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Artikel getaggt mit ‘satire’

Schnelldurchlauf

Viel passiert, viel zu erzählen, aber deshalb auch viel zu tun! Für meine Blog-Abstinenz versuche ich jetzt etwas zu entschädigen, indem ich einfach alle Themen, über die ich normalerweise einen eigenen Beitrag geschrieben hätte, jetzt kurz zusammenfasse. Das erspart euch auch die vielen lästigen Details. An den passenden Stellen verlinke ich wieder auf meine Satire-Beiträge, die bei mephisto97.6 im “Nachschlag” liefen. Und los geht’s:

Christian Wulff tritt zurück

Das war überfällig! Die “Causa Wulff” hat genervt wie kaum ein zweites Thema. Daran waren die Medien ebenso sehr schuld wie der Ex-Bundespräsident. Ich frage mich sowieso, weshalb sich in der Berichterstattung alle auf den Niedersachsen stürzten, anstatt mal ernsthaft zu thematisieren, welchen Anteil Angela Merkel an der ganzen Geschichte trägt. Schließlich setzte sie Wulff mit aller Gewalt durch, obwohl ihm schon 2010 viele das höchste deutsche Amt nicht zutrauten. Auch aus den eigenen Reihen übrigens, sonst hätte er sich wohl nicht erst im dritten Wahlgang durchgesetzt. Mit Köhler und Wulff hat Merkel die beiden farb- und profillosesten Präsidenten aus dem Hut gezaubert .

Ob Christian Wulff nun ein gestörtes Unrechtsverständnis oder flexible Moralvorstellungen hat, wird jetzt die Staatsanwaltschaft klären. Ich weiß nicht, was ich für einen Bundespräsidenten unwürdiger fände. Für ihn selbst stellt sich jetzt die Frage, wie es nach seinem Rücktritt weitergeht. Sucht er den Weg in die Wirtschaft? Was er auf jeden Fall sucht, ist der Weg zum Arbeitsamt. Wir haben diese Szene einmal nachgestellt:

Ehrenwert übrigens: Bis zuletzt hatte Christian Wulff noch einen tapferen Fürsprecher – Peter Hintze. Oder wie wir ihn nannten: Der letzte Mohikaner, der mit dem Wulff tanzte. Entstanden am Tag vor, gesendet am Tag des Rücktritts:

Joachim Gauck wird neuer Bundespräsident

Für jeden normalen Regierungschef wäre diese Entscheidung unter den gegebenen Umständen die endgültige Bankrotterklärung gewesen. Aber Angela Merkel ist kein normaler Regierungschef. Ob es daran liegt, dass politische Kehrtwenden mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden sind, oder dass sie nach sieben Jahren an der Spitze des Kabinetts einfach keine Konkurrenz mehr in den eigenen Reihen hat, weiß ich nicht. Aber auch aus diesem neuerlichen Kurswechsel oder Fehlereingeständnis, oder wie man es nennen möchte, wird sie unbeschadet hervorgehen. Ein Phänomen.

Ich freue mich darüber, dass die Entscheidung für Gauck gefallen ist, ich finde es aber traurig, wie sie gefallen ist. Rot-Grün haben ihn benutzt, um der Regierung die lange Nase zu zeigen, Philipp Rösler hat ihn benutzt, um sich endlich mal durchzusetzen und irgendwie ein paar Prozentpunkte zu sammeln (notfalls auf Kosten der Koalition) und Merkel hat ihn letztlich benutzt, um sich als rational-pragmatisch zu geben und den überparteilichen Präsidenten zu finden. Alles unter dem Vorwand, Gauck sei der geeignetste Kandidat und man wolle Parteiinteressen hinten anstellen.

Jetzt ist es noch keine Woche her, dass der DDR-Bürgerrechtler als Kandidat benannt wurde, erst in drei Wochen wird er gewählt – und trotzdem zerreißen sich schon wieder alle die Mäuler über ihn. Die einen loben ihn als den Heilsbringer, die anderen sehen ihn als rückwärtsgewandten Konservativen. Ich persönlich erhoffe mir von ihm weder das eine, noch befürchte ich das andere. Ich erwarte nicht, dass ich seine Meinung immer teile, aber ich erwarte, dass er eine Meinung hat und diese auch äußert. Aber lassen wir ihn erst einmal ins Amt kommen.

Auch die Gauck-Mania durfte ich satirisch aufarbeiten. Gestern lief in unserer Sendung ein Korrespondentengespräch mit Uli Dorfdepp. Es begann mit der Frage – sie fehlt im folgenden Beitrag, weil live gestellt – “Wie wurde denn die Entscheidung für Gauck in Berlin und in Deutschland aufgenommen?

RB Leipzig vs. SV Wilhelmshaven 8:2

Was für ein Spiel! Der höchste Sieg der Vereinsgeschichte bei spitzenmäßigem Wetter war der optimale Auftakt in das Fußballjahr 2012. Neuzugang Roman Wallner feierte einen denkwürdigen Einstand mit drei Toren, Tomasz Wisio dürfte Umut Kocin dessen Rückkehr nach der Verletzungspause schwer machen und auch Hoheneder wirkt wie eine gute Ergänzung für die Innenverteidigung. So ein hoher Sieg war nötig, um mal ein Zeichen zu setzen – man darf ihn aber nicht überbewerten. Nach dem Rückstand war Wilhelmshaven kaum noch auf dem Platz und über die gesamten 90 Minuten hatte Leipzig so viel Platz wie wohl nie wieder in dieser Saison. Schon morgen muss diese Leistung beim TSV Havelse bestätigt werden. Dass die spielerische Qualität endlich ansehnlich war, dass endlich mal ein Tor nach einer Ecke fiel und dass endlich auch ein Konter erfolgreich zu Ende gespielt wurde, macht Hoffnung. Allerdings war das erste Pflichtspiel des Jahres alles andere als eine Standortbestimmung. Die folgt erst in der anstehenden englischen Woche bei Havelse, Zwickau und gegen Lübeck.

René Adler wechselt (voraussichtlich) zum HSV

Darüber würde ich mich gerne freuen. Immerhin wechselt einer meiner Lieblingstorhüter – und auch noch ein Leipziger! – zu meinem Lieblingsverein. Allerdings habe ich noch einige Bedenken. Nur Ralf Fährmann und Markus Pröll kommen an die Verletzungsanfälligkeit von Adler heran. Noch einen Leistungsträger, der permanent verletzt ist, kann sich der HSV wirklich nicht leisten. Und wenn man sich die Invalidenliste des HSV der letzten Jahre anschaut, gibt es sehr viele Orte, an denen man besser gesunden kann als Hamburg…

Außerdem macht Jaroslav Drobny nach Startschwierigkeiten mittlerweile einen guten Job. Er müsste dann definitiv gehen. Ob sich das unbedingt positiv auf seinen Kopf uns eine Leistungen auswirkt, darf man bezweifeln. Er wäre dann zudem ein weiterer dieser Sinnlostransfers des HSV. Als potenzieller Stammtorwart wurde er an der Alster zur Nummer zwei hinter Frank Rost degradiert, lag dem Verein, ohne Leistung zeigen zu können, auf der Tasche und verlor gleichzeitig an Spielpraxis und Form. Kommt jetzt Adler, würde er sich nach nur einem halben Jahr in annähernder Normalform wieder verabschieden. Alles sehr unglücklich.

Weitere Themen

Ein Aufreger-Thema im Februar war die gescheiterte Syrien-Resolution der Vereinten Nationen. Russland und China hatten sie im Sicherheitsrat blockiert. Anschließend reiste Russlands Außenminister Lawrow nach Syrien, um zu verhandeln. Das Protokoll des Treffens mit dem anschließenden russisch-syrischen Resolutionsentwurf liegt uns vor:

Schließlich begleitete uns mal wieder der Verfassungsschutz. Diesmal ging es darum, wieso er 27 Bundestagsabgeordnete der Linken beobachtet, aber zehn Jahre nichts vom NSU wusste oder nichts gegen ihn unternahm. Darüber wurde bei Günther Jauch diskutiert und da gab es nur eine einzige Frage:

Mein nächster Beitrag kann hoffentlich wieder ein einziges Thema etwas ausführlicher behandeln. Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Anhören!

Nachschlag-Nachtrag

Viel ist in den letzten Wochen passiert und entsprechend viel durfte ich auch darüber schreiben. Guantánamo wurde zehn Jahre alt, das Dschungelcamp überflutete das Fernsehen, der ORF protestierte gegen sich selbst und eine Politikerin legte den E-Mail-Dienst des Bundestags lahm. Allerdings habe ich alle meine Texte darüber fürs Radio geschrieben, worunter die Post-Frequenz auf diesem Blog etwas leidet. Aber da die Radio-Themen ziemlich genau die sind, über die ich sonst hier geschrieben hätte, ist die Lösung recht einfach: Ihr bekommt hier einfach die geballte Ladung Texte, durch die ihr euch bei Interesse in Ruhe durchlesen und -hören könnt. Es handelt sich dabei um Beiträge für den “Nachschlag”, das Satiremagazin von mephisto97.6.

Freitag, 13.01.2012 – Guantánamo

Vor zwei Wochen feierten wir den zehnten Geburtstag vom umstrittenen Gefangenenlager von Guantánamo Bay mit einer Themensendung. Zur Einstimmung darauf gab es auf unserer Facebook-Seite ein – zugegeben ziemlich böses – Video-Teasing mit zwei Figuren aus unserer Sendung. Vor allem für die folgende Sendung wird dieses Video noch wichtig.

Video-Teasing Alter&Ego in Guantánamo

Am gleichen Tag begann auf RTL das Dschungelcamp. Zur Einstimmung gab es eine Programmvorschau für beide Events.

Ich bin ein Dschihadist – holt mich hier raus!

Um dem Ganzen auch etwas Tiefe zu geben, ließ ich erklären, was Guantánamo eigentlich ist. Natürlich kindgerecht und einfach zu verstehen.

Löwenzahn – Guantánamo

Freitag, 20.01.2012

Die Woche vom 14.-20. Januar stand ganz im Zeichen der Costa Concordia. Der Satz der Woche: “Ich bin ins Rettungsboot gefallen.” Meine Themen waren jedoch andere.

Mit einer sehr lobenswerten und erfeulicherweise erfolgreichen Aktion protestierten Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks (ORF) gegen die eigene Geschäftsleitung. In diesem Youtube-Video beschwerten sie sich über Postenbesetzungen, die offenbar die politische Unabhängigkeit des Senders gefährdeten. Es empfiehlt sich, dieses Video für den nächsten Beitrag anzuschauen.

Denn auch wir vom Nachschlag hatten Grund zum Protest!

Protest im Nachschlag

Außerdem fällte die amerikanische Militärführung in dieser Woche eine Entscheidung, die uns eine Nachschlagzeile wert war:

Riskant!

Die USA ziehen etwa 10.000 Soldaten aus Deutschland ab. Das kündigte US-Verteidigungsminister Panetta an. Die Amerikaner hätten in Deutschland genügend Brunnen gebohrt und Schulen gebaut. Man wolle die Verantwortung jetzt schrittweise den deutschen Sicherheitskräften übertragen. Experten äußern große Bedenken.

Freitag, 27.01.2012

Die letzte Woche hatte kein zentrales Thema außerdem inzwischen extrem nervigen Wulff. Mein Interesse weckten Obamas Rede “Zur Lage der Nation”, worüber ich hier bereits ausführlich geschrieben habe, und folgender Vorfall im Bundestag:

Twittergate: So wurde der Skandal durch Julia Klöckner und Ulrich Kelber vor drei Jahren genannt. Damals plauderten sie das Ergebnis der Wahl vom Bundespräsidenten etwas voreilig aus. Jetzt hat der Bundestag einen neuen DAU – einen Dümmsten Anzunehmenden User. Babette Schulz ist die Glückliche. Die Grünen-Politikerin schaffte das, was sonst nur Hacker schaffen – sie legte den E-Mail-Server des Bundestags lahm. Ein Ereignis mit dramatischen Folgen. Exklusiv beim Nachschlag: eine Chronik der erschreckenden Ereignisse.

Kürschnergate – Eine Chronik

Freitag, 03.02.2012?

Mal sehen. Die Diskussion bei Günther Jauch gestern bot beispielsweise reichlich Stoff. Ich werde mir außerdem Mühe geben, hier auch wieder den einen oder anderen Artikel einzustellen, der nicht satirisch ist und bereits im Radio lief. Am Donnerstag wird Roman Wallner als neuer Stürmer von RB Leipzig vorgestellt. Da will ich hin. Den Rest lassen wir mal auf uns zukommen. Ich hoffe, ihr habt Spaß an den Beiträgen.

Verfassungsschutz-approved!

7. Januar 2012 4 Kommentare

“Zeitungszeugen – Geschichte erlesen”

Mittwochabend während der Redaktionssitzung, als wir eigentlich auf erste Einschätzungen zum Wulff-Interview warteten, überfiel uns dieser Werbespot für das Magazin “Zeitungszeugen”. Seit Donnerstag ist diese Zeitschrift wieder im Verkauf. Sie sammelt Nachdrucke von Zeitungen aus der Zeit des Nationalsozialismus mit dem Ziel, dem Leser zu vermitteln, wie bestimmte Ereignisse damals verbreitet und aufgenommen wurden. Kommentare von Historikern sollen die Inhalte einordnen. Wir besorgten uns tags darauf die erste Ausgabe, denn Werbung und Aufmachung des Magazins waren für uns als Satire-Redaktion gefundenes Fressen. Erst recht, da unsere Sendung “Nachschlag” heißt und folglich mit “NS” abgekürzt werden kann… Hier nun das bissige Ergebnis mit Anmoderation:

Sie ist blond, sie ist blauäugig und sie liest die NSDAP-Zeitung „Der Angriff“. Ein Bild der Vergangenheit? Oh nein! Seit gestern ziert dieses durch und durch deutsche Stillleben den Titel einer am Kiosk erhältlichen Zeitschrift. Nach einem Jahr Pause erscheint das Magazin „Zeitungszeugen“ wieder regelmäßig. Warum das ein Grund zur Freude ist, verrät Ihnen unser Geschichts-Experte Guildo Knopf aus Wildbad Kreuth. 

“Zeitungszeugen”-Beitrag anhören/downloaden. (2:15 min.)

Aber ganz im Ernst:

Die Idee des Magazins ist durchaus interessant. Zeitungen sind wichtige historische Quellen und sagen viel darüber aus, wie über diverse Themen und Personen gedacht wurde. Es kann folglich tatsächlich “spannend” sein, solche Dokumente zu lesen und Interessierten den Zugang zu erleichtern, ist per se löblich. Deshalb gab es “Zeitungszeugen” von 2009 bis 2010 schon einmal für zwei Jahre.

Problematisch wird es beim genaueren Hinsehen. Nach Hitlers Machtübernahme wurde die Presse bekanntlich massiv kontrolliert. Selbst in den Zeitungen, die nicht von den Reichsbehörden herausgegeben wurden, war somit so etwas wie unabhängiger Journalismus nicht möglich. Was das Volk dachte, lässt sich in der Presse also kaum finden, sondern nur, was die NS-Propaganda dem Land vermitteln wollte. Der Erkenntnisgewinn hält sich in Grenzen. Das Abdrucken und Lesen von ideologieprägenden Propagandatexten Joseph Goebbels’, dem Aufmacher der ersten “Zeitungszeugen”-Ausgabe, hat für meinen Geschmack mehr mit Sensationsgeilheit zu tun als mit Interesse am historischen Geschehen.

Bis hierhin ist das alles noch Ansichtssache. Auch über N24-Hitler-Dokumentationen kann man geteilter Meinung sein. Meine Kritik geht jedoch darüber hinaus. Die Menge der Nazi- und Kommunismus-Propaganda, die zumindest in Heft eins abgedruckt ist, steht in keinem Verhältnis zu den einordnenden Kommentaren. Dem kompletten KPD-Blatt “Der Kämpfer” stehen beispielsweise zwei kleine Anmerkungen gegenüber.

Nicht nur die Menge, auch die Qualität der Kommentare lässt zu wünschen übrig. Viele Teilstücke der so genannten “Leser-Lupe” fassen lediglich den Inhalt der Zeitungsartikel zusammen. Andere bleiben mit ihrer Einordnung stark an der Oberfläche, erklären beispielsweise, dass die Sprache der Nationalsozialisten von Gewalt geprägt war. Nur wenige haben einen echten Mehrwert für den Leser. Gefährlich werden die Einschätzungen zur Ausgabe der “Deutschen Allgemeinen Zeitung”, die der Zeitschrift beiliegt. Sie wird als vorbildlich arbeitendes, journalistisch unabhängiges Medium gelobt, das differenziert über die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler berichtet. Das ist zwar nicht verkehrt, allerdings fällt in dem gepriesenen Leitartikel von Fritz Klein auch der Satz: “Wir halten die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler unter diesen Umständen für richtig.” Entscheidend wäre hier gewesen, dem Leser zu erläutern, weshalb auch unabhängige, kritische Journalisten Hitlers Machtübernahme nicht feierten, aber begrüßten, was sie sich erhofften und wie berechtigt diese Hoffnungen waren. Nichts dergleichen geschieht.

Für Schulunterricht und Studium ist “Zeitungszeugen” sicherlich eine brauchbare Arbeitsgrundlage. Als Fach- oder Special-Interest-Zeitschrift taugt sie jedoch nicht. Dafür sind die kritischen Einordnungen viel zu dünn. Es wäre übertrieben, das Magazin als jugendgefährdend abzustempeln. Dennoch habe ich ein ungutes Gefühl, wenn so viel nationalsozialistische Pressearbeit derart ungefiltert an jedem Kiosk erhältlich ist. Ginge es den Herausgebern um die Wissensvermittlung, hätten sie ausgewählte Texte im Original abgedruckt und in Form einer klassischen Zeitschrift mit ausführlichen Kommentaren versehen. Die tatsächliche Aufmachung und Aufbereitung der Inhalte schürt stattdessen vielmehr die so zwielichtige Faszination am Nationalsozialismus. Was als Geschichtsmagazin vielversprechend klingt, verkommt so zu populärwissenschaftlicher Geldmacherei. Besonders in Zeiten, in denen über eine Verharmlosung der deutschen rechtsextremen Szene diskutiert wird, ist das äußerst fragwürdig.

Nachschlag mit Schmand

Nach 17 Monaten Pause habe ich den Weg zurück zu Mephisto 97.6, dem Lokalradio der Universität Leipzig, gefunden! Ab sofort kann man mich und meine Texte also wieder im Radio hören. Allerdings nicht mehr wie bisher im “Kultstatus”, sondern freitags ab 19 Uhr im “Nachschlag”, dem satirischen Wochenrückblick. Hört doch mal rein, ich freue mich auf euch!

Meinen Einstand im neuen Ressort durfte ich gestern mit dreieinhalb eigenen Texten feiern. Meine Themen waren die Duma-Wahl in Russland, die Rücktritte von Magdalena Neuner und Theo Zwanziger, sowie die “Hammergruppe”. Zwei davon gibt es online zum Nachhören, damit ihr wisst, worauf ihr euch einstellen müsst, falls ihr nächste Woche einschaltet.

Die Wahl in Russland

Russland. Das größte Land der Erde, Nuklearmacht, Veto-Recht im UN-Sicherheitsrat. Ein Land, das die Hosen an hat also. Und die haben ihr neues Parlament gewählt. Doch schon im Vorfeld der Duma-Wahl wurden Manipulationsvorwürfe laut: Vor Wahlbeginn gefüllte Urnen, inhaftierte Oppositionelle, nicht zugelassene Parteien. Sollte es in Russland tatsächlich Wahlfälschung geben? Obwohl die Ergebnisse für Putin deutlich unter den SPD-Parteitags-Werten liegen? Wir gehen der Sache auf den Grund! Die unabhängige „Stiftung Wahlentest“ hat für uns die Duma-Wahl beobachtet. – Beitrag zum Anhören/runterladen.

Alter und Ego in: Hammergruppe

Keine Woche ohne. Alter und Ego Folge zehn! Eine Runde Sache! – Beitrag zum Anhören/runterladen.

Alle weiteren Beiträge der gestrigen Sendung mit der jeweiligen Anmoderation findet ihr auf der Website des Nachschlags. Darunter: Peer Steinbrück in Leipzig, Neues von der FDP und kommunistische Muppets.

Viel Spaß!

Satire-Gipfel

21. Januar 2011 3 Kommentare

Nachdem Bruno Jonas den “Scheibenwischer” verlassen hatte, ging es mit der Satire in der ARD bergab. Harald Schmidt hat seine besten Tage bereits gesehen, versandet zunehmend in der Bedeutungslosigkeit, Erwin Pelzig wurde vom ZDF abgeworben und Jonas’ Partner Matthias Richling scheiterte daran, den “Satire-Gipfel” als Nachfolge-Format zu erklimmen.

Zum neuen Jahr handelte die ARD und holte Dieter Nuhr als neuen Gastgeber der Show. Gestern Abend führte er das erste Mal hinauf und schlug sich dabei gar nicht mal schlecht. Zwar war ihm seine Rippenverletzung noch etwas anzumerken und einige seiner Eröffnungswitze feiern bald ihren zehnten Geburtstag, aber für Nuhr-Verhältnisse hielten sich die bekannten Sprüche in Grenzen und seine teils tagesaktuellen Pointen stachen. Seine ruhige, aber bissige Art tat der Sendung gut. Richling war, wie Nuhr gleich zu Beginn korrekt anmerkte, einfach “zu energiegeladen für die ARD”, stets unter Hochdruck und auf Dauer anstrengend. Der Rheinländer hingegen konnte es sich sogar erlauben, in seine Witze so etwas wie Volkserziehung einzubauen:

“Bankenrettung, blöde Sache, aber leider alternativlos. Alternativlos, das Unwort des Jahres. Ist natürlich ein blödes Wort, denn es gibt immer Alternativen. Wenn der Räuber sagt “Geld her, oder ich schieße!”, kann man sich auch fürs Schießen entscheiden. Da sagen einige, muss man wirklich die Banken retten und Griechenland und Irland? Soll man von dem Geld nicht lieber Kindergärten bauen? Die Sache ist ja nur, hätten wir den Euro nicht gerettet, hätten wir auch keine Kindergärten mehr. In diesem Sinne war die Bankenrettung natürlich alternativlos.”

Aus Quotensicht war die erste Ausgabe mit Dieter Nuhr bereits eine Steigerung zum Vorjahr, aussagekräftige Zahlen wird es aber erst ab Februar geben, wenn das parallel laufende Dschungelcamp zu Ende ist. Bis dahin habe ich die schönsten Sprüche des gestrigen Abends gesammelt.

Nuhr

“Ich brauch kein Geld mehr. Krieg ich eh alles nicht mehr ausgegeben vor der nächsten Währungsreform.”

“Wir haben unglaublich viel Post bekommen. [...] Hier schreibt uns Stabsunteroffizier Hartmut Müller aus Masar-e Sharif: “Mein geiles Schweinchen, wenn ich wieder zu Hause bin, kannst du mich mal wieder so richtig…” … Da haben wir wieder aus Versehen die Feldpost geöffnet!”

“Jeder dritte Euro geht ins Sozialsystem, das ist ja viel zu wenig, da war die DDR ja weiter! Das stimmt. In der DDR erwirtschaftete man einen Euro und steckte davon vier ins Sozialsystem.”

“Gesine Lötzsch ist ja so die Thilo Sarrazin der Linkspartei. Sie sagt, was alle in der Partei denken und trotzdem gibt’s Ärger.”

Über Rainer Langhans: “Kommunismus funktioniert, wenn man zu elft im Dschungel sitzt. Eigentlich schade, dass Guido Westerwelle nicht mit dabei ist.”

Tina Teubner

“Ich hab neulich nach langer Zeit mal wieder ein Reformhaus betreten. Aus Dioxin-Gründen. Ich hatte völlig vergessen, wie abgemagert, krank, bleich und ausgemergelt Reformhaus-Verkäuferinnen ihr Dasein fristen.”

Alfred Dopfer

“Liberal ist ja nur ein Fremdwort für haltungs- und charakterlos.”

“Jetzt werden einige denken, was ist denn das für ein Arschloch da vorne? Da sage ich: Arschloch ja, aber liberal. Ein nach allen Seiten offenes Arschloch. Ein anatomisches Wunder, eben einer aus der Wirtschaft”

“”Komm zu mich zurück, du Schlampe!” – Ja, es ist schwer, die Fälle zu unterscheiden, wenn man selbst einer ist.”

Matze Knop

“Als ich gehört hab, Dieter Bohlen wird Vater, dachte ich: Was? Mark Medlock schwanger?”

Über die Frauen-Fußball-WM in Deutschland: “Bei den Männern gabs ja immer das Problem, dürfen die Frauen der Spieler mit ins Hotel? Bei den Frauen ist das geklärt, da dürfen die Frauen der Spielerinnen mit ins Hotel.”

Die ganze Folge zum Anschauen gibt es in der ARD Mediathek.

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