Sechs Wochen Dresden

Es ist nicht leicht, als Leipziger sechs Wochen in Dresden verbringen zu müssen. Normalerweise nutzt man jede sich bietende Gelegenheit, um in einem Gespräch zu betonen, dass Leipzig die bessere und schönere Stadt ist und plötzlich bewegt man sich im „Feindgebiet“. Bei meiner Ankunft am 19. Februar wurde ich gleich bestätigt. Kaum war ich aus der Bahnhofshalle getreten, begrüßte mich eine Polizeikolonne von 15 Bussen, vermutlich auf dem Weg, linke Gegendemonstranten aufzuhalten. Nach kurzer Eingewöhnungszeit und anderthalb Monaten Aufenthalt kann ich aber sagen: Ganz so schlimm ist es nicht. Dresden ist da schön, wo die Gebäude älter als 60 oder jünger als 20 Jahre sind. Also ganz innen und ganz außen.

Um den Service-Charakter dieses Blogs ein wenig auszubauen, habe ich einige Tipps zusammengefasst für alle, die irgendwann mal in eine ähnliche Situation kommen und sich im „Tal der Ahnungslosen“ zurecht finden müssen.

  • Die Elbe ist zwar schön, macht die Stadt aber schrecklich unübersichtlich.
  • Verabschiedet euch von eurer Vorstellung eines Stadtzentrums. Ein zentraler Punkt (wie in Leipzig der Hauptbahnhof), von dem aus man alle Teile der Stadt erreicht, existiert nicht.
  • Wenn ihr zur Rush Hour über die Elbe-Brücken wollt, packt euch Proviant ein.
  • Die Straßenbahnen fahren nicht rückwärts, sie sehen nur hinten genau so aus wie vorne.
  • Die Waldschlösschenbrücke (der City-Tunnel Dresdens) ist so unauffällig wie eine Brücke nur sein kann. Drei von vier Dresdnern (, mit denen ich gesprochen habe,) sehen das genau so.
  • Am Postplatz fällt vieles auf, nur nicht die Post.
  • 12-jährige Raucher gehören in Johannstadt offenbar schon zu den älteren.
  • Zum Fußball schauen müsst ihr in die Neustadt fahren. Das Konzept der ungemein praktischen „Kneipe an der Ecke“ in den einzelnen Stadtteilen scheint sich noch nicht bis in den östlichen Teil Dresdens herumgesprochen zu haben.
  • Leipzig beklagt sich über Schlaglöcher? Dann fahrt mal nach Dresden!
  • „Wilder Mann“ und „Weißer Hirsch“ sind nichts, wovor man sich fürchten muss.
  • Die Zeugen Jehovas klingeln nicht an der Tür, sie haben einen dauerhaften Informationsstand am Albertplatz.
  • Leipzig und Dresden sind Großstädte. Dresden sieht auch so aus.

Und jetzt mal ganz im Ernst: Dresden hat das große Pech, dass es nach dem Krieg fast vollständig von der DDR wieder aufgebaut werden musste. Deswegen ist der Kreis rund um die Altstadt hauptsächlich Plattenbau und folglich richtig richtig hässlich. Dafür kann die Leipziger Innenstadt mit der barocken Altstadt nicht mithalten und die Elbwiesen sind (auch mit Waldschlösschenbrücke) wunderschön. Ein echtes Problem für Dresden ist der Verkehr. Die Stadt ist komplett auf den Autoverkehr ausgelegt und beginnt, genau daran zu scheitern. Die Brücken halten die vielen Autos nicht mehr aus und der kurvige Verlauf der Elbe verhindert eine klar strukturierte Straßenführung. Es macht daher nicht nur keinen Spaß, von A nach B zu gelangen, es dauert auch unglaublich lange.

Bevor ich aber weiter über Straßen und Autos rede, beende ich meinen kurzen Städtevergleich mit dem Fazit: Dresden besuchen kann schön sein, in Leipzig leben ist aber schöner. Und mehr Brücken haben wir auch!

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4 Gedanken zu „Sechs Wochen Dresden“

  1. lol @ Weißer Hirsch und Wilder Mann.

    Mit dem Fahrrad von A nach B zu kommen ist gar nicht so schlimm. Außer man muss nach Klotzsche oder so. Dann ist es ewig den Berg hoch.

    Der Postplatz ist der zentrale Verkehrsknotenpunkt Dresdens.

    Weiß gar nicht, was Dein Problem mit der Elbe ist. Gibt ja Brücken, die drüber führen.

    Mein Fahrlehrer pflegte über die schlechten Straßen immer zu sagen, dass August der Starke das Kopfsteinpflaster noch selber verlegt hat :)

    1. ok, fahrrad kann ich nicht einschätzen.

      am postplatz fahren längst nicht alle linien lang, autos dürfen da quasi gar nicht hin und er liegt an dem ende der innenstadt, wo man am wenigsten hin möchte. ;) außerdem ist er hässlich und abgesehen vom linienverkehr absolut tot.^^

      der spruch von deinem fahrlehrer gefällt mir!

  2. Na Schmand, jetzt begibst du dich aber in gefährliches Terrain ;) Passiert nicht oft, aber hier gehen unsere Ansichten ganz schön auseinander ;) Ich kann mich weder über Straßenführungen noch über den ÖPNV beklagen. Dagegen fällt mir jedes Mal, wenn ich in Leipzig fahren soll, die unheimlich penetrante Links-Abbieg-Wütigkeit dieser Stadt auf. Deshalb ist das einfache und klare Fazit: Jedem seine Stadt, objektiv vergleichen geht sowieso nicht.

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