Archiv

Artikel getaggt mit ‘uni leipzig’

Es war nicht alles schlecht

21. Oktober 2011 7 Kommentare

B.A. KMW – Eine Bilanz

Was habe ich gelästert über meinen Studiengang! Drei Jahre lang habe ich neue Namen für mein Studium der “Kommunikations- und Medienwissenschaft” erfunden: KMW als Abkürzung für  ”Kommunikations- und Medien… Was?”, oder nur “Kommunikation und Medien”, da die Wissenschaft fehlt. Oder aber – mein Favorit – nicht KMW, sondern EAW: “Erweitertes Allgemeinwissen”. Auch Professoren und Verantwortliche mussten kräftig einstecken. Sprach ich doch davon, dass sie aufgrund ihres Umgangs untereinander und der teils chaotischen Organisation ihr Institut zum einzigen an der Universität machten, das den Inhalt seines Namens nicht beherrscht.

Jetzt, da ich alle Noten habe und mein Bachelorstudium abgeschlossen ist, möchte ich noch einmal ausgewogen, mit ein wenig Abstand auf die letzten Jahre blicken. Denn wie immer gab es neben dem Kritikwürdigen auch Positives, das aufgrund mangelnden Nachrichtenwerts unter den Tisch gefallen ist. Und über die einzelnen Verfehlungen habe ich bereits hinlänglich berichtet. Aus Platz- und Lesbarkeitsgründen kann ich leider nicht wirklich ins Detail gehen. Aber das passt ja irgendwie zum Bachelor.

Der Wahlbereich hat nicht nur Sorgen bereitet, sondern tatsächlich zahlreiche interessante Einblicke in Themengebiete ermöglicht, die fernab von meinem Kernfach, aber dennoch nicht minder wissenswert waren. Bei allem Klagen über das Bachelorsystem muss man anerkennen, dass das Prinzip des Wahlbereichs gar nicht so verkehrt ist und sehr gewinnbringend sein kann (die Durchführbarkeit mal ausgeklammert). Der Geschichts- und Gesellschaftsunterricht Amerikas, die Wirtschaft Afrikas und vor allem die vier Module in der Politikwissenschaft haben mir so gut gefallen, dass meine Noten dort durchweg besser waren als in meinem Hauptfach.

Doch auch in der KMW wurde nützliches Wissen vermittelt. In den Klausuren wurde es zwar nur selten abgefragt, aber man lernt ja auch nicht für die Noten. Eigentlich. Die Vorlesungsinhalte haben mich dazu ermuntert, mich auch privat intensiver mit dem Mediensystem zu beschäftigen. Ich habe in den letzten drei Jahren viel über die Funktionsweisen diverser Medien gelernt; sei es wirtschaftlich, redaktionell, ethisch oder institutionell. Das meiste davon wurde in den Veranstaltungen behandelt, für den Rest hat das Studium das Interesse geweckt. Ein Bachelorstudium soll, so wie ich es verstanden habe, genau das tun. Interesse wecken. Die Studenten sollen ein Grundverständnis über die einzelnen Themengebiete erhalten, um anschließend zu entscheiden, in welche Richtung sie sich spezialisieren wollen. Diese Kriterien hat auch der Leipziger B.A. KMW erfüllt.

Genau das ist jedoch der Knackpunkt – und damit sind wir bei der in einer Bilanz unausweichlichen Kritik angekommen. In sechs Semestern gab es kaum ein Modul, dessen Veranstaltungen nicht die Worte “Einführung”, “Grundlagen” oder “Methoden” beinhalteten (das hätte man allerdings auch vorher wissen können). Auf Dauer frustriert dieses An-der-Oberfläche-Kratzen. Auch im letzten Semester beschleicht einen das Gefühl, gar kein echtes Studium im Wortsinne zu betreiben. Um das zu illustrieren, lohnt ein Blick auf mein Zeugnis. Ich habe meinen Bachelor mit einer eins vor dem Komma abgeschlossen, obwohl ich in meinem gesamten Studienverlauf genau drei Mal in der Bibliothek gewesen bin. Zweimal für meine Abschlussarbeit, einmal für Politik. Literaturrecherche musste ich kaum betreiben, wenn sie nötig war, reichte meist eine Online-Recherche, um Bewertungen zu erhalten, die mich zu der guten Gesamtnote brachten. Für mich war das zwar ungemein praktisch, aber für eine Universität kann ein Studiengang, der ohne Bibliothek zu bestehen ist, nicht erstrebenswert sein.

Literatur wäre genügend vorhanden, übrigens auch sehr lesenswerte. In der bestehenden Studienstruktur ist es aber unmöglich, sich intensiv mit einem der interessanten Texte zu befassen, da in den Überblicksmodulen lediglich alle Autoren nur kurz vorgestellt werden können. Dadurch ist man gezwungen, von allem etwas zu lesen, ohne sich genauer damit auseinanderzusetzen. Das nervt und verdirbt die Lust am Lesen. Rückblickend finde ich es sehr bedauernswert, dass ich so wenige der guten Bücher gelesen habe, weil mich die langweilige Pflichtlektüre davon abgehalten hat.

Apropos unmöglich. Die Bachelor-Devise, so viele Studenten wie möglich so schnell wie möglich durch die Uni zu schleusen, lässt kein sinnvolles Studium zu. Durch chronisch fehlende Gelder konnten in diversen Modulen keine Tutorien oder Seminare angeboten werden. Für Studenten hält sich der Erkenntnisgewinn von Vorlesungen mit 300 Teilnehmern in Grenzen, für Dozenten werden pädagogisch und akademisch sinnvolle Veranstaltungen undurchführbar. Ein wenig muss das so gescholtene Institut folglich in Schutz genommen werden. Den größten Teil der Schuld an der Misere tragen die sächsische und die europäische Bildungspolitik.

Würde ich mich erneut für diesen Studiengang entscheiden? Schwierige Frage. Vermutlich. Das Thema ist für mich schließlich genau das richtige, ebenso wie der Standort Leipzig. Darüber hinaus habe ich durch mein Studium einige Kontakte geknüpft, die mich bereits voran gebracht haben und das sicherlich auch in Zukunft noch tun werden. Wenn auch der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn überschaubar geblieben ist, so hat sich doch alleine deshalb das Studium gelohnt. Ich möchte deshalb, als Fazit, nicht von der KMW, sondern vom Bachelor abraten. Massenabfertigung in der Bildung ist eine Beleidigung für Lehrende und Lernende.

Je länger ich über mein Abschlussurteil über den B.A. KMW nachdenke, desto mehr drängt sich mir folgende Formulierung auf: KMW – Kann man mal machen.

Kategorien:Uni, Was mich betrifft... Schlagworte: , , , ,

Altes aus der Anstalt – Teil 1

Rückblick auf drei Jahre BA KMW

Bis ich mein Zeugnis in der Hand halten darf, werden noch einige Wochen ins Land gehen; eine Hausarbeit will noch geschrieben werden. Trotzdem ist es an der Zeit, halb glücklich halb melancholisch auf die vergangenen drei Jahre zurück zu blicken, in denen ich mit Hundertschaften von Kommilitonen versucht habe, den Bachelor of Arts im Fach Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig zu besiegen. Seit Juni 2009 konntet ihr hier diverse Zwischenberichte lesen, die für die Universität meistens weniger gut ausfielen. Auch dieser Rückblick – wie alle erfolgreichen Produktionen der letzten Jahre als Trilogie aufgebaut – wird vor allem die kuriosen bis fragwürdigen Highlights thematisieren. Zur Ehrenrettung der Uni ist eine sachliche Zusammenfassung des Studiums in Planung. Doch jetzt erst einmal hinein in die aktuelle Fragestellung. Stichpunktartige Antworten sind zulässig, sollten aber verständlich sein.

Wintersemester 2008/09

Das Studium beginnt mit der Erkenntnis, dass für den Universitätsalltag ein völlig neues Vokabular zu erlernen ist. Kommilitonen, Module, Schlüsselqualifikation, Credit Points, c.t./s.t. (wär doch mal ein netter Bandname…), Härtefall, Wahlbereich, Moodle, Tool, LSF. Beim ersten Organisationstreffen des Jahrgangs folgen die Feststellungen, dass außer mir noch viele viele andere Leute die Idee hatten, KMW zu studieren, die noch dazu größtenteils älter sind als ich und weiblich sind. Von diesen über 80% älteren Mädchen haben auch noch beunruhigend viele blondierte Haare. Na das kann ja was werden.

Die Moduleinwahl erweist sich als ähnlich kompliziert, wie sie in der erwähnten Veranstaltung dargestellt wurde. In meinem ersten Semester werde ich gleich zum “Härtefall”, bekomme nur zwei Module und denke mir: “Was solls, wird es halt ein ruhiger Studienbeginn.” Eine Entscheidung, die mir beinahe zum Verhängnis geworden wäre, wie sich im fünften Semester herausstellen sollte. Meine Modulwahl fällt natürlich auf das Pflichtmodul “Einführung in die Kommunikations- und Medienwissenschaft und das wissenschaftliche Arbeiten”, kurz: 101 (nächste Lektion: KMWler unterhalten sich bei Modultiteln nur mit Zahlen). Im Wahlbereich bekomme ich aus den Politikwissenschaften das Modul “Wissen und Macht I” zugelost. Der Titel klang so gut.

Da “die Universität” als Gebäude gerade nicht existiert, muss ich zu meinen Veranstaltungen die halbe Stadt bereisen. Brühl, Uniklinik, GWZ, Grassimuseum – fast alles dabei. Einrichtungen im Westen und Süden sollten im Sommersemester folgen. Inhaltlich entpuppt sich Modul 101 als astreine Realsatire. “Vorlesung 1″ stellt jede Woche einen neuen Professor mit seinem Fachgebiet vor. In der ersten halben Stunde erzählen alle das gleiche, der Rest ist ein Schnelldurchlauf durch das jeweilige im weiteren Studienverlauf folgende Modul. Informationsüberflutung und Desorientierung statt sinnvolle Themeneinführung. “Vorlesung 2″ war von vornherein eine Schnapsidee. Als könnte man jemandem beibringen, wie man wissenschaftlich arbeitet, indem man ihm davon erzählt! Man kann nicht theoretisch wissenschaftlich arbeiten. Spätestens als uns eine bemitleidenswerte Dozentin 90 Minuten erzählt, dass man das Internet zur Recherche verwenden kann, gerät die Veranstaltung zur Farce.

Ganz anders die Politik. Kleine Arbeitsgruppen, interessante Themen, informative und unterhaltsame Vorlesungen. Nur das Seminar erinnert stark an den Ethikunterricht: Der Dozent stellt eine Frage, wer sich daraufhin zuerst bewegt, hat verloren.

Die fachlich/inhaltlichen Erkenntnisse des ersten Semesters nun im Überblick:

  • Substantivieren + Fremdwörter erfinden = wissenschaftliches Schreiben in der KMW
  • Es gibt für alles ein Modell – und ist es noch so primitiv
  • Auf den ersten Blick erscheint vieles trivial – auf den zweiten auch.
  • KMW lernen = Definitionen lernen
  • Es gibt in der KMW zwei Arten von vermitteltem Wissen: Das sinnvolle und das, was in der Klausur erfragt wird
  • Max Weber hatte überall seine Finger drin!
  • Die PR findet sich toll
  • Beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten muss man korrekt zitieren und belegen (hätten diverse Politiker mal Modul 101 besucht…)
  • Georg Jellinek wurde bei mir um die Ecke geboren

Sommersemester 2009

Neues Semester, neue Hörsäle. Die Eröffnung von Hörsaal- und Seminargebäude lässt weiter auf sich warten, deshalb müssen die Veranstaltungen erneut verteilt werden. Dieses Mal geht es in den Westen zum Sportforum, in den Süden zur HTWK, wiederum ins GWZ und ins Städtische Kaufhaus in der Innenstadt. Als Pflichtmodul ist wenig überraschend die 102 dran (Mediengeschichte, Mediensystem, Kommunikationswissenschaft), ergänzt durch “Wahlpflicht-Modul” 108 (“Normen&Recht) und einen Wahlbereich aus der Amerikanistik namens “Society, History, and Politics I”.

Vor allem die Vorlesung zur Mediengeschichte erreicht schnell Kultstatus und inspiriert mich zu meiner Blogreihe “Neues aus der Anstalt”. Zusammenfassen lässt sich diese Veranstaltung mit dem Wort “differenziert”. Es taucht so oft auf, dass wir beginnen, Statistiken dazu aufzustellen. So schafft es der Dozent am 4. Mai 2009, jenes Wort in diversen Variationen 40 Mal in 80 Minuten Vorlesungszeit einzubauen. In der folgenden Woche bringt er es in den ersten sechs Minuten ganze zehn Mal unter. Es kommen Sätze zustande wie dieser hier:  ”Die Binnendifferenzierung des Rundfunkprogrammes ist äußerst heterogen.” Auch sonst gerät die Mediengeschichte immer wieder zum Kurs “Latein für Anfänger”. So zum Beispiel hier: “Dieses Faktum exemplifiziert zwei markante Strukturmerkmale der Tagespresse in den 1920er Jahren.” Mehr dazu gleich.

Modul 108 lässt sich im Nachhinein als das einzige von vorne bis hinten ausschließlich sinnvolle Modul einordnen. Praxinahe Wissensvermittlung von aktiven Praktikern kombiniert mit der wissenschaftlichen Beurteilung der Inhalte. So soll das sein. Interessant ist die Amerikanistik auch, allerdings ziemlich frustrierend. Statt Inhalte zu besprechen, werden 75% der Seminarsitzungen darauf verwendet, fünfminütige Kurzreferate zu halten und in der Übung wird uns beigebracht, wie man wissenschaftliche Texte auf Kindergarten-Niveau schreibt. Schade eigentlich.

Die wichtigsten Erkenntnisse des zweiten Semesters nun wieder im Überblick. Dieses Mal handelt es sich hauptsächlich um Wortschatzerweiterungen durch Modul 102.

  • “Integrations- und Erweiterungspotenzial lassen sich an den merkmalen Transaktion, Dynamik und molarer Kontext demonstrieren.”
  • Triadisches Ursachenfitting
  •  Molarer Kontext
  • Typologische Differenzierung
  • Empirische Validierung
  • Massive Dezentralisierung
  • “Auf dem Bild sehen Sie übrigens Adolf Hitler”
  • 50:50%
  • Vier Aggregatzustände der öffentlichen Meinung: fest, flüssig, gas- oder dunstartig, luftartig
  • Die Hälfte der Reader-Texte ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden.
  • Das “Fetter-Mann-Problem” ist kein Thema der Ernährungswissenschaft
  • Es ist möglich, zwei KMW-Klausuren am gleichen Tag, getrennt durch eine halbe Stunde Pause, zu schreiben

Fortsetzung folgt. Teil zwei unter anderem mit diesen Themen: Studentenrevolte in der Journalistik, Risiko in der SQ und vier Telefoninterviews zur Fußball-WM in vier Stunden.

Kategorien:Uni Schlagworte: , , ,

Interextinktionsmodell

25. Januar 2011 9 Kommentare

Profildebatte am IfKMW Leipzig

“Das System der PR und das System des Journalismus beeinflussen einander und ermöglichen sich dadurch gegenseitig” besagt das “Intereffikationsmodell” nach Professor Dr. Günter Bentele, Professor für Public Relations bzw. Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig. Seine Wortneuschöpfung um das lateinische Wort “efficare” ist heutzutage in PR-Kreisen weitestgehend akzeptiert. Trotzdem sieht es am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft ganz danach aus, als sei das Gegenteil der Fall.

Ein Hauch von “Twilight” wehte gestern durch den Hörsaal drei. “Team Edward” gegen “Team Jacob”. In diesem Fall “Team Journalismus” gegen “Team PR”. Der Fachschaftsrat KMW hatte zu einer Informationsveranstaltung geladen, in der Studenten und Professoren gemeinsam die Pläne der Umstrukturierung des Instituts diskutieren konnten. Noch bevor es los ging, versuchte eine MDR-Redakteurin, Stimmen von Studenten einzufangen, fand nur “PRler”, suchte verzweifelt “Journalisten”, ein erneuter Eklat schien in der Luft zu liegen, manch einer hoffte sogar darauf. Schließlich gab es kurz zuvor in der ZEIT Geschichten über lautes Anschreien der Professoren auf dem Gang zu lesen.

Es bliebt jedoch alles ruhig am Montagabend. Grund: Die Journalistik war nicht anwesend. Frei nach dem Motto “Wenn man nicht da ist, gibt es auch keinen Streit” glänzten Professor Machill und Mitarbeiter durch Abwesenheit. So kam es zwar zu keiner Eskalation, aber die ganze Veranstaltung wurde dadurch ein Muster ohne Wert. Sinnbildlich dafür stand Professor Bentele, der mit schweren Augenlidern in der ersten Reihe saß und dem Einschlafen nahe wirkte.

Die geplanten Strukturreformen sehen wie folgt aus: Die Professur des emeritierten Journalistik-Professors Michael Haller wird gestrichen, ebenso die knapp fünf Mitarbeiter-Stellen im gleichen Bereich. Mit den dadurch frei werdenden Mitteln wird ein weiterer Lehrstuhl in der PR geschaffen und unter dem Titel “Umwelt- und Gesundheitskommunikation” ausgeschrieben. Die Master-Studiengänge werden ebenfalls komplett umgestaltet. Sie heißen dann “Kommunikationswissenschaft”, “Medienwissenschaft und -Praxis” und “Kommunikationsmanagement”. Der bisherige “Master Hörfunk” wird in den “Praxis”-Master integriert und nicht von der Journalistik getragen. Journalismus selbst studiert man weiterhin in einem eigenen, nicht-konsekutiven Master, jedoch zukünftig mit nur noch 20 statt 44 Plätzen. Neben Professor Machill soll es eine Juniorprofessur zum Thema “Journalismusforschung” geben.

Mit den Änderungen sollen mehrere Ziele erreicht werden. Die finanziellen und personellen Mittel sollen unter den Fachbereichen gleichmäßiger verteilt und Kürzungen des Ministeriums umgesetzt werden. Die Studentenbetreuung soll besser werden. Der bislang kaum vorhandene Forschungs-Anteil in der Journalistik soll ausgebaut werden, Spezialisierungen im Master sollen klarer werden und schließlich soll mit der neuen Professur ein attraktiver, zukunftsorientierter Studiengang geschaffen werden. So zumindest konnten es die PR-Professoren den Anwesenden einimpfen.

Wichtige Fragen konnten jedoch immer noch nicht befriedigend beantwortet werden. Rechtfertigt die Nachfrage eine dritte PR-Professur? (“Wir gehen davon aus, dass wir in einigen Jahren die Studiengänge voll bekommen.”) Warum öffnet sich die Journalistik nicht auch für KMW-Bachelor? Vor allem drängen sich jedoch zwei Fragen auf: Wenn gekürzt werden muss, wieso kann die PR trotzdem eine weitere Professur bekommen? Wäre es nicht sinnvoller, stattdessen die Mittel für weitere wissenschaftliche Mitarbeiter und Tutoren einzusetzen, die eine adäquate Studentenbetreuung meist besser gewährleisten können als ein Professor? Man könnte, wenn man kürzen muss, sogar darüber nachdenken, einen wenig nachgefragten und nicht so Recht zum Rest passenden Bereich (z.B. Buchwissenschaft) komplett aus dem Programm nehmen und damit Mitarbeiterstellen erhöhen und Studienbedingungen verbessern. Natürlich wäre das ein radikaler Schritt, der, wie Professor Zerfaß sagte, wohl auch vom Rektorat angefragt werden wird. Letztendlich sollten die Bedürfnisse der Studenten entscheidend sein.

Die Diskussion geht allerdings über all diese rationale Argumente hinaus. Für öffentliche Institutionen ist, auch das haben wir in PR gelernt, kaum etwas wichtiger als das Ansehen, das “Image”. Was für ein Bild muss man von der Uni Leipzig bekommen, wenn es doppelt so viele Professuren für PR wie für Journalistik gibt? Ein Institut, das den Ruf genoss, einer der Standorte in Deutschland zu sein, der herausragende und so wichtige unabhängige Journalisten ausbildet, würde somit zu einem Ort werden, der Interessensvertreter hervorbringt. In einer Zeit, in der PR mehr und mehr das öffentliche Leben beherrscht, sollte es gerade einer Universität wichtiger sein, exzellente Journalisten zu schaffen. Wenn den Public Relations nun eine zahlenmäßig doppelt so große Bedeutung beigemessen wird und man auf den Zug der wirtschaftsrelevanten Fächer aufspringt, bedeutet das entweder, dass man die Zeichen der Zeit nicht verstanden hat, oder dass sich die PR für bedeutsamer hält, als sie ist.

Eine Reform am Institut ist nötig und die Pläne für den Master sehen so schlecht nicht aus. Über eine derartige Prioritätensetzung sollte jedoch noch einmal ernsthaft nachgedacht werden. Da macht es ein klein wenig Hoffnung, dass es heute hieß, der Institutsrat würde zunächst von einem Beschluss absehen und konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten anstreben. Andernfalls könnte es dazu kommen, dass sich PR und Journalismus gegenseitig abschaffen. Der Ruf für beide Seiten hat schon jetzt gelitten. Interextinktion eben.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.