R.E.D. – Älter, Härter, Besser (2010)

Alter vor Schönheit.

Frank Moses (Bruce Willis) war CIA-Agent. Seit einigen Jahren ist er in Pension, hält sich am eigenen Boxsack fit und genießt die regelmäßigen Telefongespräche mit seiner Pensions-Beraterin Sarah. Eines nachts bekommt er ungebetenen Besuch einer Spezialeinheit des amerikanischen Geheimdienstes. Doch trotz des Ruhestandes hat Moses nichts verlernt, die Handvoll Killer bringen ihn kaum in Schwierigkeiten. Fliehen muss er trotzdem. Einerseits, weil seine lieb gewonnene Sarah nun in Gefahr ist, andererseits, weil sein Haus durch den Kugelhagel zusammenbricht.

Nachdem Moses in einer spontanen Aktion Sarah „überredet“, ihn zu begleiten (Klebeband und Fesseln halfen bei der Überzeugung), sucht er seine alten Kontakte auf. Joe (Morgan Freeman) und Marvin (John Malkovich) sollen ihm dabei helfen, herauszufinden, warum die CIA Moses töten lässt. Joe ist 80 und im Altenheim, Marvin wurde jahrzehntelang LSD eingeflößt. In entsprechendem Zustand befinden sich beide. Der Weg zur Wahrheit führt über eine befeind-freundete Killerin (Helen Mirren), den russischen Geheimdienst – und viele tote Agenten, denn ein junger, ambitionierter Geheimdienstagent (Karl Urban – „Herr der Ringe“) ist entschlossen, das Team auszuschalten. Schließlich zieht sich die ganze Angelegenheit bis ins Weiße Haus.

Bei so einer auserlesenen Besetzung kann man nicht viel falsch machen, dachte sich der Stuttgarter Regisseur Robert Schwentke („Flightplan“) offenbar. Und zugegeben: Superheld Bruce Willis einmal als Agent im Ruhestand zu sehen, hat seinen Reiz. Vor allem wenn er gesagt bekommt, er sei „unter seiner harten Schale ganz zart besaitet“. Das war es aber auch schon. Weitere Zeichen des Alterns zeigt er im Film nicht, eher im Gegenteil. Ganz unbeschwert prügelt er wie zu seinen besten „Stirb Langsam“-Zeiten. Anders als seine Kollegen. Malkovich, Freeman und Mirren, ohnehin schon älter als Willis, bekamen durch das Make-Up noch einmal zehn Jahre dazu. Überhaupt ist das Motiv der alternden Helden das einzige Element, das Schwentke zu nutzen weiß, zu nutzen versucht. Allzu häufig schwärmen die Figuren von den „guten alten Zeiten“ oder werden von der jüngeren Generation „Opa“ genannt. Die meisten dieser Szenen sind dann auch lustig, irgendwann hat man es aber verstanden.

Auch die Figuren selbst sind nicht weiter originell. Schwentke hat es versäumt, ihnen eine eigene Note zu verleihen. Vielmehr hat er sich scheinbar seine Lieblingsrollen der Hauptdarsteller ausgesucht und auf seinen Film übertragen. Beispiel John Malkovich: Er wirkt wie eine Kombination seiner Figuren aus „Con Air“ und „Burn After Reading“. Der russische Agent trinkt laufend Wodka, Karl Urban als Agent ist komplett austauschbar. Und Bruce Willis‘ Flamme? Die gerät, wie beim Lesen dieses Artikels, zwischendurch völlig in Vergessenheit. Die Liebesgeschichte ist konstruiert, hilft dem Film nicht weiter, ist den Drehbuchautoren offenbar auch ein Klotz am Bein. Denn nach einer Weile wird sie vom FBI gefangen genommen, weg gesperrt und taucht eine ganze Weile lang nicht mehr auf. Die Beziehungen der Figuren untereinander bleiben bestenfalls auf der Oberfläche, ebenso wie die Geschichte, die genau genommen auch nicht bis ganz zu Ende aufgeklärt wird. Stattdessen ist viel vorhersehbar, schon in den ersten Minuten des Films wird klar, dass wieder einmal die amerikanischen Eckpfeiler der Gesellschaft – Familie und Liebe – eine entscheidende Rolle spielen werden.

Und trotzdem: Wirklich langweilig wird der Film nicht und lustig ist er obendrein. Das liegt zum größten Teil daran, dass man selbst mit groben Versäumnissen in Drehbuch und Regie immer noch einen passablen Film erhält, wenn man das besagte Schauspieler-Ensemble auf der Leinwand sieht. Dazu kommen ein paar hübsche Ideen (Kuscheltierschwein als Waffentransport, Postkarten als Ortsangaben) und kernige Dialoge („Ich will dich nicht töten. Also sind wir Freunde!“ – „Ja“ – „Dann kannst du jetzt ja das Messer von meinen Eiern nehmen.“).

„R.E.D.“ macht aus einem viel versprechenden Thema zu wenig. Bedenkt man, dass der Regisseur aus Deutschland kommt und „Flightplan“ gedreht hat, musste man das allerdings erwarten. Wer Action-Filme mag, wird jedoch auf seine Kosten kommen. Auch als Komödie ist „R.E.D.“ brauchbar. Allerdings bleibt er als Ganzes gesehen im Mittelmaß.

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