Tron: Legacy

Schon cool

Man könnte vieles schreiben über „Tron: Legacy“: Dass der Film eine Parabel auf die Schönheit der Erde ist („Wie ist sie denn, die Sonne?“), eine Ode an die wunderbare Unvollkommenheit der Menschen und dass man nicht nach Perfektion streben sollte („Erstelle mir das perfekte System!“), die guten und die schlechten Seiten des Gott Spielens beim Programmieren („Der Schöpfer ist da!“), dass es ganz schön schwierig ist, einem Menschen zu erklären, wie sich die Welt  in den letzten 20 Jahren verändert hat („Die Polkappen schmelzen ab, Krieg in Nahost, Smartphones, …“), oder dass es in der Story offensichtliche Parallelen zu Hitlers rassischer Ideologie gibt („Sie haben eine „Säuberung“ durchgeführt.“). Auch eine leise Kritik an der Gewalt in Computerspielen lässt sich im Hintergrund vermuten. Das alles könnte und soll man streckenweise aus dem Film lesen. So richtig glücklich wird man damit aber nicht.

In erster Linie ist „Tron: Legacy“ nämlich ganz einfach; ein Film gewordenes Computerspiel. Sam Flynn, Sohn des berühmten Software-Programmierers Kevin Flynn, erhält eine Nachricht von seinem Vater, der seit 20 Jahren verschwunden ist – aus dessen stillgelegter Spielhalle. Sam, ebenfalls gewiefter Hacker und aufgrund anderer Weltvorstellungen an der Übernahme der Firma seines Vaters nicht interessiert, folgt diesem Ruf. Er entdeckt das geheime Büro des Verschollenen, schreibt ein wenig an dessen Computer herum und landet, wie dieser, als „User“ im Computerspiel, heruntergerechnet auf einen Quellcode.

Dort angekommen, erhält er die einfache Anweisung: „Überleben!“ Schnell gerät er in die Fänge des bösen Clu, das Cyber-Ebenbild von Kevin Flynn, das dieser einst erstellt hatte. Mit Hilfe von Quorra, die rechtzeitig die Zeichen erkannt hatte, gelingt ihm die Flucht und er findet endlich seinen Vater. Beseelt vom Wunsch, ihn wieder ans Tageslicht zurück zu holen, kämpft er sich gewissermaßen durch diverse Level, um mit Vater und Quorra, die aufgrund ihrer genialen DNA/Quellcodestruktur das Leben auf der Erde verbessern könnte, das „Portal“ rechtzeitig zu erreichen.

Die Handlung setzt für ein ungeplantes Sequel erstaunlich sinnvoll an, pegelt sich aber ziemlich schnell auf Computerspiel- und Actionfilm-Niveau ein. Darauf kommt es diesmal aber auch nicht an. „Tron: Legacy“ ist ein Film zum zurücklehnen und Hirn ausschalten. Wenn man sich einmal hat sacken lassen, kann man die Bilder auf sich einwirken lassen. Sie sind ein Traum für jeden Computerspieler und für Nichtspieler ein guter Eindruck dessen, was sie alles verpassen. Gepflegte Action, spaceiges Design mit schick leuchtenden Klamotten, Gebäuden und Waffen und dazu ein paar schräge Figuren, was will man mehr? Es hat sich wohl selten so gelohnt, einen Film neu aufzulegen. 30 Jahre technischer Fortschritt verhelfen „Tron“ zu neuem Glanz, bei dem man auch den 3D-Zuschlag nicht scheuen sollte.

Dazu haben Daft Punk den perfekten Soundtrack geliefert. Das Elektro-Duo aus Frankreich durfte erstmals einen ganzen Film musikalisch unterlegen. Und wo hätte es besser passen sollen, als bei einem Tron-Film? Abwechslungsreiche Elektro-Sounds vermischt mit Clubmusik, etwas Minimal Music und klassischen Elementen erzeugen eine angemessene Stimmung, die auch über den Abspann hinweg anhält. Ich würde es begrüßen, wenn die Filmakademie auch mal so einen Soundtrack in die engere Oscar-Auswahl nehmen würde.

„Tron: Legacy“ ist einer der sehenswerteren Actionfilme. Die Computerspiel-Atmosphäre wird sehr gut wiedergegeben, Effekte, Bilder und Musik sind natürlich hauptsächlich etwas für die jüngere Generation und Computer-affine Menschen. In jedem Fall sind sie aber großartig gelungen und sollten, nicht nur des 3D-Effekts wegen, unbedingt auf der großen Leinwand angesehen werden. Einige Stellen, besonders in den ersten Minuten innerhalb des Spiels, werfen zwar Fragen auf wie „Warum?“, oder „Hä?“, oder verleiten wahlweise zu Ausrufen wie „Alles klar!“ oder „Natürlich!“, aber davon sollte man sich nicht stören lassen.

Die Beurteilung, ob die vielen Anspielungen und gesellschaftskritischen Anmerkungen nun eine nette Würze sind, oder die obligatorischen aufgesetzten Sprüche, die der Amerikaner braucht, ist jedem Einzelnen überlassen. Sicher lässt sich sagen: Wer keine Shakespeare-gleiche Handlung erwartet, kann diesen Film genießen. Sogar Leute wie ich, die nicht die größten Action-Fans sind. Also, auch wenn ich etwas spät dran bin: Anschauen und einsaugen lassen!

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