The Social Network (2010)

Eine amerikanische Geschichte

Sicher, über Sinn und Unsinn, die Gründungsgeschichte eines sechs Jahre alten Unternehmens zu verfilmen, lässt sich streiten. Zu diesem Thema habe ich mich bereits positioniert. Dafür, dass wir in einer so schnelllebigen Zeit leben, kann jedoch weder Facebook etwas (wobei…?!), noch David Fincher, Regisseur von „The Social Network“. Also möchte ich fair sein und eben jenen Film auch nur als solchen beurteilen, unabhängig von allen Sinnfragen.

Es beginnt in einer Bar. Informatik-Student Mark Zuckerberg wird von seiner Freundin verlassen. Mit seiner Rechthaberei und Pingeligkeit geht er (nicht nur) ihr so lange auf die Nerven, bis sie endlich die Reißleine zieht. Wütend stürmt Mark in sein Wohnheim-Zimmer der Universität Harvard, betrinkt sich und programmiert dabei mal eben die Internetseite „facemash.com“, auf der Studenten ihre Kommilitoninnen nach Attraktivität bewerten können. In nur einer Stunde generiert die Seite 22000 Besucher und lässt das Harvard-Netzwerk abstürzen. Sofort spürt Mark, dass er eine Marktlücke gefunden hat. Mit einer Anstoßidee zweier Kommilitonen und 1000 Dollar Startkapital eines Freundes programmiert er im Alleingang „thefacebook.com“. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Facebook expandiert rapide, weitet sich auf weitere Unis in den USA und England aus, wird schließlich für die Öffentlichkeit freigegeben und verzeichnet aktuell eine halbe Milliarde Mitglieder.

Auf dem Weg zum Erfolg macht sich Zuckerberg jedoch auch Feinde. Die Studenten, die der Meinung sind, er habe ihre Idee gestohlen und sein Freund Eduardo Saverin, sein ehemaliger Finanzchef und somit Mitbegründer von Facebook, verklagen ihn. Diese zwei Gerichtsprozesse gegen Zuckerberg führen durch den Film. Kein neues, aber ein sinnvolles Erzählmittel. Immer wieder verschmelzen die Aussagen vor Gericht mit den Dialogen aus der Geschichte.

Der Film, der daraus entsteht, könnte amerikanischer kaum sein. Ein einfacher Student, der kaum etwas hat außer Talent und einer Vision schafft es durch harte Arbeit zum Milliardär. Er ist auf den Erfolg fixiert, geradezu besessen. Umgang mit Menschen scheint er nie gelernt zu haben, arrogant geht er mit allen um, die seine Leistungen nicht angemessen würdigen. In Badelatschen döst er in beiden Gerichtsverhandlungen vor sich hin. Und alles nur, weil seine Freundin ihn verlassen hat und er ihre Aufmerksamkeit zurück gewinnen möchte. Weil er überhaupt wahrgenommen werden möchte. Alltagssituationen auf das große Ganze zu beziehen, einfache Fragen von Studenten zur zündenden Idee des gesamten Projektes werden zu lassen, das ist seit jeher die große Vorliebe des amerikanischen Kinos. „The Social Network“ ist geradezu prädestiniert für so etwas. Die Zwillinge Winkelvoss (übrigens von nur einem Schauspieler gespielt), seine erbitterten Widersacher, könnten sogar aus einem Teenie- oder Collegefilm entliehen sein. Sie sind groß, breitschultrig, rudern für die Uni und haben wohlhabende, einflussreiche Eltern. Wie immer kommen diese Figuren am schlechtesten davon.

Schließlich darf die Moral nicht fehlen. Dafür sorgt das Schlussbild. Ich werde es hier nicht verraten, sage aber so viel: Es wirkt wie ein Appell des Regisseurs an Mark Zuckerberg selbst.

„The Social Network“ ist in vielerlei Hinsicht klischeehaft. Schuld daran ist jedoch größtenteils, dass die reale Geschichte selbst mindestens ebenso stereotyp für die amerikanische Gesellschaft ist. So gesehen hat David Fincher vieles richtig gemacht. Obwohl bis auf die Randdaten so gut wie alles frei erfunden ist, wirkt die Story glaubwürdig. Die Charaktere sind authentisch: Der Nerd Zuckerberg hat keine Ahnung vom sozialen Leben, ist aber ein genialer Kopf, der Finanzchef Saverin, der einzige Mensch mit einem Gewissen, wird am Ende am übelsten über den Tisch gezogen, der Unternehmer und Napster-Erfinder Sean Parker bringt den Größenwahn mit, den so ein Unternehmen braucht und die Winkelvoss-Zwillinge sagen Sätze wie „Nutzen wir unsere erheblichen finanziellen Mittel und verklagen wir ihn!“.

Es passt einfach vieles in diesem Film. Wie es sich für einen Studenten-Film gehört gibt es viel zu lachen, aber die Mischung mit den Prozess- und Arbeitsszenen sorgt für eine gute Abwechslung der Gefühle. Nur Spannung gibt es kaum. Wie auch? Die Geschichte ist hinlänglich bekannt und bietet selbst keinen zentralen Punkt, auf den alles hinarbeitet, keinen Konflikt, der in einer Art Showdown gelöst werden müsste. Deshalb versucht Fincher, sich mit Zahlen zu helfen. Sie spielen eine zentrale Rolle im Film. Immer wieder werden neue Zwischenstände genannt, wie viele Nutzer Facebook mittlerweile hat. Das Knacken der Eine-Million-Grenze bildet den Höhepunkt. Nach einer Weile hat sich dieses Element allerdings erschöpft, ebenso wie die Informatiker-Sprache von Zuckerberg, der laufend Codes rauf und runter zitiert. Irgendwann hat man von beidem genug.

Letztendlich wird „The Social Network“ nicht als großes Highlight der Kinogeschichte in Erinnerung bleiben. Ein solider Film ist Fincher allerdings gelungen. Er unterhält ausgezeichnet, wird nicht langweilig und erzählt eine Geschichte, die viele Menschen interessiert. Und genau das soll ein Kinofilm ja auch tun.

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