Die schönsten Nebensachen

„Wissenschaft ist wie Sex. Manchmal kommt etwas Sinnvolles dabei raus; das ist aber nicht der Grund, warum wir es tun.“ – Richard P. Feynman

Es ist wieder an der Zeit, die neuesten Erkenntnisse meines Studiums zusammenzufassen. Nicht die sinnvollen, wie die Tatsache, dass man in Deutschland bereits vor über 100 Jahren der Auffassung war, man bräuchte qualifizierte ausländische Arbeitskräfte, die aber bloß nicht langfristig hier leben sollen. Nein, die tatsächlichen Studieninhalte sollen mich heute nicht interessieren. Vielmehr geht es, wie eigentlich immer, wenn ich so darüber nachdenke, um die Verfehlungen und Kuriositäten, nennen wir sie Fun Facts, die das Studium zu einer echten Alternative zum TV-Comedyprogramm machen.

Im zweiten Semester waren es noch Worte wie „molarer Kontext“ oder „hochgradig binnendifferenziert“, die einem verdeutlichten, dass man sich in wissenschaftlichen Arbeiten offenbar von jeder Form der Alltagssprache verabschieden muss. Als echte Schatzkammer der Angeberwörter hat sich schon nach wenigen Wochen die Afrikanistik entpuppt. Hier einige Beispiele:

  • In afrikanischen Clicksprachen gibt es dentale, laterale, alveolare, palatale, plosive, aspirierte und affrizierte Clicks
  • Einige dieser Clicks werden durch einen Doppelverschluss erzeugt
  • Die afrikanische Sprache „Berti“ (nicht kurz für Hans-Hubert) gibt es kein Wort für „Ohr“
  • Das einzige „High Income Country“ in Afrika ist? Richtig: Äquatorial Guinea
  • Solltet ihr euch bei Referaten o.ä. einmal verzetteln, schiebt es auf die überdurchschnittlichen Kapazitäten eures Gehirns und verwendet dabei die Worte „Ressourcenfluch“ oder „Paradox of Plenty“
  • Zum Schluss zwei Aufgaben für euch: Was versteht man unter „Westniloten“ und was ist ein „bilabialer Frikativ„?

Nun zu Politikwissenschaften. Einige Sätze der Professorin, die aus dem Zusammenhang gerissen sehr lustig klingen:

  • „Die Schwarzen sollen sich die Haare blond färben und die Haut weißen. Dann können sie Deutsche werden. Wenn sie noch schwarz sind, haben sie sich nicht integriert.“
  • „Das mit den Sinti und Roma [Räumung der Lager in Frankreich] war ja ein Missverständnis und eine ganz böse Unterstellung der EU. Die wurden nur geräumt, weil sie unangemeldet und kriminell sind. Dass das zufällig alles Sinti und Roma waren, war ein unglücklicher Zufall.“
  • „Da, wo die beiden Psychologen ansässig waren, gab es immer ganz viele Schizophrene.“
  • „Heinz ist also nationalsozialistisch, weil er aus der sächsischen Schweiz kommt, arbeitslos ist, weil die Ausländer seinen Job weggenommen haben, seine Freunde Nazis sind und er in der Kindheit geschlagen wurde.“
  • „Die Briten wollen keine Personalausweise, weil sie wissen, was die Deutschen früher damit angestellt haben.“
  • „Wir sollen den Studenten keinen Grund geben, morgen in Leipzig zu sein.“

Von der KMW möchte ich lieber gar nicht erst anfangen. Dort lernen wir in der PR gerade, dass es „KuZe“s gibt – Kundenzeitschriften. Und Mitarbeiterzeitschriften, die inkonsequenterweise nicht „MiZe“ heißen. Später vielleicht mehr dazu.

Wer mit den Westniloten und dem bilabialen Frikativ noch nicht ausgelastet ist, ist herzlich dazu eingeladen, mir kreative Vorschläge zu nennen, worum es sich bei der „holländischen Krankheit“ handeln könnte. Ein sehr reiches Feld tut sich da auf!

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4 Gedanken zu „Die schönsten Nebensachen“

  1. Hm, mal schauen, wozu mein Bachelor-Arbeit-geschädigtes Gehirn so fähig ist:

    1. Bilabialer Frikativ: Ich vermute, dass es sich um einen Tippfehler handelt und es eigentlich „bilabialer Frickativ“ heißen müsste. Meine Erklärung dazu wäre dann:

    Doppellippiges (was für ein geiles Wort!) Fluchen im Stile US-amerikanischer Privatärztinnen connecticutianischer Herkunft deutscher Abstammung mit Rothaar-Aversion.

    2. Westniloten, eigentlich Westni-Loten: Haarpracht westnigerianischer Stammeshäupter

    3. Holländische Krankheit: Eine durch zu häufige Leibesertüchtigung in orangefarbenen Leibchen hervorgerufene sehr schmerzvolle und langfristige Verminderung der Arbeitsfähigkeit, Inkubationszeit ca. 4-8 Wochen, Heilungsdauer min. 4 Wochen, häufig auch mehrere Monate. Zur Zeit vor allem in der Metropolregion München grassierend.

    … und jetzt kommt ihr!

  2. Als Inhaberin eines Philologie-Bachelors kann ich über linguistische Fachbegriffe höchstens müde lächeln… wobei mir da ein schönes Zitat aus dem Literaturseminar einfällt:

    „Was bedeutet das jetzt, wenn man es von der Bedeutung her betrachtet?“

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