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Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 2

Mit einem Feuerwerk verabschiedet sich die “Harry Potter”-Reihe von der Kinoleinwand.

Teil zwei der Verfilmung von “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes” setzt exakt dort an, wo Teil eins endete. So exakt, dass der Eindruck entsteht, man würde gerade nach einer achtmonatigen Werbepause den Spielfilm fortsetzen. Anders noch als in der Ouvertüre zum großen Finale kommt der Regisseur dieses Mal direkt auf den Punkt. Ohne weiteres Drumherum brechen Harry und seine Begleiter nach Gringotts auf, um dort und anderswo die verbliebenen Horkruxe zu suchen. Währenddessen hat Voldemort Hogwarts übernommen und ist sich mit dem ihm nun eigenen Elderstab des Sieges über den “Jungen, der überlebte” sicher. Die Zauberschule wird zum Schlachtfeld, der Showdown ist unausweichlich. So viel zur weitgehend bekannten Handlung.

Zwar ist “Harry Potter 7.2″ das epische Finale geworden, das uns versprochen wurde, allerdings heißt der Regisseur ja immer noch David Yates. Zu dessen Markenzeichen hat sich über die vier Potterfilme, die er nun verantwortet, eine gewisse Unvollkommenheit entwickelt. Er macht sehr viel sehr gut, von Film zu Film mehr. Genau so viel versemmelt er jedoch. Beginnen wir mit dem Positiven:

Unter Yates sind die Bilder ein wahrer Hochgenuss geworden. Mit welcher Klarheit und Präzision er die Dinge in Szene setzt, ist schlicht großartig. Vor allem die Computereffekte haben unter seiner Schirmherrschaft nicht nur an technischer, sondern auch an ästhetischer Qualität gewonnen. Alles sieht so aus, wie es aussehen soll und man möchte immer mehr davon. Ähnlich geht es einem in den einfühlsamen Momenten. Yates hat es gelernt, tief berührende Sequenzen zu erzählen und große Gefühle hervorzurufen. Von diesen befinden sich die meisten im letzten Drittel des Films. Harrys Besuch in Snapes Erinnerungen ist eine der besten Stellen der gesamten Filmreihe geworden. Und schließlich hat der Regisseur (wie ich schon bei den Filmen fünf und sechs angemerkt habe) ein äußerst gutes Händchen für Comedy, das sich diesmal besonders bei Snapes Vertreibung zeigt.

Schade ist nur, dass er immer wieder die gleichen Fehler macht. Wie ein roter Faden zieht sich durch alle seine Filme das große Schweigen der Akteure. Mit dem, was nicht gesagt wird, ließen sich Bücher füllen. Es bleibt nach wie vor unklar, wieso Voldemort sich für genau diese Horkruxe entschieden hat, Dumbledores Geschichte wird lediglich angerissen, Harrys innere Konflikte, ob er Dumbledore vertrauen und ob er die Heiligtümer oder die Horkruxe suchen sollte, finden nicht statt. Ebenso wenig die Rede von Harry zu Voldemort kurz vor ihrem Duell, die zu einer der besten Passagen der Romane gehört. Dass Harry im Besitz aller drei Heiligtümer und somit “Meister des Todes” war, musste sich der Zuschauer selbstständig erschließen. War es für die Buchunkundigen bisher schwierig, der Handlung zu folgen, ist es nun zu einem Akt der Unmöglichkeit geworden. Manchmal sagen Worte eben doch mehr als tausend Bilder. Die Zeit wäre da gewesen. Mit 130 Minuten ist der letzte gleichzeitig der kürzeste der acht Filme.

Die kurze Spieldauer rührt vor allem daher, dass Yates vor allem zu Beginn extrem durch die Handlung hetzt. Es dauert kaum mehr als 30 Minuten, bis die beiden Hogwartsgründer-Horkruxe gefunden und zerstört sind. Folglich bestehen etwa drei Viertel des Films aus Kampf- bzw. Actionszenen. Damit steht “Potter 7.2″ vor einem ähnlichen Problem wie “Star Wars Episode 3″. Wenn die ganze Zeit etwas los ist, ist auch schnell mal die Luft raus. So effektvoll er nun traurige Stellen in Szene setzen kann, so unbeholfen geht der Regisseur mit romantischen Augenblicken um. Dass Harrys und Voldemorts Duell völlig unbeobachtet stattfindet, rundet die Liste der Unvollkommenheiten ab.

Zum großen Glück von David Yates sind die guten Szenen so hervorragend gelungen, dass sie die Versäumnisse wieder aufwiegen. Schaut man sich beide Teile unmittelbar hintereinander an, stellt sich das Bild vermutlich sogar noch besser dar. “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 2″ ist bildgewaltiges Kino und ein durchaus würdiges Ende für die Filmserie. Es bleibt jedoch vor allem die Erkenntnis haften, dass es offensichtlich unmöglich ist, auch nur ansatzweise an den Zauber von J.K. Rowlings Romanen heran zu kommen.

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It all ends

7. Juli 2011 7 Kommentare

Harry Potter 7.2 feiert Weltpermiere

In diesem Beitrag geht es um eine der erfolgreichsten Buch- und Filmreihen aller Zeiten, um eine Fantasiefigur mit Narbe, Brille und ungepflegten Haaren. Und doch gibt es kaum ein persönlicheres und emotionsgeladeneres Thema, über das ich schreiben könnte, als Harry Potter. Große Teile meines Lebens verdanke und die meisten verbinde ich mit dem Zauberlehrling aus dem Ligusterweg. Heute ist nun der Tag gekommen, an dem es sich zu bedanken gilt, an dem man sich endgültig auf die Zeit nach Hogwarts einstellen muss. In diesen Minuten feiert “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2″ Weltpremiere am Leicester Square, London. Das letzte Kapitel beginnt.

Unter Tränen fiel es Joanne K. Rowling, der Schöpferin des Potter-Universums, auf der Bühne des Trafalgar Squares in London, unweit vom Premieren-Kino, sichtlich schwer, Worte für das zu finden, was sie empfand. Tausende Fans hatten dort Tage zuvor Zeltlager aufgeschlagen, um für die wenigen Stunden ihren Idolen zuzujubeln, die ihnen in den vergangenen Jahren so viel Freude bereitet hatten. Während am Nachmittag noch munter gescherzt wurde, war den Hauptakteuren der Serie am Abend doch anzumerken, wie nah ihnen dieser Moment ging. Schmerzlicher denn je wurde ihnen bewusst, dass für sie eine Ära zu Ende geht. Eine Ära, die für die jungen Hauptdarsteller die Hälfte ihres Lebens und ihre komplette Jugend überdauert hat. So unterschiedlich sich die Emotionen äußerten, in einem waren sich alle einig: “Danke, J.K. Rowling!” Daniel Radcliffe rührte die Autorin, indem er deutlich machte, dass er ihr alles verdanke, was in seiner Karriere noch folge, Produzent David Heyman bedankte sich dafür, dass Brillen und Narben cool aussehen und Rupert Grint für alles, was sie für Rothaarige getan habe.

Für mich begann das Potter-Zeitalter im Frühjahr 2001. Im Alter von elf Jahren lieh meine Mutter das Buch “Harry Potter und der Stein der Weisen” aus der Bibliothek Leipzig/Möckern aus und verdonnerte mich dazu, es zu lesen. Ich lese zu wenig und das Buch sei gut, habe sie gehört. Nachdem ich es eine Woche liegen ließ – auf dem Cover waren Schachfiguren! – begab ich mich in die Zauberwelt des ebenfalls Elfjährigen, mit dem ich mich aufgrund seiner schwer zu bändigenden Haare auf Anhieb identifizieren konnte. Sofort war es um mich geschehen. Ich verschlang das Buch, zwang meine Eltern, es nach der Rückgabe zu kaufen, nahm es in den Urlaub mit und las es dort – ungelogen – acht Mal in Folge. Ein Junge wettete kurz darauf bei Thomas Gottschalk, dass er jeden Satz des Buches beenden könne, von dem man die letzten drei Worte weglasse. Auf dem heimischen Sofa beendete ich parallel alle ausgewählten Sätze fehlerfrei. Schneller als der Kandidat und im Gegensatz zu ihm ohne Fehlversuch.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich einfach ein dem Wahnsinn naher Fan des Buches. Doch kurz darauf begann Harry Potter meinen Lebensweg entscheidend zu beeinflussen. Da ich zum Beginn der sechsten Klasse, im Spätsommer 2001, den ersten Band bekanntlich auswendig konnte, schlugen mir meine Eltern vor, doch mal zu versuchen, das Buch im Original auf englisch zu lesen. Während die anderen Jungs also in der Schulpause ihre Brote aßen oder unerlaubterweise auf dem Gang Fußball spielten, saß ich an meinem Tisch und las “Harry Potter And The Philosopher’s Stone”. Meine Englischlehrerin traute ihren Augen nicht, ließ mich zum Beweis meiner Sprachkenntnisse probehalber Ausschnitte übersetzen. Nach zufriedenstellender Ausführung erzählte sie mir von einer Schule in Meißen, die gerade eröffnet würde. “Sankt Afra” heiße die, sie sei eine Schule für besonders begabte Schüler – und ein Internat.

Hätte mir – und auch das ist nicht erfunden! – Hogwarts nicht so ein positives Bild vom Internatsleben vermittelt, hätte ich es nie gewagt, mich für so eine Schule zu bewerben. So bewahrte mich Mrs. Rowling vor dem bislang schwersten Fehler meines Lebens, der es gewesen wäre, meinen Namen nicht in den Bewerbertopf für Sankt Afra zu schmeißen. In der Folge war jeder Brief aus Meißen “Eulenpost”, die gekreuzten Schwerter der Bauern in der Verfilmung des ersten Buches aus dem November 2001 wurden als Zeichen dafür gedeutet, dass ich in die Porzellan-Stadt Meißen gehen sollte und ein gewisser Mitbewerber und späterer Klassenkamerad mit roten Haaren und Sommersprossen wurde beim ersten Treffen sofort als Ron Weasley identifiziert. Dass ich mich in Sankt Afra als Zwölfjähriger sofort an Hogwarts erinnert (es gab sogar verschiedene Häuser, in die man eingeteilt wurde!) und somit wohl fühlte und seitdem eine innige Liebesbeziehung zu dieser Schule führe, dürfte weitgehend bekannt sein.

Als die ersten Bilder der Schauspieler der Hauptfiguren veröffentlicht wurden, musste ich noch viel Spott einstecken, da ich Emma Watson schon damals als viel zu hübsch für Hermine empfand. Heute fühle ich mich in dieser Ansicht ziemlich bestätigt. Doch darüber hinaus weckten die Verfilmungen das erste Mal mein Interesse am Kino und dem Prozess des Filmemachens. Ohne Harry Potter wären euch also möglicherweise meine diversen Filmkritiken erspart geblieben.

Des weiteren gab es einige Kleinigkeiten, die ich den Büchern verdanke, wie zum Beispiel meinen ersten echten “Nickname” im Internet und bei Computerspielen: “The Potionsmaster”. Schon nachdem ich das dritte Buch gelesen hatte, war ich überzeugt davon, dass Snape in Lily Potter verliebt und eigentlich der echte Held der Geschichte und nur massiv missverstanden war. Dass ich ab dem sechsten Band die Figur des Harry Potter altertechnisch eingeholt hatte und exakt im gleichen Alter bin wie die drei Hauptdarsteller der Filme (mein Geburtstag liegt exakt zwischen denen von Daniel Radcliffe und Emma Watson!), tat das Übrige. Ich bin, wie so viele auch, mit Harry Potter aufgewachsen. Die Geschichte, die Filme, die Musik haben meine Jugend geprägt. Dank ihnen wurde es mir ermöglicht, die Schule zu besuchen, die mich zu der Person gemacht hat, die ich nun relativ glücklich bin zu sein. Vielleicht markiert ja das Ende der Potter-Reise zugleich so etwas wie das Ende der Kindheit. Klingt sehr pathetisch. Aber kann es Zufall sein, dass der offizielle Kinostart in Deutschland, der Tag, an dem ich diesen Film erstmals sehen werde, eben jener Tag ist, an dem ich meine allerletzte Universitäts-Veranstaltung habe?

Wie man all das auch deuten mag; auch nüchtern und ohne Emotionen muss heute danke gesagt werden. Denn trotz der Tatsache, dass die heutige Weltpremiere eine Marketingkampagne war, die ihresgleichen sucht, und dass “Harry Potter” zu einer kommerziellen Marke geworden ist, deren Wert mehrere Milliarden Dollar beträgt, ist die Geschichte selbst immer sympathisch geblieben und hat nichts von ihrem Zauber eingebüßt. Anders als so viele andere Buch- und Filmserien haben die diversen Fortsetzungen nicht an Detail verloren, sondern eher gewonnen, die Regisseure und Produzenten sind nicht überheblich geworden und sämtliche jugendlichen Schauspieler sind zu großartigen Personen herangewachsen, die geerdet sind, freundlich und gebildet, britisch, jugendlich abgedreht, aber eben kein Macauly Culkin.

Für all das, für Millionen glücklicher Fans, für Millionen einzelne Geschichten und Momente, die vom “Jungen, der überlebte” bestimmt wurden, für zehn Jahre Filmvergnügen und 14 Jahre “Harry Potter”: Danke.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1

18. November 2010 1 Kommentar

Es ist angerichtet

Eines muss man ganz klar sagen: David Yates und sein Team sind mutig. Nicht nur, weil sie sich an ein so vollgepacktes, facettenreiches Buch wie “Potter 7″ überhaupt heran gewagt haben. Sondern auch wegen der (richtigen) Entscheidung, zwei Filme daraus zu machen und vor allem der Umsetzung des Stoffes.

Harry Potter wird vom Orden des Phönix abgeholt und unter dem Verlust seiner Eule Hedwig und “MadEye” Moody zum sicheren Fuchsbau, dem Haus der Familie Weasley, gebracht. Relativ unverzüglich macht er sich mit Ron und Hermine auf, Horkruxe zu finden. Nach einem ersten, schnellen Erfolg zieht sich die Suche in die Länge. Wie zerstört man das Medaillon? Was sind die übrigen Horkruxe und wo befinden sie sich? Angesichts der Planlosigkeit Harrys zerstreitet sich das Trio, bricht auseinander und findet erst nach einer Weile wieder zueinander. Ein Horkrux kann schließlich vernichtet werden. Anschließend geraten sie etwas vom Plan ab, suchen nach einem Zeichen, das immer wieder auftaucht und sie auf die Spur der “Heiligtümer des Todes” führt – und in Gefahr.

Nach dem verkorksten sechsten Film (“Halb-Blut Prinz”) musste David Yates einiges wieder ausbügeln. Personen wurden nicht vorgestellt, Sachverhalte nicht aufgeklärt. All das muss nun nachgeholt werden. Glücklicherweise passiert genau das. Aus einigen seiner Fehler hat Yates offensichtlich gelernt. Wer die Buchvorlage kennt, wird sich erinnern, dass in der ersten Hälfte des Buches sehr wenig Zählbares passiert und sich das meiste auf der emotionalen und gedanklichen Ebene abspielt. Harrys innerer Konflikt nach der aufwühlenden Dumbledore-Biografie, ob er seinem Idol vertrauen soll, das strategische Planen der nächsten Schritte, der Einfluss des Medaillons auf Harry und seine Freunde, das Verhältnis der drei 17-Jährigen untereinander.

Hier zeigt sich das erste Mal der Mut Yates’ in der Umsetzung. Er nimmt sich Zeit. Er kürzt die schier endlosen Wanderungen nicht gnadenlos zusammen, um mit der Geschichte voran zu kommen. Stattdessen zeigt er minutenlang Landschaftsaufnahmen, weitläufige Bilder, ohne dass auch nur ein einziges Wort gesprochen wird. Von einer Action-geladenen Franchise wie Harry Potter musste man so etwas nicht erwarten. Nicht nur bei diesen Szenen, auch an vielen anderen Stellen des Films hat der Regisseur erfreulich wenig Eile. Das “Märchen der drei Brüder”, das die “Heiligtümer des Todes” beschreibt, wird von Anfang bis Ende vorgelesen. Überraschend genug, wie das sein mag, setzt Yates dem Ganzen noch die Krone auf: Die bildliche Umsetzung der Geschichte ist keine einfache Rückblende mit verschwommenen Rändern und wackeligen Bildern. Man hat eine kreativere und ungleich überraschendere Lösung gefunden, die ich hier nicht verraten möchte. Ein Chris Columbus (Potter 1+2) hätte sich so etwas sicherlich nicht getraut.

Bei all der Zeit, die sich Yates in diesen Momenten nimmt, rauscht er über andere zügig hinweg. Personen, die in den vorigen Filmen vergessen wurden, werden hastig vorgestellt, bevor sie genau so schnell wieder verschwinden, das komplizierte Verhältnis zwischen Harry und dem neuen Zaubereiminister Scrimgeour wird komplett übergangen, die Artefakte aus Dumbledors Testament kommentarlos überreicht. Letzteres ist nachvollziehbar, andernfalls würde nur eine weitere Ebene aufgemacht, die der Story nicht wirklich zuträglich wäre.

Teil eins des letzten Potter-Bandes ist für die Fans gemacht. Erfreulich viele Details werden gezeigt, einige durchaus sinnvoll abgeändert, erschreckend wenige allerdings erklärt. Hat Harrys Zauberstab auf dem Weg zum Fuchsbau da alleine agiert und wenn ja, warum? Warum reisen die drei Zauberer wild durch die Gegend? Wer ist dieser Grindelwald und was hat er mit Dumbledore zu tun? Was macht Hermine da mit ihren Eltern? Warum spricht Harry in der Schlangensprache “Parsel” zum Medaillon? Und was zum Teufel sollen nun die übrigen Horkruxe sein? Wer die Bücher nicht gelesen hat, dürfte hoffnungslos verloren sein. In den ersten Minuten versucht Yates noch einiges zu erklären, gibt aber sehr bald auf und erzählt einfach. Für Fans ist das nicht schlimm. Für unbedarfte Kinogänger schon.

Ein Makel aus dem letzten Film setzt sich leider auch in diesem fort. David Yates kann sehr gut erschrecken und hervorragend zum Lachen bringen. Was er nicht fertig bringt, ist Trauer, Mitgefühl und Betroffenheit zu erzeugen. Abgesehen von den ersten Minuten des Vorspanns gelingt es ihm nicht, den Zuschauer zu berühren. Er lässt seine Figuren “menscheln”, sich wie Teenager verhalten. Das äußert sich aber ausschließlich in lustigen Szenen. An neudeutsch “emotionalen” Augenblicken scheitert er.

Für das größte (und letzte) Problem des Films kann Yates jedoch nichts. Der rote Faden fehlt. Wie bereits oben erwähnt, passiert im ersten Teil des Buches sehr wenig, was man geradeaus erzählen könnte. Alles steuert auf den großen Showdown am Ende hin, es baut sich viel auf und wenig ab. Mehr als das kann auch ein guter Regisseur daraus kaum machen. Der Film läuft so vor sich hin, jedoch ohne klares Ziel. Dadurch kann sich kein Spannungsbogen aufbauen, der einen klassischen Spielfilm ausmacht. Somit ist “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes: Teil 1″ im Grunde nichts weiter als eine zweieinhalbstündige Ouvertüre für das große Finale im nächsten Juli. Sieht man den Film mit diesen Augen an, ist er großartig gelungen. Er bereitet auf vieles vor, spricht erfreulich viele Handlungsstränge an und macht durchaus Lust auf den letzten Teil. Die beiden in acht Monaten hintereinander anzuschauen, dürfte viel Spaß machen. Um als eigenständiger Film zu bestehen, fehlen jedoch zu viele Grundlagen.

Soundtrack: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1

Noch fünf Tage. Dann endlich feiert “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1″ in Deutschland (Vor-)Premiere. Wie üblich hat Warner Brothers bereits eine Woche vor Kinostart den dazugehörigen Soundtrack veröffentlicht.

Alexandre Desplat ist mittlerweile der vierte Komponist der Potter-Reihe. Zuvor schrieb er unter anderem die Musik für “Der seltsame Fall des Benjamin Button”, “New Moon” und “Das Mädchen mit dem Perlenohrring”. Als im Januar die Meldung kursierte, dass er den vorletzten Teil der Reihe übernehmen würde, hatte ich mich bereits kurz mit ihm beschäftigt. Anfang des Jahres war ich von dieser Nachricht positiv überrascht. Ich schrieb: “Vielleicht ist seine Musik nicht immer die abwechslungsreichste, aber sie war bei den Filmen, die ich gesehen habe, sehr passend. Vor allem versteht der noch junge Pariser es, einfühlsame Klänge zu schaffen.” Mein Urteil, nachdem ich die 26 Tracks der CD angehört habe, fällt sehr ähnlich aus.

Der Pariser zeichnet mit seiner Musik durchgehend düstere Klangbilder. Mit sphärischen und mysteriös anmutenden Klängen schafft er eine magische Atmosphäre, die schon ohne die Bilder des Films an Harrys Zauberwelt erinnert. In der Grundstimmung hat sich Desplat stark an John Williams und den Ursprüngen der Potter-Soundtracks orientiert. Die Klangvielfalt ist wieder größer geworden und auch die Besetzung des Orchesters ist angewachsen. Das erste Mal seit dem vierten Film ist das “London Symphony Orchestra” wieder am Werk. Nicholas Hooper hatte in der Zwischenzeit auf das “London Chamber Orchestra” gesetzt. Fast vom ersten Ton an ist der Unterschied zu hören und zu spüren. Mit dem vollen, perfekten Klang des Londoner Symphonieorchesters kann kaum ein Ensemble mithalten.

Desplat erzeugt hauptsächlich Stimmungen. Sie werden, dessen kann man sich sicher sein, den Film hervorragend unterstützen. Gefährliche Action-Szenen werden turbulent und oppulent vertont, stellenweise ist die Musik unheimlich und dort, wo sie es sein muss, auch einfühlsam. Eine Sache fehlt jedoch – und das kann bei diesem Komponisten nicht wirklich überraschen: Bei aller Klangvielfalt und -malerei, auf klare, einprägsame Melodien wartet man vergeblich. John Williams’ Markenzeichen in der Filmmusik, teilweise von Doyle und Hooper (Filme 4-6) übernommen, sind Leitmotive; erkennbare Themen, die sich durch den Film ziehen, an die man sich erinnert, die man notfalls nachsingen kann. Lediglich Hauself Dobby bekommt so etwas wie ein Erkennungsmotiv. Auch das berühmte Hedwig-Thema aus dem “Stein der Weisen” hat Desplat selbstverständlich auch verarbeitet. In allem, was darüber hinaus geht, ist er aber eher Pragmatiker denn Idealist. Zu jeder Szene denkt er sich neue Musik aus, neue Varianten der Stimmungs-Erzeugung. Ein klarer musikalischer Leitfaden ist jedoch nicht zu erkennen, sein Soundtrack ist nicht “durchkomponiert”. Auch was die Detailtiefe der Musik angeht, die Finessen, reicht er noch nicht an das Niveau eines John Williams heran.

Trotzdem wird es während der knapp 74 Minuten Spielzeit der CD zu keiner Zeit langweilig. Damit setzt er sich beispielsweise von Kollegen wie Howard Shore (“Herr der Ringe”) ab, der ebenfalls hauptsächlich mit Klängen arbeitet. Ein endgültiges Urteil lässt sich freilich erst fällen, wenn man den Film gesehen hat. Das bloße Anhören macht jedoch äußerst zuversichtlich, dass da etwas Brauchbares entstanden ist. Und auch wenn ich mich damit wahrlich weit aus dem Fenster lehne, möchte ich eine kleine Prognose abgeben. Angesichts der Tatsachen, dass ich mich in diesem Jahr spontan an keinen Film erinnern kann, bei dem mich die Musik beeindruckt hätte und dass Desplat in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal für einen Oscar nominiert war, würde es mich nicht wundern, wenn auch dieses Jahr die amerikanische Filmakademie seine Musik mindestens für nominierungswürdig hält.

Als Kostprobe habe ich euch Titel Nummer neun, “Dobby”, heraus gesucht. Anhand der Titelnamen lässt sich erkennen, welche Stellen des Buches im Film umgesetzt werden und vor allem wo das vorläufige Ende gesetzt wird. Ich möchte hier nichts verraten und ausdrücklich davor warnen, euch durch die Youtube-Clips durchzuklicken, wenn ihr euch komplett überraschen lassen wollt. Nur so viel sei gesagt: Ich finde die Auswahl, insbesondere das gewählte Ende, sehr gelungen. Alles weitere erfahren wir nächste Woche.

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