Die Kalkulation ist eindeutig: Fans bindet man durch sportliche Erfolge. Ein gefährliches Spiel, denn bleibt dieser dann aus, bleiben auch die Ränge leer. Langfristig kann dieses Konzept also nicht tragen. Auch wenn ich mich jetzt ins Reich der Spekulation begebe, scheint der Kurs von Red Bull zu sein: „Erstmal schnell aufsteigen, danach können wir immer noch langfristig planen.“ Eine Identifikation mit der Stadt muss nun zwangsläufig über den Kader der nächsten Saison erfolgen. Aber auch hier habe ich das Gefühl, dass man sich um dieses Problem erst kümmern möchte, wenn man mindestens in der dritten Liga ist.

Peter Pacult erwarten im Sommer große Herausforderungen. Er muss die Mannschaft aufstiegsfähig machen und gleichzeitig viel Überzeugungsarbeit bei den Fans leisten. Morgen, am Donnerstag, wird er offiziell auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Geschäftsführer Dieter Gudel und er werden sich dort vielen kritischen Fragen stellen müssen. Es ist ja nicht so, dass es im Osten Deutschlands keine fähigen Trainer gibt.

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