Fort Boyard

Verspielt

Als „Fort Boyard“ in den 1990er Jahren zu einer der weltweit erfolgreichsten Fernsehsendungen wurde, war es noch etwas Besonderes: Innovativ, unkonventionell und spannend. Leider auch teuer, weshalb es trotz des Erfolges nicht sehr lange überlebte. Nach knapp zehn Jahren wagte sich KabelEins daran, eine Neuauflage der Kultsendung zu produzieren – und ließ sie zu einem langweiligen Mainstream-Format verkommen.

Das Spielprinzip ist unverändert: Zwei Teams müssen in mehreren Aufgaben mit Kraft, Mut und Geschick Schlüssel ergattern und am Ende so viel Gold wie möglich aus dem Schatz der Festung sammeln. Von diesen Aufgaben, der Spannung, die dabei entstand, lebte „Fort Boyard“ einst. Der Reiz einer uralten Festung „mitten im Atlantik“, die Kerker-ähnlichen Räume und die Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg sollten das Ganze eigentlich zum Selbstläufer werden lassen. Hätte man der Versuchung widerstanden, dem Zeitgeist zu folgen und alles so zu machen, wie man es aus anderen Formaten kennt.

Zunächst einmal spielen vor der französischen Küste keine „ehrlichen“ Abenteurerteams gegeneinander, die wirklich motiviert wären, Geld zu gewinnen, sondern sechs B-Prominente (gestern u.a. Martin Kesici, Lucy Diakovska, Alexandra Riez). Es geht natürlich wieder um den guten Zweck. Nichts gegen Spenden, aber sowohl an solchen Sendungen, als auch an den Gesichtern hat man sich mittlerweile gründlich satt gesehen. Dazu kommt, dass man sich durch das „Dschungelcamp“ und Konsorten mittlerweile an derartige Spiele gewöhnt hat, gerade was Ekel- und Gruselfaktor angeht. Der „Mythos“ des Forts, ein großer Trumpf, wurde nicht ausgespielt. Keine beschwerliche Anreise, kein bärtiger Greis, der den Schatz bewacht, nichts, das Stimmung erzeugen würde. Stattdessen Tiger und Andrea Kaiser, die eher den Eindruck eines ausgefalleneren Urlaubstrips erwecken.

Das alles hätte man vielleicht ertragen können, hätte man denn zu sehen bekommen, wie die Promis ihre Aufträge erfüllen. Stattdessen hielt man es für nötig, die Kandidaten in Chart-Show-Manier von ihren Erlebnissen berichten zu lassen. Kaum wurde es mal spannend, wurde weg geblendet und ein Promi erzählte genau das, was man sonst gesehen hätte – nur langweiliger. Ich verstehe diesen Trend zum Labern sowieso nicht. Egal, ob Sketch-, Musik- oder Spielshow, anstatt einfach das laufen zu lassen, was man eigentlich sehen will, sausen irgendwelche Leute ins Bild und geben ihren Senf dazu ab, der niemanden interessiert.

Durch Kult- und Neugierfaktor schaffte es KabelEins mit der ersten neuen Ausgabe von „Fort Boyard“, über zwei Millionen Zuschauer vor den Fernseher zu locken, davon 1,6 Mio. zwischen 14-49 Jahren, was einem Marktanteil von 12 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe entspricht und dramatisch über dem Sender-Schnitt liegt (siehe DWDL.de). Diesen Erfolg gilt es nun zu bestätigen. Schon zur nächsten Ausgabe am kommenden Dienstag wird sich abzeichnen, ob man mit den Mainstream-Änderungen das Publikum verprellt oder eingefangen hat.

Fest steht, dass aus einem der interessantesten Fernsehformate im deutschen TV eine austauschbare Einheits-Sendung ohne Mumm geworden ist. Kein Wasser mehr, durch das man in die Schatzkammer gelangt, zu wenige Kameraeinstellungen, die die Action transportieren, kein Sinn mehr hinter den Schlüsseln, die nur noch Zeit geben und keine Schatztruhen aufschließen, keine Tiger, die auch während des Sammelns herumlaufen und den Kandidaten durch Tore Stück für Stück näher kommen. Für Promis und guten Zweck ist „Fort Boyard“ harmlos geworden und hat damit seine große Stärke verspielt.

Wer die gestrige Folge (noch einmal) sehen möchte, kann das hier tun. Wen es allerdings mehr interessiert, wie „Fort Boyard“ wirklich aussehen sollte, schaut sich lieber einen Ausschnitt aus dem Jahre 1990 an. Man wünscht sich die Originalität im Fernsehen zurück…

Advertisements

4 Gedanken zu „Fort Boyard“

  1. Hä? Wenn ich mich richtig erinnere, ist das Format doch auch schon damals im deutschen TV mehr oder weniger sang- und klanglos gefloppt. Ich konnte diesem Pseudo-Indiana-Jones-Kram jedenfalls nie was abgewinnen. Das wird sich auch mit der neuen Staffel sicher nicht ändern.

    1. 2001 gabs einen zweiten versuch nach 1990, die sendung zu etablieren. damals auch schon mit promis. die ist gefloppt. weil eben promis. 1990 war ich zwar nicht aktiv dabei, damals lief sie aber nicht so schlecht, war nur eben zu teuer. und ich hab später einige folgen von damals gesehen und fand sie cool.^^

  2. Also ehrlich gesagt hab ich auch dem Ausschnitt von ’90 nicht viel abgewinnen können. Diese künstliche Panikmache, als ob die Teilnehmer ernsthaft von Tigern gefressen werden könnten… :-) Aber ich zweifle nicht daran, dass die Neuauflage schlechter ist!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s