2010 – Das Katastrophenjahr

In kaum einem Jahr gab es überall auf der Welt so viele so schwere (Natur-)Katastrophen wie in den vergangenen zwölf Monaten. Nicht nur die Anzahl der Vorfälle, vor allem die Tatsache, dass viele der Katastrophen nahezu zeitgleich passiert sind, ist beunruhigend.

Das Jahr war keine zwei Wochen alt, da erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,0  die Karibik-Insel Haiti, einen der ärmsten Staaten der Welt. Die Hauptstadt Port-au-Prince, nahe der das Epizentrum lag, wurde fast vollständig zerstört, Nachbarorte waren Tagelang kaum zu erreichen. Die offiziellen Zahlen der Todesopfer schwanken zwischen 250.000 und 500.000, über eine Million Menschen wurden Obdachlos. Internationale Hilfe kam zügig und zahlreich, erwies sich aber als schwer zu organisieren. Schon bald kam es zu kleineren Straßenkämpfen. Auch ein Jahr später ist Haiti weit vom Normalzustand entfernt. Im Herbst brach dort sogar eine Cholera-Epidemie aus. Es wird noch Jahre dauern, bis in Haiti wieder so etwas wie geregeltes Leben möglich sein wird.

Kurios wurde es im März. Island, gerade erst der Staatspleite entgangen, legte tagelang den europäischen Flugverkehr lahm. Der Vulkan mit dem sperrigen Namen Eyjafjallajökull war ausgebrochen und spuckte große Mengen Asche kilometerweit in die Luft. Das Wort „Aschewolke“ war in aller Munde, bei Fußballübertragungen wurde sogar die Redewendung für übermäßig hoch geschlagene Bälle, „Da liegt schon Schnee drauf“, umgewandelt zu „Der nimmt noch ein bisschen Asche mit runter“. Aufgrund der kleinen Aschepartikel wurden in großen Teilen Europas die Lufträume gesperrt. „Sandstrahlen der Frontscheiben“ und „Verstopfen der Geschwindigkeitsmesser“ hießen die viel zitierten Gründe.

Nur einen Monat später, als sich die Asche noch nicht ganz verzogen hatte, tat sich in der Erde ein neues Leck auf. Die Ölplattform Deepwater Horizon, betrieben vom britischen Ölkonzern BP, im Golf von Mexiko explodierte und versank. Elf Menschen kamen dabei ums Leben. Als Folge traten in 1500 Metern Tiefe Unmengen Rohöl aus. Durch die enorme Tiefe gelang es nicht, das Leck schnell zu verschließen. Aus dem Unfall entwickelte sich die größte Ölkatastrophe der USA. Eine geschätzte Menge von einer Million Tonnen Rohöl waren ins Meer gelaufen, die ökologischen Schäden sind nicht abzusehen, Fischer in Louisiana mussten ihr Geschäft aufgeben. Seitdem stehen Tiefseebohrungen weltweit stark in der Kritik und das Unternehmen BP erlitt einen Milliardenschaden. Zum Buhmann wurde der Konzernchef Tony Hayward, der sich nach Meinung der US-Bürger nicht genügend um die Angelegenheit kümmerte. Per Live-Webcam konnte man im Internet bei den Reperaturarbeiten zuschauen. Das Wort „Spill Cam“ steht in den USA zur Auswahl zum „Wort des Jahres“. Im Juli konnte die Quelle vorläufig versiegelt werden, seit September gilt sie offiziell als „tot“.

Der Sommer stand im Zeichen der Gegensätze. Pakistan erlebte eine beispiellose Flutkatastrophe. Etwa 14 Millionen Menschen waren direkt von den Wassermassen betroffen, ein ganzes Land stand buchstäblich unter Wasser. Auch in Polen und Ostsachsen gab es innerhalb weniger Wochen mehrere heftige Überschwemmungen. Zeitgleich herrschte in Russland Wassermangel. Große Wald- und Torfbestände brannten ab. Moskau und Sankt Petersburg, besonders stark von der Hitzewelle getroffen, versanken im Rauch. Währenddessen schneite es in Brasilien.

Eine Flut musste auch Ungarn erleben, allerdings eine etwas andere. In einer Chemiefabrik brach der Damm eines Beckens voller Klärschlamm. Die rote Masse, bestehend aus hochgiftigen Schwermetallen, tötete Menschen und Tiere, verseuchte Boden und Grundwasser und macht eine ganze Region auf Jahre unbewohnbar.

Im Oktober sorgte erneut ein Vulkan für  Schlagzeilen. Auf der indonesischen Insel Java brach der Vulkan Merapi aus – zweimal in zwei Wochen. Es war der schwerste Ausbruch seit 140 Jahren. Über 300 Menschen verloren ihr Leben, zahlreiche Dörfer wurden zerstört. Der zweite Ausbruch war besonders verheerend. Viele Indonesier waren in die evakuierten Gebiete zurückgekehrt und wurden nachts vom heißen Ascheregen überrascht.

Zwischen den beiden Merapi-Eruptionen wurde es in Deutschland weniger dramatisch, dafür umso kurioser. Im thüringischen Schmalkalden fällt mitten in der Nacht die Erde ein. Ein riesiges Loch mit ca. 35 Metern Durchmesser tut sich in der Stadt auf, reißt ein Haus mit in die Tiefe. Die Behörden sprechen von einem „Erdfall“ aufgrund von Unterspülungen. Der Krater soll nun mit etwa 1000 LKW-Ladungen Kies gefüllt werden.

Ein Unglück bewegt die Welt jedoch mehr als alles andere – weil es einen glücklichen Ausgang fand. Am 5. August stürzte in Chile eine Gold- und Kupfermine ein und verschüttete 33 Bergleute. Nach über zwei Wochen erfolgloser Suche und nahezu aufgegebener Hoffnung wurde am 22. August vermeldet, dass alle 33 Kumpel in eine Rettungskammer flüchten konnten, am Leben und wohlbehalten waren. Die Rettungsbohrungen verliefen schneller als gedacht. Zunächst war man davon ausgegangen, erst zu Weihnachten würden die Männer wieder das Tageslicht erblicken. Nach 70 Tagen jedoch, „schon“ am 13. Oktober, begann die Bergung der Verschütteten. Per Livestream schaute die ganze Welt dabei zu.

Das erschütterndste Ereignis für Deutschland war keine Naturkatastrophe. Bei der Loveparade in Duisburg kam es im Juli zu einer Massenpanik. 21 Menschen verloren ihr Leben, etwa 500 wurden verletzt. In der Analyse wundert sich das ganze Land, warum man eine so große Menschenmenge über einen einzigen Tunnel auf das Gelände und wieder hinaus ließ. Oberbürgermeister Sauerland und Veranstalter Schaller gerieten in die Kritik, Verantwortung will jedoch bis heute keiner übernehmen.

2010 hat die Erde Katastrophen für mehrere Jahre erlebt. Wie viele der Naturereignisse auf die globale Erwärmung zurück zu führen sind, lässt sich nicht genau sagen. Klar ist nur: Heftige Überschwemmungen und Dürren häufen sich. Dieser Trend darf in den nächsten Jahren gerne unterbrochen werden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s