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Artikel getaggt mit ‘fernsehen’

Roche & Böhmermann

5. März 2012 1 Kommentar

Warum eigentlich nicht im Hauptprogramm?

Ein altmodischer Programmsprecher kündigt mit gerahmter Brille, klobigem Mikrofon und Notizen auf A4 die neue Talkshow des ZDF an. Das Set ist eine Stilmischung aus “Dr. Strangelove”, “Edgar Wallace” und Film Noir. Alles an dieser Sendung ist bewusst “retro” gehalten – es darf sogar getrunken und geraucht werden. Und doch ist “Roche & Böhmermann” eins der modernsten, weil unkonventionellsten Formate der letzten Jahre.

Auf dem versteckten Experimentierkanal zdf.Kultur führen, wie der Name schon sagt, Charlotte Roche und Jan Böhmermann durch die Talkstunde. Charlotte Roche ist Bestsellerautorin und, wenn sie nicht gerade schreibt, eine durchaus angenehme Moderatorin. Jan Böhmermann ist vor allem aus der “Harald Schmidt Show” bekannt, hat aber auch in Eigenregie erfolgreiche Comedy- und Satireprogramme gestaltet und prägte das vermeintliche Podolski-Zitat “Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel”. Eine schlagfertige und trinkfeste Kombination.

Interessant ist am Konzept der Sendung nicht nur, dass die Moderatoren regelmäßig für Lacher sorgen, dass die Regie statt über Knöpfe im Ohr per Zettel mit ihnen kommuniziert, dass es einen Knopf zum selbst-zensieren gibt und dass sie offen den “Wunderbaum”-Konsum ihrer Gäste vor der Sendung ansprechen. Interessant ist vor allem, dass es kein Thema gibt. Alles, was vorher feststeht, sind die fünf Gäste. Die werden über die Stunde verteilt vorgestellt (mit großartigen Einspielern!) und dann wird über die Aspekte des Gastes gesprochen, die die Runde spannend findet. Weder entstehen so die mitunter nervtötenden Wortgefechte einer politischen Talkrunde, noch sind die Gäste hauptsächlich der Promotion ihres neuen Werkes wegen im Studio. Die Persönlichkeiten bestimmen die Sendung.

Und die waren in der ersten Ausgabe mit Sido, Jorge Gonzalez, Marina Weisband, Britt Hagedorn sowie Türsteher und Fotograf Sven Marquart zwar nicht besonders ausgefallen, sorgten aber dennoch für genügend Gesprächsstoff: Von Anti-Atomkraftbewegung und Ökostrom über Drogenkonsum, Parteigeschichten und Trash-TV bis hin zu der Geschichte, dass Sven Marquart einst Sido den Zutritt zu seinem Club verweigerte, war ein breites Spektrum an Themen abgedeckt, die angeregt und pointiert diskutiert wurden.

Reden, wie einem die Schnauze gewachsen ist. Ohne Angst vor Schleichwerbung, jugendgefährdenden Inhalten oder beleidigten Gästen. Das ist “Roche & Böhmermann”. Erfrischend, unterhaltend und trotz humoriger Aufbereitung nicht platt und niveaulos. Eine der wenigen Schwächen der Show wurde bereits im Abspann aufgearbeitet. Jan Böhmermann war etwas zu sehr auf Krawall gebürstet. So verweigerte er beispielsweise der Sat.1-Moderatorin Britt eine vielversprechende Antwort. Seine provozierenden Fragen taten der Sendung gut, mit der Zeit übertrieb er es jedoch ein wenig. Wenn er das etwas zurück fährt, die Diskussionen noch mehr an Tiefe gewinnen und die Gäste facettenreich genug bleiben, kann aus dem neuen zdf.Kultur-Format eine erfolgreiche Reihe werden. Qualität und Potenzial sind vorhanden.

Das gilt im Übrigen auch für die zdf.neo-Sendung “Stuckrad Late Night” mit Benjamin von Stuckrad-Barre und mit Abstrichen auch für Joko&Klaas’ “neoParadise”. Es ist schade, dass das ZDF drei seiner vielversprechendsten Sendungen auf den kaum beachteten Digitalkanälen versteckt. Natürlich ergeben sich durch die geringe Aufmerksamkeit mehr Möglichkeiten zum Experimentieren. Aber Sendungen wie diese haben ein größeres Publikum und das Publikum hat mehr Sendungen wie diese verdient. Mit “Pelzig hält sich”, Monika Grubers “Leute, Leute” und der Reihe “ZDFzoom” hat das ZDF bereits mit etwas Mut zum Risiko drei eher ungewöhnliche Sendungen ins Programm geholt. Es wäre wünschenswert, wenn man in Mainz diesen Weg fortsetzen und die eine oder andere Perle aus dem Digital- ins Hauptprogramm holen würde. Mit “Markus Lanz” und der “SOKO Leipzig” fallen mir da auch spontan zwei gute Streichkandidaten ein…

Die erste Ausgabe von “Roche & Böhmermann” gibt es noch sechs Tage in der ZDF-Mediathek zu sehen.

Schnelldurchlauf

Viel passiert, viel zu erzählen, aber deshalb auch viel zu tun! Für meine Blog-Abstinenz versuche ich jetzt etwas zu entschädigen, indem ich einfach alle Themen, über die ich normalerweise einen eigenen Beitrag geschrieben hätte, jetzt kurz zusammenfasse. Das erspart euch auch die vielen lästigen Details. An den passenden Stellen verlinke ich wieder auf meine Satire-Beiträge, die bei mephisto97.6 im “Nachschlag” liefen. Und los geht’s:

Christian Wulff tritt zurück

Das war überfällig! Die “Causa Wulff” hat genervt wie kaum ein zweites Thema. Daran waren die Medien ebenso sehr schuld wie der Ex-Bundespräsident. Ich frage mich sowieso, weshalb sich in der Berichterstattung alle auf den Niedersachsen stürzten, anstatt mal ernsthaft zu thematisieren, welchen Anteil Angela Merkel an der ganzen Geschichte trägt. Schließlich setzte sie Wulff mit aller Gewalt durch, obwohl ihm schon 2010 viele das höchste deutsche Amt nicht zutrauten. Auch aus den eigenen Reihen übrigens, sonst hätte er sich wohl nicht erst im dritten Wahlgang durchgesetzt. Mit Köhler und Wulff hat Merkel die beiden farb- und profillosesten Präsidenten aus dem Hut gezaubert .

Ob Christian Wulff nun ein gestörtes Unrechtsverständnis oder flexible Moralvorstellungen hat, wird jetzt die Staatsanwaltschaft klären. Ich weiß nicht, was ich für einen Bundespräsidenten unwürdiger fände. Für ihn selbst stellt sich jetzt die Frage, wie es nach seinem Rücktritt weitergeht. Sucht er den Weg in die Wirtschaft? Was er auf jeden Fall sucht, ist der Weg zum Arbeitsamt. Wir haben diese Szene einmal nachgestellt:

Ehrenwert übrigens: Bis zuletzt hatte Christian Wulff noch einen tapferen Fürsprecher – Peter Hintze. Oder wie wir ihn nannten: Der letzte Mohikaner, der mit dem Wulff tanzte. Entstanden am Tag vor, gesendet am Tag des Rücktritts:

Joachim Gauck wird neuer Bundespräsident

Für jeden normalen Regierungschef wäre diese Entscheidung unter den gegebenen Umständen die endgültige Bankrotterklärung gewesen. Aber Angela Merkel ist kein normaler Regierungschef. Ob es daran liegt, dass politische Kehrtwenden mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden sind, oder dass sie nach sieben Jahren an der Spitze des Kabinetts einfach keine Konkurrenz mehr in den eigenen Reihen hat, weiß ich nicht. Aber auch aus diesem neuerlichen Kurswechsel oder Fehlereingeständnis, oder wie man es nennen möchte, wird sie unbeschadet hervorgehen. Ein Phänomen.

Ich freue mich darüber, dass die Entscheidung für Gauck gefallen ist, ich finde es aber traurig, wie sie gefallen ist. Rot-Grün haben ihn benutzt, um der Regierung die lange Nase zu zeigen, Philipp Rösler hat ihn benutzt, um sich endlich mal durchzusetzen und irgendwie ein paar Prozentpunkte zu sammeln (notfalls auf Kosten der Koalition) und Merkel hat ihn letztlich benutzt, um sich als rational-pragmatisch zu geben und den überparteilichen Präsidenten zu finden. Alles unter dem Vorwand, Gauck sei der geeignetste Kandidat und man wolle Parteiinteressen hinten anstellen.

Jetzt ist es noch keine Woche her, dass der DDR-Bürgerrechtler als Kandidat benannt wurde, erst in drei Wochen wird er gewählt – und trotzdem zerreißen sich schon wieder alle die Mäuler über ihn. Die einen loben ihn als den Heilsbringer, die anderen sehen ihn als rückwärtsgewandten Konservativen. Ich persönlich erhoffe mir von ihm weder das eine, noch befürchte ich das andere. Ich erwarte nicht, dass ich seine Meinung immer teile, aber ich erwarte, dass er eine Meinung hat und diese auch äußert. Aber lassen wir ihn erst einmal ins Amt kommen.

Auch die Gauck-Mania durfte ich satirisch aufarbeiten. Gestern lief in unserer Sendung ein Korrespondentengespräch mit Uli Dorfdepp. Es begann mit der Frage – sie fehlt im folgenden Beitrag, weil live gestellt – “Wie wurde denn die Entscheidung für Gauck in Berlin und in Deutschland aufgenommen?

RB Leipzig vs. SV Wilhelmshaven 8:2

Was für ein Spiel! Der höchste Sieg der Vereinsgeschichte bei spitzenmäßigem Wetter war der optimale Auftakt in das Fußballjahr 2012. Neuzugang Roman Wallner feierte einen denkwürdigen Einstand mit drei Toren, Tomasz Wisio dürfte Umut Kocin dessen Rückkehr nach der Verletzungspause schwer machen und auch Hoheneder wirkt wie eine gute Ergänzung für die Innenverteidigung. So ein hoher Sieg war nötig, um mal ein Zeichen zu setzen – man darf ihn aber nicht überbewerten. Nach dem Rückstand war Wilhelmshaven kaum noch auf dem Platz und über die gesamten 90 Minuten hatte Leipzig so viel Platz wie wohl nie wieder in dieser Saison. Schon morgen muss diese Leistung beim TSV Havelse bestätigt werden. Dass die spielerische Qualität endlich ansehnlich war, dass endlich mal ein Tor nach einer Ecke fiel und dass endlich auch ein Konter erfolgreich zu Ende gespielt wurde, macht Hoffnung. Allerdings war das erste Pflichtspiel des Jahres alles andere als eine Standortbestimmung. Die folgt erst in der anstehenden englischen Woche bei Havelse, Zwickau und gegen Lübeck.

René Adler wechselt (voraussichtlich) zum HSV

Darüber würde ich mich gerne freuen. Immerhin wechselt einer meiner Lieblingstorhüter – und auch noch ein Leipziger! – zu meinem Lieblingsverein. Allerdings habe ich noch einige Bedenken. Nur Ralf Fährmann und Markus Pröll kommen an die Verletzungsanfälligkeit von Adler heran. Noch einen Leistungsträger, der permanent verletzt ist, kann sich der HSV wirklich nicht leisten. Und wenn man sich die Invalidenliste des HSV der letzten Jahre anschaut, gibt es sehr viele Orte, an denen man besser gesunden kann als Hamburg…

Außerdem macht Jaroslav Drobny nach Startschwierigkeiten mittlerweile einen guten Job. Er müsste dann definitiv gehen. Ob sich das unbedingt positiv auf seinen Kopf uns eine Leistungen auswirkt, darf man bezweifeln. Er wäre dann zudem ein weiterer dieser Sinnlostransfers des HSV. Als potenzieller Stammtorwart wurde er an der Alster zur Nummer zwei hinter Frank Rost degradiert, lag dem Verein, ohne Leistung zeigen zu können, auf der Tasche und verlor gleichzeitig an Spielpraxis und Form. Kommt jetzt Adler, würde er sich nach nur einem halben Jahr in annähernder Normalform wieder verabschieden. Alles sehr unglücklich.

Weitere Themen

Ein Aufreger-Thema im Februar war die gescheiterte Syrien-Resolution der Vereinten Nationen. Russland und China hatten sie im Sicherheitsrat blockiert. Anschließend reiste Russlands Außenminister Lawrow nach Syrien, um zu verhandeln. Das Protokoll des Treffens mit dem anschließenden russisch-syrischen Resolutionsentwurf liegt uns vor:

Schließlich begleitete uns mal wieder der Verfassungsschutz. Diesmal ging es darum, wieso er 27 Bundestagsabgeordnete der Linken beobachtet, aber zehn Jahre nichts vom NSU wusste oder nichts gegen ihn unternahm. Darüber wurde bei Günther Jauch diskutiert und da gab es nur eine einzige Frage:

Mein nächster Beitrag kann hoffentlich wieder ein einziges Thema etwas ausführlicher behandeln. Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Anhören!

“Es war keine Beerdigung”

4. Dezember 2011 1 Kommentar

Ein letztes Mal Thomas Gottschalk bei “Wetten, dass…?”

Stehende Ovationen, emotionale Musik, die eine oder andere Träne im Publikum und in großen, leuchtenden Lettern “Danke Thomas”. Es muss ein großer Moment für Thomas Gottschalk gewesen sein, als gestern kurz nach 23 Uhr seine 151. und letzte Sendung Europas größter Unterhaltungs-Sendung, “Wetten, dass…?”, zu Ende ging. Sichtlich gerührt genoss er die letzten Momente einer Show, die gestern eindrucksvoll ihre eigene Unverzichtbarkeit demonstrierte.

Es herrschte ein Hauch von Jahresrückblicks-Stimmung in der Messe von Friedrichshafen. Alle Gäste (natürlich bis auf Til Schweiger und Jessica Biel) brachten Gottschalk kleine Geschenke mit, ehemalige Wettkandidaten waren zu Gast und diverse kurze Rückblicke auf die Höhepunkte der letzten 23 Jahre ergänzten den gewohnten Sendeablauf. Das Abschiedsmotiv zog sich zwar durch den Abend, beherrschte ihn aber nicht. Stattdessen lieferte der Franke eine der unterhaltsamsten Ausgaben seit langer Zeit ab. Lustige, spannende und beeindruckende Wetten waren erneut das Rückgrat der Sendung, aber auch die Gäste trugen entscheidend dazu bei. Mit Günther Jauch, Dirk Nowitzki und Iris Berben waren diese zwar nicht besonders ausgefallen, dafür sah man ihnen an, dass sie gerne auf der Couch saßen. Gottschalk selbst war wie gewohnt in Topform.

In den letzten Jahren waren die Wetten oftmals mau und die Gäste zwar von hoher Prominenz, aber ohne Spaß an der Sendung. Die gestrige Auswahl, von Jessica Biel mal abgesehen, sorgte für einen Abend, der dem ZDF zeigte, dass es sich den Verlust dieses Formats nicht leisten kann. Der Blick auf die Einschaltquoten untermauert diese Tatsache. Fast 15 Millionen Zuschauer, so viele wie sonst nur bei Fußballspielen, sahen Gottschalks Abeschiedssendung. Und bei dieser Qualität dürften auch im kommenden Jahr einige davon wieder einschalten. Auf eine so unterhaltende und in der Fernsehlandschaft einzigartige Show sollte man nicht verzichten müssen. Thomas Bellut sollte also unbedingt versuchen, das Format am Leben zu halten, es gegebenenfalls leicht zu überarbeiten und einen geeigneten Moderator zu finden.

Die Spekulationen darüber wurden gestern wieder angeheizt. Günther Jauchs geniale Cross-Promotion für den heutigen RTL-Jahresrückblick war die bisher positivste Antwort, die jemand auf die Nachfolge-Frage gegeben hat: Er möchte es sich bis zum Abend überlegen und dann mit Gottschalk “in aller Ruhe darüber reden”. Der spontane Beifall des Friedrichshafener Publikums deutet an, dass der Weg mit Jauch für das ZDF ein gangbarer sein kann. Kaum ein deutscher TV-Moderator ist so akzeptiert wie er; dass er nicht nur steifen Polit-Talk kann, hat er bei Übertragungen von Fußballspielen und Skispringen bereits bewiesen und die Produzenten aus Mainz müssten sich auch bei der Ehefrau des Showmasters keinen neuen Namen merken (sowohl Gottschalk als auch Jauch sind mit einer Thea verheiratet). Ob er allerdings neben RTL und der ARD nun für einen dritten Sender arbeiten sollte, ob er nicht etwas zu bieder für eine solche Sendung ist und ob diese Entscheidung unbedingt am Tag nach Gottschalks Abschied getroffen werden sollte, ist jedoch fraglich. Zumal es keine gute Aussage wäre, wenn Jauch ausgerechnet in einem alten Gottschalk-Anzug (Einlösung eines Wetteinsatzes) die Zusage geben sollte.

Fest steht nur, dass sich Thomas Gottschalk spätestens gestern ein Denkmal gesetzt hat. Ob mit Torte, mit überdimensionaler Schneeskulptur, mit Küssen oder mit Wortspielen, auch das Fahrrad habe keinen “Rücktritt” – alle Beteiligten zollten dem Bamberger ihren Respekt oder versuchten ihn doch noch umzustimmen. Ein Zurück kann es nach so einem perfekten und erfrischend unpathetischen Abschied nicht geben, aber eine “Beerdigung” des ganzen Formats war es mitnichten. Was also bleibt, ist die Erinnerung an unzählige Fernsehabende mit vielen überzogenen Minuten mal stärker, mal schwächer, mit bösen Sprüchen und kreativen Wettideen. Und die Hoffnung, dass noch viele weitere folgen. Eine Ära ist zu Ende. Ich hätte nichts dagegen, wenn eine neue folgt.

Fail Blog Schmand Style #2

28. Oktober 2011 2 Kommentare

Mein letzter Artikel über TV-Werbung liegt fast ein Dreivierteljahr zurück. Höchste Zeit, die aktuelle Lage zu analysieren! Heute habe ich mich für drei Kategorien entschieden, in denen mir jeweils zwei Spots bzw. Spotpaare aufgefallen sind.

1. Kategorie: It is Gurken

Schlechtes Englisch in deutschen Werbungen kennen wir nicht erst seit SolarWorld und “Schein, Baby, schein!” Auch Lieder schützen nicht vor deutschem Akzent. Diese Erkenntnis hat uns Somfy schon vor einiger Zeit mit dem nervigen Ohrwurm “It’s so easy, it’s Somfy” gebracht. Nun haben sie ihre Werbung noch einmal perfektioniert. Jetzt singt man dort von einem “Homoschen“.

Kaum besser sind die Sängerinnen, die versuchen, betont englisch zu singen, indem sie beispielsweise Endungen verschlucken oder Vokale unsauber aussprechen. Der Haushaltsgerätehersteller Beko hat für seine aktuelle Werbung einen Song schreiben lassen, der in diversen Ländern Europas in der Landessprache läuft, nur in Deutschland natürlich auf englisch, damit es nicht ganz so bescheuert klingt. Problem an der Sache: Wer die Sprache nicht versteht, fragt sich, was zur Hölle “It is Gurken” bedeuten soll.

Kategorie 2: Kommt mir bekannt vor…

Es folgen zweimal zwei Spots, bei denen es sich lohnt, sie unmittelbar nacheinander anzuschauen.

Weitestgehend bekannt sein dürfte die Kampagne der Ergo Versicherungsgruppe, in der ein Protagonist durch die Gegend läuft und in die Kamera seine Klagen über das Versicherungswesen loswird. Dem Ausgangsspot folgten mittlerweile unzählige weitere. Kürzlich hat sich noch ein zusätzlicher Werbespot dazugesellt. Allerdings mit dem falschen Unternehmenslogo…

Noch lachhafter wird es  für die Commerzbank, wenn man bedenkt, dass ihre Kopie der Hommage an die Ergo-Kampagne quasi nur die Umsetzung einer Idee in dritter Instanz ist. Schließlich hat man sich bei Ergo (bzw. deren Partneragentur) sehr stark von High Fidelity inspirieren lassen.

Im zweiten Beispiel haben die Werber so etwas wie Langzeitgedächtnis bewiesen. In den letzten Tagen läuft im Ersten auf prominenten Werbeplätzen vor der Sport- und der Tagesschau ein groß angelegter Imagespot des amerikanischen Konzerns General Electric, kurz GE, unter dem Slogan “Das GE in Germany”.

Vor genau sechs Jahren gab es so eine Imagekampagne schon einmal. Damals ging es nicht um das “GE in Germany”, sondern um Germany an sich. Die Kampagne trug den Namen “Du bist Deutschland“. Alleine die Machart ist erschreckend ähnlich, wenn auch noch im Rahmen der im Werbebusiness üblichen Nachahmung eines erfolgreichen Konzepts. Richtig peinlich wird es erst bei der Musik, die dem Spot seine Stimmung verleihen soll. Ganz offensichtlich hätte man hier am liebsten die Oscar-nominierte Filmmusik zu Forrest Gump aus dem “Du bist Deutschland”-Spot übernommen. Damit das auch dem letzten klar wird, wurde selbst der gleiche und für das “Forrest Gump”-Thema irgendwie auch charakteristische Tonartwechsel übernommen. Und das gleich am Anfang und nicht erst wie von Alan Silvestri an einem dramaturgisch sinnvollen Zeitpunkt.

Kategorie 3: Oh, Heimatland!

Zum Schluss ein Blick vor die eigene Haustür. Für seine (überregionale) Fernsehwerbung ist der Werbestandort Leipzig nicht wirklich bekannt. Dazu trägt mutmaßlich auch bei, dass hierher nur Spots kommen, die nicht unbedingt dazu animieren, hier entwickeln und produzieren zu lassen. Schade eigentlich. Nun ja. Wenigstens kann man sich drüber lustig machen, dass ein großes Unternehmen wie Unister so geizig ist, dass es für Travel 24 dermaßen billige und schlechte Werbung produzieren lässt. Da haben nicht nur die Figuren im Clip einen schlechten Deal gemacht… (Wobei leider zu befürchten ist, dass die Kampagne trotzdem sehr erfolgreich war)

Mein aktueller Lieblingsspot, der es wahrscheinlich auch bis in alle Ewigkeit bleiben wird, kommt aber vom Leipziger Unternehmen Back&Frost. Jedes Wort ist hier eins zu viel. Zurücklehnen und genießen!

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Pluspunkte für “Heute”

“Heute Plus” – Neues Format auf ZDF-Info

Seit zehn Tagen ist ZDF-Info, der neue Digitalkanal des ZDF, auf Sendung. Erklärtes Ziel der Chefredaktion ist es, durch die Verknüpfung von Internet und Fernsehen ein neues Maß an Interaktivität zu schaffen, den Zuschauer in das laufende Programm einzubinden. Gelingen soll das unter anderem mit der Sendung “Heute Plus”, die jeden Mittwoch im Anschluss an die “Heute”-Nachrichten läuft und gestern das zweite Mal ausgestrahlt wurde (hier der Link zur Sendung in der Mediathek).

Nach der Wettervorhersage sind die Zuschauer eingeladen, via Internet ihre Fragen zur Sendung zu stellen. “Heute”-Chef Luc Walpot und der jeweilige Nachrichtensprecher stellen sich anschließend Lob, Kritik und Hintergrundfragen. Außerdem wird jede Woche ein Zuschauer beauftragt, die Nachrichten aufmerksam zu verfolgen und seine Anmerkungen dann per Skype live im Studio zu nennen. Diskutiert werden sollen vor allem technische und redaktionelle Hintergründe.

Das Sendeprinzip ist äußerst vielversprechend. Alles wird sehr spontan und ehrlich, weil unvorbereitet, erklärt; es entwickelt sich ein nettes Gespräch über den redaktionellen Alltag. Auch das Studio mal in grün und von der anderen Seite zu sehen, ist durchaus interessant. Besonders tiefschürfend waren die Fragen des Publikums bisher jedoch nicht. Was auf den Zetteln der Nachrichtensprecher steht, ob sie vorher zu Fuß oder mit dem Fahrstuhl ins Studio gehen und wie Barbara Hahlweg zum Fernsehen gekommen ist, wurde bisher offenbar als wissenswerter empfunden als die Nachrichten an sich. Die meisten Fragen der gestrigen Ausgabe konnte jeder beantworten, der sich schon einmal mit Fernsehjournalismus beschäftigt hat. Für alle anderen waren es durchaus interessante Einblicke.

Sobald diese allgemeinen Themen jedoch abgearbeitet sind und man etwas tiefer in die Materie einsteigen kann, sollte das ganze Potenzial der Sendung zur Entfaltung kommen. Dann entstehen hoffentlich auch Gespräche über die Themenwahl, die Platzierung einzelner Nachrichten, die Auswahl der Interviewpartner, die Art und Weise sowie die Verständlichkeit der Beiträge. Auf solche Themen und somit auf eine gewisse Kompetenz der Zuschauer ist “Heute Plus” auch angewiesen, denn sonst läuft sich die Sendung relativ schnell tot. Allerdings könnten dann die 20 Minuten Sendezeit zu knapp bemessen sein.

Eine derartige Fernsehsendung ist neu im deutschen Fernsehen. Es muss also noch viel ausgetestet und optimiert werden. Wenn die Redaktion aber konsequent weiter arbeitet, sollte sich “Heute Plus” etablieren können und zu mehr als einem Tag der offenen Tür werden. Erfrischend ist es schon jetzt, dass sich die Verantwortlichen live der Kritik und den Fragen des Publikums stellen. So sieht eine gute Einbindung der “Neuen Medien” aus. Jetzt gilt es nur noch, die tragfähige Plattform mit Inhalten zu füllen. Es dürfte spannend werden, diese Entwicklung zu beobachten. Einen Klick ist “Heute Plus” auf jeden Fall wert.

Nächste Ausgabe: Mittwoch, 21. September 2011, 19:25 Uhr auf ZDF-Info oder im Livestream.

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