Soundtrack: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1

Noch fünf Tage. Dann endlich feiert „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1“ in Deutschland (Vor-)Premiere. Wie üblich hat Warner Brothers bereits eine Woche vor Kinostart den dazugehörigen Soundtrack veröffentlicht.

Alexandre Desplat ist mittlerweile der vierte Komponist der Potter-Reihe. Zuvor schrieb er unter anderem die Musik für „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „New Moon“ und „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“. Als im Januar die Meldung kursierte, dass er den vorletzten Teil der Reihe übernehmen würde, hatte ich mich bereits kurz mit ihm beschäftigt. Anfang des Jahres war ich von dieser Nachricht positiv überrascht. Ich schrieb: „Vielleicht ist seine Musik nicht immer die abwechslungsreichste, aber sie war bei den Filmen, die ich gesehen habe, sehr passend. Vor allem versteht der noch junge Pariser es, einfühlsame Klänge zu schaffen.“ Mein Urteil, nachdem ich die 26 Tracks der CD angehört habe, fällt sehr ähnlich aus.

Der Pariser zeichnet mit seiner Musik durchgehend düstere Klangbilder. Mit sphärischen und mysteriös anmutenden Klängen schafft er eine magische Atmosphäre, die schon ohne die Bilder des Films an Harrys Zauberwelt erinnert. In der Grundstimmung hat sich Desplat stark an John Williams und den Ursprüngen der Potter-Soundtracks orientiert. Die Klangvielfalt ist wieder größer geworden und auch die Besetzung des Orchesters ist angewachsen. Das erste Mal seit dem vierten Film ist das „London Symphony Orchestra“ wieder am Werk. Nicholas Hooper hatte in der Zwischenzeit auf das „London Chamber Orchestra“ gesetzt. Fast vom ersten Ton an ist der Unterschied zu hören und zu spüren. Mit dem vollen, perfekten Klang des Londoner Symphonieorchesters kann kaum ein Ensemble mithalten.

Desplat erzeugt hauptsächlich Stimmungen. Sie werden, dessen kann man sich sicher sein, den Film hervorragend unterstützen. Gefährliche Action-Szenen werden turbulent und oppulent vertont, stellenweise ist die Musik unheimlich und dort, wo sie es sein muss, auch einfühlsam. Eine Sache fehlt jedoch – und das kann bei diesem Komponisten nicht wirklich überraschen: Bei aller Klangvielfalt und -malerei, auf klare, einprägsame Melodien wartet man vergeblich. John Williams‘ Markenzeichen in der Filmmusik, teilweise von Doyle und Hooper (Filme 4-6) übernommen, sind Leitmotive; erkennbare Themen, die sich durch den Film ziehen, an die man sich erinnert, die man notfalls nachsingen kann. Lediglich Hauself Dobby bekommt so etwas wie ein Erkennungsmotiv. Auch das berühmte Hedwig-Thema aus dem „Stein der Weisen“ hat Desplat selbstverständlich auch verarbeitet. In allem, was darüber hinaus geht, ist er aber eher Pragmatiker denn Idealist. Zu jeder Szene denkt er sich neue Musik aus, neue Varianten der Stimmungs-Erzeugung. Ein klarer musikalischer Leitfaden ist jedoch nicht zu erkennen, sein Soundtrack ist nicht „durchkomponiert“. Auch was die Detailtiefe der Musik angeht, die Finessen, reicht er noch nicht an das Niveau eines John Williams heran.

Trotzdem wird es während der knapp 74 Minuten Spielzeit der CD zu keiner Zeit langweilig. Damit setzt er sich beispielsweise von Kollegen wie Howard Shore („Herr der Ringe“) ab, der ebenfalls hauptsächlich mit Klängen arbeitet. Ein endgültiges Urteil lässt sich freilich erst fällen, wenn man den Film gesehen hat. Das bloße Anhören macht jedoch äußerst zuversichtlich, dass da etwas Brauchbares entstanden ist. Und auch wenn ich mich damit wahrlich weit aus dem Fenster lehne, möchte ich eine kleine Prognose abgeben. Angesichts der Tatsachen, dass ich mich in diesem Jahr spontan an keinen Film erinnern kann, bei dem mich die Musik beeindruckt hätte und dass Desplat in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal für einen Oscar nominiert war, würde es mich nicht wundern, wenn auch dieses Jahr die amerikanische Filmakademie seine Musik mindestens für nominierungswürdig hält.

Als Kostprobe habe ich euch Titel Nummer neun, „Dobby“, heraus gesucht. Anhand der Titelnamen lässt sich erkennen, welche Stellen des Buches im Film umgesetzt werden und vor allem wo das vorläufige Ende gesetzt wird. Ich möchte hier nichts verraten und ausdrücklich davor warnen, euch durch die Youtube-Clips durchzuklicken, wenn ihr euch komplett überraschen lassen wollt. Nur so viel sei gesagt: Ich finde die Auswahl, insbesondere das gewählte Ende, sehr gelungen. Alles weitere erfahren wir nächste Woche.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s