Nicht Bundesliga-reif

RB Leipzig vs. Chemnitzer FC

1:1 unentschieden trennten sich der Bundesliga-Aspirant RB Leipzig und Ligaprimus Chemnitzer FC in der Leipziger Red Bull Arena. Das Ergebnis ist leistungsgerecht, auch wenn die Gäste die gefährlicheren Chancen hatten. Für Leipzig ist dieser Punkt kein Gewinn. Chemnitz bleibt vor dem letzten Spieltag der Hinrunde elf Zähler voraus.

Auch wenn, rein sportlich gesehen, ein Remis gegen den CFC kein schlechtes Ergebnis ist, muss man ganz klar feststellen, dass nichts, was heute mit dem Spiel zu tun hatte, reif für die dritte Liga, geschweige denn die Bundesliga war. Erneut zeigte die Mannschaft nach vorne enorme Plan- und Kreativlosigkeit, alle gefährlichen Aktionen kamen mehr oder weniger zufällig zustande. Nie wurde direkt und schnell kombiniert, stattdessen wurde vor jedem Pass gewartet, bis der Gegner wieder postiert war. Die Entscheidung, in der Kaderplanung auf alte, erfahrene Spieler zu setzen, hat sich spätestens heute als falsch erwiesen. Ohne echte Zukunftsperspektive fehlen die letzte Motivation und Laufbereitschaft, die Offensive bekommt keinerlei Unterstützung von den Außenverteidigern und in der Defensive kommt der Gegner meist mit einfachsten Mitteln in die Gefahrenzone.

Doch auch über das Geschehen auf dem Platz hinaus gibt es noch reichlich Verbesserungsbedarf. Mit 13101 Zuschauern war die Arena heute äußerst gut gefüllt, in höheren Ligen ist jedoch mit der doppelten Anzahl von Fans zu rechnen. Schon heute dauerten Ein- und Auslass lange und auch nach dem „Spiel der Legenden“ vergangene Woche hat die Stadt nicht gelernt, die eine oder andere zusätzliche Straßenbahn zur Verfügung zu stellen, um die Massen aus der Kälte zu bekommen. Verkehrschaos und wartende Menschen waren das Ergebnis. Berichten zufolge, ist in diesem Bereich auch keine Besserung in Sicht. Allerdings hat man jetzt ja vielleicht ein Jahr mehr zur Planung.

Schließlich ist die Gastronomie im Stadion anzusprechen. Es kann die Veranstalter nicht überrascht haben, dass so viele Fans den Weg in die Arena gefunden haben und auch die Kälte kam nicht erst mit dem Anstoß. So gesehen ist es schon ein schwaches Bild, dass zum Beginn der zweiten Halbzeit Glühwein, Tee, Kaffee, heißes Wasser und Brezeln alle waren. Ein älterer Herr vor uns fasste treffend zusammen: „Das ist ja wie in der DDR damals! Und warmes Bier gibt’s ooch nisch.“

Der Fanzuspruch ist zwar da, 13000 Zuschauer gibt es in Regionalliga-Spielen nicht alle tage, es fehlt jedoch noch an Substanz. 2000 Chemnitzer waren lauter als 11000 Leipziger. Die RB-Supporter waren zwar bemüht, etwas dagegen zu halten, ihnen fehlte es jedoch am Gefühl für die Situationen, an Schlagfertigkeit und letztlich an Stimmgewalt. Erst beim Torjubel zum Ausgleich und der Ansage des Torschützen wurde auf den Rängen für klare Verhältnisse gesorgt. Beim Anfeuern herrscht also auch noch Nachholbedarf. Man hat sich vom himmelblauen Block einschüchtern lassen.

Für Fans, Infrastruktur und Verpflegung kann Trainer Tomas Oral nun wirklich nichts. Und trotzdem muss er ernsthaft um seinen Posten fürchten. Denn nach BILD-Berichten droht ihm bei Nichtaufstieg der Rausschmiss. Sollte diese Klausel wirklich existieren, hätte es für die Vereinsführung allerdings mehr Sinn, ihn schon jetzt vor die Tür zu setzen, wenn ein neuer Trainer die Saison noch „retten“ könnte. Und wenn man sich die Fehler im Spiel der Mannschaft anschaut, möchte man Herrn Beiersdorfer fast darum bitten, Tino Vogel wieder ins Amt zu setzen. Wenn die Gegner immer mit den gleichen Mitteln zu gefährlichen Chancen kommen, wenn der kopfballstarke Dobry bei Freistößen zwei Mal völlig alleine gelassen wird, wurde der Gegner entweder schlecht analysiert, oder der Trainer konnte die Anweisungen nicht klar vermitteln. Beides würde gegen Oral sprechen. Im Angriff wird das Spiel immer wieder verschleppt, direktes Passspiel, prallen lassen und gehen, die einfachsten Mittel werden nicht beherrscht oder beherzigt, Kommunikation auf dem Feld fehlt vollständig – und all das seit Saisonbeginn. Echte Verbesserungen sind nicht auszumachen. Auch das spricht gegen den Trainer. Statt alberner schwarzer Schweißbänder, die den Teamgeist stärken sollen, wären groß angelegte taktische Schulungen ratsamer.

In dieser Verfassung, in dieser Kombination aus alternder, demotivierter Mannschaft und offenkundig planlosem Trainer, ist Chemnitz nicht mehr einzuholen. Im Winter muss, im Winter wird einiges passieren. Und Tomas Oral kann sich glücklich schätzen, wenn er die drei ausstehenden Spiele bis Weihnachten noch alle betreuen darf. Beiersdorfers Interview nach dem Spiel war alles andere als ein Bekenntnis zum Trainer, der unmittelbar nach dem Spiel schon den Kopf schüttelte und schaute, als ob er wisse, dass er seine letzte Chance verspielt hat.

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