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Erfolg geht vor

4. Mai 2011 1 Kommentar

RB Leipzig: Pacult kommt, Linke geht

Seit einigen Wochen hielt sich das Gerücht hartnäckig, dass Peter Pacult, bis vor kurzem Trainer von Rapid Wien, zur neuen Saison den Regionalligisten Rasenballsport Leipzig übernehmen würde. Seit heute Abend, 20:30 Uhr ist es offiziell. Der Wiener arbeitet ab Juli in der Messestadt. Doch damit nicht genug. Auch ein neuer Sportdirektor wird ab sofort gebraucht. Thomas Linke gab heute seinen Rücktritt bekannt – nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt.

Vieles spricht dafür, dass diese Entscheidung in Österreich getroffen wurde. Dass Thomas Linke seinen Vertrag zeitgleich mit Peter Pacults Unterschrift unter dem seinen auflöst, ist alles, nur kein Zufall. Der Rücktritt sei aus “persönlichen Gründen” erfolgt, heißt es in der Pressemitteilung. Meine Übersetzung: Er durfte in der Trainerentscheidung nicht wirklich mitreden und/oder sieht in Pacult nicht den geeigneten Mann. Auch sein Zitat “Ich danke Red Bull für eine sehr lehrreiche Zeit.” klingt nicht nach einer echten Liebesbekundung.

Die Entscheidungen des heutigen Abends werden von den Fans bestenfalls mit einer hochgezogenen Augenbraue kommentiert werden. Thomas Linke hat sich in kurzer Zeit zum Sympathieträger entwickelt und die einhellige Fan- und Journalistenmeinung zu Pacult ist: “bitte nicht!” Nach dem gescheiterten Versuch mit Tomas Oral als Cheftrainer und einer zusammengeflickten Sternchen-Mannschaft wurde der Ruf nach lokalen Größen immer lauter. Ein Trainer aus der Region wird gefordert, jemand, mit dem man sich identifizieren kann, der die Sympathien der Leipziger erobern kann. Nichts davon trifft auf den neuen Coach zu.

Oral wurde vorgehalten, er sei zu aufbrausend, könne nicht gut mit Menschen umgehen und erreiche die Mannschaft nicht. Dem neuen Mann wird zwar fachliche Brillianz zugebilligt, seine Art, mit Personen umzugehen, ist jedoch ebenso berüchtigt. Ein Spieler, der bei Dynamo Dresden unter Pacult trainiert hat, bezeichnete ihn gar als “menschliche Katastrophe”. Worin liegt also der Sinn in der Verpflichtung eines solchen Mannes? Ganz einfach: Die Verantwortlichen glauben offensichtlich, dass er mit seinem Fachwissen derjenige sein kann, der RB Leipzig schnell in höhere Ligen befördern kann. Sportlichen Erfolg um jeden Preis – damit bleibt der Verein seiner Linie treu.

Denn eines ist klar: Die beiden Personalentscheidungen werden einen Preis haben. Fans werden verärgert sein, neue Anhänger werden nicht wegen der Personalie Pacult das Stadion füllen. Die Kalkulation ist eindeutig: Fans bindet man durch sportliche Erfolge. Ein gefährliches Spiel, denn bleibt dieser dann aus, bleiben auch die Ränge leer. Langfristig kann dieses Konzept also nicht tragen. Auch wenn ich mich jetzt ins Reich der Spekulation begebe, scheint der Kurs von Red Bull zu sein: “Erstmal schnell aufsteigen, danach können wir immer noch langfristig planen.” Eine Identifikation mit der Stadt muss nun zwangsläufig über den Kader der nächsten Saison erfolgen. Aber auch hier habe ich das Gefühl, dass man sich um dieses Problem erst kümmern möchte, wenn man mindestens in der dritten Liga ist.

Peter Pacult erwarten im Sommer große Herausforderungen. Er muss die Mannschaft aufstiegsfähig machen und gleichzeitig viel Überzeugungsarbeit bei den Fans leisten. Morgen, am Donnerstag, wird er offiziell auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Geschäftsführer Dieter Gudel und er werden sich dort vielen kritischen Fragen stellen müssen. Es ist ja nicht so, dass es im Osten Deutschlands keine fähigen Trainer gibt.

Die große Erleichterung

Irgendetwas war passiert. Darüber waren wir uns am Mittwoch bei der Pressekonferenz des Fußball-Regionalligisten RB Leipzig einig. Chefcoach Tomas Oral wirkte das erste mal seit Wochen (vielleicht sogar Monaten?) wieder entspannt und locker. Vor, während und nach der PK war er zum Scherzen aufgelegt, kam beim anschließenden Gespräch mit Co-Trainer Cakici und Mittelfeldmann Laas kaum aus dem Lachen raus. Entweder – darauf einigten wir* uns – sein Vertrag wurde kürzlich verlängert, oder aber die Trennung von Oral und RasenBallsport war endlich beschlossene Sache, das Thema vom Tisch.

In den späteren Abendstunden des Gründonnerstag kam dann die Bestätigung per Pressemitteilung. Der Fußballclub und sein Cheftrainer gehen nach Saisonende getrennte Wege. Man sei in der vergangenen Woche bei gemeinsamen Gesprächen zu diesem Entschluss gekommen. Es sei für beide Seiten das beste, sagte Sportdirektor Thomas Linke, Geschäftsführer Gudel dankte für die Arbeit und wünscht alles Gute und Oral selbst betont die “positive Entwicklung” der Mannschaft, bedauert den Nicht-Aufstieg und möchte die Saison mit guten Ergebnissen beenden. Für solche Sätze hätte man zwar eigentlich keine Pressemitteilung gebraucht, aber jetzt müssen sich die Journalisten wenigstens keinen Wortlaut ausdenken.

Ein Nachfolger steht noch nicht fest, man werde jetzt “den Markt sondieren”, so Linke. Vieles deutet aktuell auf Peter Pacult hin, der kürzlich von Rapid Wien entlassen wurde. Er habe dort einen “schweren Vertrauensbruch” begangen; man ist sich sicher, dass damit ein Gespräch mit den Verantwortlichen von Red Bull handelt. Ob es allerdings so klug ist, mit Pacult einen Mann zu holen, dem immer wieder die Fähigkeit abgesprochen wird, mit Menschen umzugehen, ist fraglich. Schließlich war es genau die “aufbrausende Art”, die schon bei Tomas Oral kritisiert wurde. Zudem werden die Stimmen lauter, mehr Leute mit regionalem Bezug einzustellen. Die Personalie Heiko Weber ist seit Mittwoch vom Tisch, nur der Name René Müller geistert noch immer herum.

Eine gewaltige Last dürfte Trainer und Mannschaft unmittelbar vor Bekanntgabe der Trennung vom Herzen gefallen sein. Genauer gesagt: Beim Abpfiff des Pokal-Krimis in Auerbach. RB Leipzig war beim Oberliga-Zweiten zum Viertelfinale des Sachsenpokals angetreten. Vor hitziger Kulisse (“Das Verhalten der Renterfraktion in Auerbach ist das Allerletzte. Da sind jegliche Ultra-Gruppierungen harmlos dagegeben. Was wir uns hier schon für Drohungen anhören mussten, hab ich in meinem ganz Leben noch nicht gehört. Unglaublich.” – RBL-Liveticker) und aufgrund einer Tätlichkeit von Tim Sebastian knapp eine Stunde in Unterzahl konnte sich Leipzig schließlich mit einem 1:2 ins Halbfinale kämpfen. Damit wahren sich die Rasenballer die Chance, die Saison nicht vollkommen erfolglos abzuschließen. Der Weg zum Titel und zur ersten Runde des DFB-Pokals wird allerdings schwer. Im Halbfinale warten entweder Zwenkau oder Dynamo Dresden (wird am 26.4. ausgespielt) und im Finale träfe man entweder auf Geburtshelfer Markranstädt – oder den Chemnitzer FC.

Der Wechsel zum Sommer ist in diesem Fall sicherlich die beste Lösung. Die Bundesliga-Mannschaften, die einen Trainerwechsel zum Saisonende angekündigt hatten (Bayern, Leverkusen, Freiburg, HSV, St. Pauli), zeigten in den darauf folgenden Spielen jedoch keine überzeugenden Leistungen. Vielleicht geht ja wenigstens dieser Trend an RB Leipzig vorbei.

*”Wir” sind in diesem Fall René, der Administrator der Seite rb-fans.de Oskar und ich.

Ringtausch in der Bundesliga?

10. März 2011 3 Kommentare

Erst van Gaal, dann Veh, jetzt Magath. Binnen weniger Tage haben drei der größten Fußballclubs der Bundesliga ihre Trainer verloren. Sowohl der FC Bayern, als auch der HSV und Schalke stehen spätestens im Sommer ohne Übungsleiter da. Durch diese drei vakanten Posten könnte es im Sommer zu einem einzigartigen Ringtausch kommen.

Sortieren wir mal. Van Gaal verlässt die Bayern. Bayern hat Interesse an Jupp Heynckes. Der trainiert aktuell mit guten Ergebnissen (sieht man von der Euro League heute mal ab) Bayer Leverkusen. Würde er nach München zurückkehren, müsste sich die “Werkself” um Ersatz kümmern. Laut Kicker läuft es dabei auf Robin Dutt hinaus, der allerdings reflexartig dementiert. Dutt würde den FC Freiburg verlassen. Im Breisgau würde sich dann sicherlich Armin Veh sehr wohl fühlen. Ein ruhigeres Umfeld findet man in der Bundesliga kaum, der Gegensatz zum HSV, dessen Chaos er nicht mehr ertragen kann, könnte größer nicht sein.

Und wer kommt dann zum HSV? In der Hansestadt gibt es Stimmen, die nach Felix Magath rufen, der wäre dann ja zu haben. Glaubt man jedoch den Medien, scheint Mr. Facebooks Wechsel zu RB Leipzig nur noch eine Formsache zu sein. Wahrscheinlicher ist also, dass im Norden Co-Trainer Michael Oenning aufrückt oder Ralf Rangnick aus dem sehr zeitigen Vorruhestand geholt wird. Vielleicht kommt jetzt, da Matthias Sammer erfolgreich auf Distanz gehalten wurde, aber auch Jogi Löw an die Alster?

Löw wird jedoch auch mit den Bayern in Verbindung gebracht, falls Heynckes in Leverkusen bleibt. Dann könnte Robin Dutt in Freiburg bleiben und Armin Veh müsste sich einen neuen Verein suchen. Er könnte dann zurück nach Stuttgart oder Wolfsburg gehen und könnte dadurch seinem Versprechen treu bleiben, nach dem HSV keine Bundesligamannschaft mehr trainieren zu wollen.

Bleibt die Baustelle Schalke. Nach Magath will man dort sicherlich keinen “General” van Gaal haben. Der geht ja außerdem sowieso zu Ajax. Stattdessen könnte man sich aber Ottmar Hitzfeld angeln, der den Bayern ja schon abgesagt hat. Ach, wie ist das alles kompliziert. Kann nicht der Einfachheit halber Magath zu Bayern gehen, van Gaal zum HSV und Veh nach Schalke, das ihm nach einem Jahr Hamburg wie die reinste Idylle vorkommen muss? Dann könnte Ralf Rangnick auch nach Leipzig kommen.

Ein Rücktritt jagt den nächsten, Topclubs versinken in Chaos und Mittelmaß, das Duell Bayern gegen Hamburg am Samstag ist nur auf dem Papier ein Spitzenduell. Wir erleben eine der denkwürdigsten Bundesliga-Spielzeiten, in der nur sicher ist, dass Dortmund Meister wird. Und dass es mit den Trainern so kommen wird, wie ich oben geschrieben habe. Oder anders. Auf jeden Fall aber unübersichtlich.

All diese Theorien kann ich mit harten Gerüchten belegen.

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