Die große Erleichterung

Irgendetwas war passiert. Darüber waren wir uns am Mittwoch bei der Pressekonferenz des Fußball-Regionalligisten RB Leipzig einig. Chefcoach Tomas Oral wirkte das erste mal seit Wochen (vielleicht sogar Monaten?) wieder entspannt und locker. Vor, während und nach der PK war er zum Scherzen aufgelegt, kam beim anschließenden Gespräch mit Co-Trainer Cakici und Mittelfeldmann Laas kaum aus dem Lachen raus. Entweder – darauf einigten wir* uns – sein Vertrag wurde kürzlich verlängert, oder aber die Trennung von Oral und RasenBallsport war endlich beschlossene Sache, das Thema vom Tisch.

In den späteren Abendstunden des Gründonnerstag kam dann die Bestätigung per Pressemitteilung. Der Fußballclub und sein Cheftrainer gehen nach Saisonende getrennte Wege. Man sei in der vergangenen Woche bei gemeinsamen Gesprächen zu diesem Entschluss gekommen. Es sei für beide Seiten das beste, sagte Sportdirektor Thomas Linke, Geschäftsführer Gudel dankte für die Arbeit und wünscht alles Gute und Oral selbst betont die „positive Entwicklung“ der Mannschaft, bedauert den Nicht-Aufstieg und möchte die Saison mit guten Ergebnissen beenden. Für solche Sätze hätte man zwar eigentlich keine Pressemitteilung gebraucht, aber jetzt müssen sich die Journalisten wenigstens keinen Wortlaut ausdenken.

Ein Nachfolger steht noch nicht fest, man werde jetzt „den Markt sondieren“, so Linke. Vieles deutet aktuell auf Peter Pacult hin, der kürzlich von Rapid Wien entlassen wurde. Er habe dort einen „schweren Vertrauensbruch“ begangen; man ist sich sicher, dass damit ein Gespräch mit den Verantwortlichen von Red Bull handelt. Ob es allerdings so klug ist, mit Pacult einen Mann zu holen, dem immer wieder die Fähigkeit abgesprochen wird, mit Menschen umzugehen, ist fraglich. Schließlich war es genau die „aufbrausende Art“, die schon bei Tomas Oral kritisiert wurde. Zudem werden die Stimmen lauter, mehr Leute mit regionalem Bezug einzustellen. Die Personalie Heiko Weber ist seit Mittwoch vom Tisch, nur der Name René Müller geistert noch immer herum.

Eine gewaltige Last dürfte Trainer und Mannschaft unmittelbar vor Bekanntgabe der Trennung vom Herzen gefallen sein. Genauer gesagt: Beim Abpfiff des Pokal-Krimis in Auerbach. RB Leipzig war beim Oberliga-Zweiten zum Viertelfinale des Sachsenpokals angetreten. Vor hitziger Kulisse („Das Verhalten der Renterfraktion in Auerbach ist das Allerletzte. Da sind jegliche Ultra-Gruppierungen harmlos dagegeben. Was wir uns hier schon für Drohungen anhören mussten, hab ich in meinem ganz Leben noch nicht gehört. Unglaublich.“ – RBL-Liveticker) und aufgrund einer Tätlichkeit von Tim Sebastian knapp eine Stunde in Unterzahl konnte sich Leipzig schließlich mit einem 1:2 ins Halbfinale kämpfen. Damit wahren sich die Rasenballer die Chance, die Saison nicht vollkommen erfolglos abzuschließen. Der Weg zum Titel und zur ersten Runde des DFB-Pokals wird allerdings schwer. Im Halbfinale warten entweder Zwenkau oder Dynamo Dresden (wird am 26.4. ausgespielt) und im Finale träfe man entweder auf Geburtshelfer Markranstädt – oder den Chemnitzer FC.

Der Wechsel zum Sommer ist in diesem Fall sicherlich die beste Lösung. Die Bundesliga-Mannschaften, die einen Trainerwechsel zum Saisonende angekündigt hatten (Bayern, Leverkusen, Freiburg, HSV, St. Pauli), zeigten in den darauf folgenden Spielen jedoch keine überzeugenden Leistungen. Vielleicht geht ja wenigstens dieser Trend an RB Leipzig vorbei.

*“Wir“ sind in diesem Fall René, der Administrator der Seite rb-fans.de Oskar und ich.

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