True Grit

Der perfekte Film

Mattie Ross ist ein 14-jähriges Mädchen. Sie muss erfahren, dass Tom Chaney ihren Vater ermordet und sich mit dessen Gold und Pferd davon gemacht hat. Da Chaney nur einer von vielen Gesuchten im mittleren Westen und obendrein nicht auf den Kopf gefallen ist, stehen die Chancen, dass die Gesetzeshüter von Arkansas ihn schnappen, relativ schlecht. Also macht sich Mattie, für ihre Jugend äußerst selbstbewusst und pfiffig, auf die Suche nach einem „Kopfgeldjäger“ und wird beim alten US-Marshall Reuben, genannt Rooster, Cogburn schnell fündig.

Cogburn muss sich eigentlich selbst vor Gericht verantworten. Sein schneller Griff zum Colt hat ihm nicht nur Freunde beschert. Zudem ist er mittlerweile alt und dem Whiskey verfallen. Für 100 Dollar willigt er schließlich ein, Chaney zu finden, will sich jedoch nicht darauf einlassen, sich von Mattie begleiten zu lassen. In ihrer Versessenheit, ihren Vater zu rächen, lässt sich das Mädchen nicht abschütteln und reitet dem Marshall hinterher. Letztendlich ziehen sie gemeinsam durch Wälder und Berge, begleitet vom Texas Ranger LaBoeuf, der noch eine eigene Rechnung mit dem Mörder offen hat.

Die Gebrüder Coen haben sich nach „No country for old men“ wieder an einen Western gewagt, diesmal an einen „echten“, der im 19. Jahrhundert spielt. Sie stellen den wilden Westen so dar, wie sie ihn sich vorstellen: gnadenlos und ohne große Show. Keine groß aufgezogenen Duelle, keine pathetische Musik. Dafür schonungslose Bilder von Hinrichtungen, zerschossenen Köpfen und zerfressenen Leichen. Dazu die schrägen Figuren des Marshalls und des Texas Rangers, die daraus resultierenden Wort- und Waffengefechte und ein Spannungsbogen aus dem Lehrbuch lassen „True Grit“ zu einem Gesamtkunstwerk werden.

Es passt einfach alles in diesem Film. Die Bilder sind auf die Story, die Gegend, die Darsteller und aufeinander abgestimmt, die Musik (Instrumental-Arrangements diverser Gospel) untermalt die Bilder und passt in die Zeit und die Darsteller, insbesondere Jeff Bridges, haben selten besser in ihre Rollen gepasst. Die Mischung aller Elemente, die so perfekt abgewogen ist, macht „True Grit“ so genial. Es gibt einige lustige Szenen, kurz darauf bleibt einem (z.B. ob des latenten Indianer-Hasses) das Lachen im Halse stecken, später hält man vor Spannung den Atem an, wendet sich angewidert von der Leinwand ab, nur um anschließend in den traumhaften Landschaftsaufnahmen zu versinken. Von makaber bis liebevoll bespielt das Regie-Duo jede Gefühlsregung, ohne dass ein Durcheinander oder Reizüberflutung entstehen. Auf schnelle Schießereien folgen getragene Szenen, in denen das Duo bzw. Trio durch Arkansas reitet. Erfrischend ist außerdem, dass zwar eine typische Western-Story erzählt wird, die Zeit des „wilden Westens“ jedoch nicht heroisiert wird.

„True Grit“ ist Kino in einer Perfektion, wie man es selten zu sehen bekommt. Jeff Bridges spielt sich endgültig in den Schauspiel-Olymp, mit Hailee Steinfeld geht ein neuer Stern am Film-Himmel auf und die Coen-Brüder sind spätestens jetzt lebende Regie-Legenden. Es wäre allen Beteiligten zu wünschen, wenn in der heutigen Nacht den zehn Oscar-Nominierungen auch ein paar Gewinne folgen würden.

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2 Gedanken zu „True Grit“

  1. Da war der Wunsch wohl… Ich glaube, es waren exakt 0 Oscars. Was ich auch schade finde, da ich den Film ebenfalls toll (wenn auch nicht perfekt fand). Faszinierend, wie viele Facetten die Coens in diesem Film abgerufen haben. Da gibt es lustige, ja teils surreale Momente (Bärkostüm), hammerharte Gewaltspitzen (die Hütte, die ZUNGE ) und dann zum Schluss einen grandios konstruierten Spannungsmoment (der Marshall in Aktion). Und natürlich richtig gute Darsteller (damit meine ich im Prinzip alle relevanten Rollen, also die drei großen, aber auch Brolin und Barry Pepper). Wirklich ein typischer Coen-Film.

  2. Ja, ich hab auch extra noch dreimal nachgezählt. Sind dadurch leider auch nicht mehr geworden.
    Musste am Ende außer mir noch jemand an den „Erlkönig“ denken?

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