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Artikel getaggt mit ‘bundesliga’

Schnelldurchlauf

Viel passiert, viel zu erzählen, aber deshalb auch viel zu tun! Für meine Blog-Abstinenz versuche ich jetzt etwas zu entschädigen, indem ich einfach alle Themen, über die ich normalerweise einen eigenen Beitrag geschrieben hätte, jetzt kurz zusammenfasse. Das erspart euch auch die vielen lästigen Details. An den passenden Stellen verlinke ich wieder auf meine Satire-Beiträge, die bei mephisto97.6 im “Nachschlag” liefen. Und los geht’s:

Christian Wulff tritt zurück

Das war überfällig! Die “Causa Wulff” hat genervt wie kaum ein zweites Thema. Daran waren die Medien ebenso sehr schuld wie der Ex-Bundespräsident. Ich frage mich sowieso, weshalb sich in der Berichterstattung alle auf den Niedersachsen stürzten, anstatt mal ernsthaft zu thematisieren, welchen Anteil Angela Merkel an der ganzen Geschichte trägt. Schließlich setzte sie Wulff mit aller Gewalt durch, obwohl ihm schon 2010 viele das höchste deutsche Amt nicht zutrauten. Auch aus den eigenen Reihen übrigens, sonst hätte er sich wohl nicht erst im dritten Wahlgang durchgesetzt. Mit Köhler und Wulff hat Merkel die beiden farb- und profillosesten Präsidenten aus dem Hut gezaubert .

Ob Christian Wulff nun ein gestörtes Unrechtsverständnis oder flexible Moralvorstellungen hat, wird jetzt die Staatsanwaltschaft klären. Ich weiß nicht, was ich für einen Bundespräsidenten unwürdiger fände. Für ihn selbst stellt sich jetzt die Frage, wie es nach seinem Rücktritt weitergeht. Sucht er den Weg in die Wirtschaft? Was er auf jeden Fall sucht, ist der Weg zum Arbeitsamt. Wir haben diese Szene einmal nachgestellt:

Ehrenwert übrigens: Bis zuletzt hatte Christian Wulff noch einen tapferen Fürsprecher – Peter Hintze. Oder wie wir ihn nannten: Der letzte Mohikaner, der mit dem Wulff tanzte. Entstanden am Tag vor, gesendet am Tag des Rücktritts:

Joachim Gauck wird neuer Bundespräsident

Für jeden normalen Regierungschef wäre diese Entscheidung unter den gegebenen Umständen die endgültige Bankrotterklärung gewesen. Aber Angela Merkel ist kein normaler Regierungschef. Ob es daran liegt, dass politische Kehrtwenden mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden sind, oder dass sie nach sieben Jahren an der Spitze des Kabinetts einfach keine Konkurrenz mehr in den eigenen Reihen hat, weiß ich nicht. Aber auch aus diesem neuerlichen Kurswechsel oder Fehlereingeständnis, oder wie man es nennen möchte, wird sie unbeschadet hervorgehen. Ein Phänomen.

Ich freue mich darüber, dass die Entscheidung für Gauck gefallen ist, ich finde es aber traurig, wie sie gefallen ist. Rot-Grün haben ihn benutzt, um der Regierung die lange Nase zu zeigen, Philipp Rösler hat ihn benutzt, um sich endlich mal durchzusetzen und irgendwie ein paar Prozentpunkte zu sammeln (notfalls auf Kosten der Koalition) und Merkel hat ihn letztlich benutzt, um sich als rational-pragmatisch zu geben und den überparteilichen Präsidenten zu finden. Alles unter dem Vorwand, Gauck sei der geeignetste Kandidat und man wolle Parteiinteressen hinten anstellen.

Jetzt ist es noch keine Woche her, dass der DDR-Bürgerrechtler als Kandidat benannt wurde, erst in drei Wochen wird er gewählt – und trotzdem zerreißen sich schon wieder alle die Mäuler über ihn. Die einen loben ihn als den Heilsbringer, die anderen sehen ihn als rückwärtsgewandten Konservativen. Ich persönlich erhoffe mir von ihm weder das eine, noch befürchte ich das andere. Ich erwarte nicht, dass ich seine Meinung immer teile, aber ich erwarte, dass er eine Meinung hat und diese auch äußert. Aber lassen wir ihn erst einmal ins Amt kommen.

Auch die Gauck-Mania durfte ich satirisch aufarbeiten. Gestern lief in unserer Sendung ein Korrespondentengespräch mit Uli Dorfdepp. Es begann mit der Frage – sie fehlt im folgenden Beitrag, weil live gestellt – “Wie wurde denn die Entscheidung für Gauck in Berlin und in Deutschland aufgenommen?

RB Leipzig vs. SV Wilhelmshaven 8:2

Was für ein Spiel! Der höchste Sieg der Vereinsgeschichte bei spitzenmäßigem Wetter war der optimale Auftakt in das Fußballjahr 2012. Neuzugang Roman Wallner feierte einen denkwürdigen Einstand mit drei Toren, Tomasz Wisio dürfte Umut Kocin dessen Rückkehr nach der Verletzungspause schwer machen und auch Hoheneder wirkt wie eine gute Ergänzung für die Innenverteidigung. So ein hoher Sieg war nötig, um mal ein Zeichen zu setzen – man darf ihn aber nicht überbewerten. Nach dem Rückstand war Wilhelmshaven kaum noch auf dem Platz und über die gesamten 90 Minuten hatte Leipzig so viel Platz wie wohl nie wieder in dieser Saison. Schon morgen muss diese Leistung beim TSV Havelse bestätigt werden. Dass die spielerische Qualität endlich ansehnlich war, dass endlich mal ein Tor nach einer Ecke fiel und dass endlich auch ein Konter erfolgreich zu Ende gespielt wurde, macht Hoffnung. Allerdings war das erste Pflichtspiel des Jahres alles andere als eine Standortbestimmung. Die folgt erst in der anstehenden englischen Woche bei Havelse, Zwickau und gegen Lübeck.

René Adler wechselt (voraussichtlich) zum HSV

Darüber würde ich mich gerne freuen. Immerhin wechselt einer meiner Lieblingstorhüter – und auch noch ein Leipziger! – zu meinem Lieblingsverein. Allerdings habe ich noch einige Bedenken. Nur Ralf Fährmann und Markus Pröll kommen an die Verletzungsanfälligkeit von Adler heran. Noch einen Leistungsträger, der permanent verletzt ist, kann sich der HSV wirklich nicht leisten. Und wenn man sich die Invalidenliste des HSV der letzten Jahre anschaut, gibt es sehr viele Orte, an denen man besser gesunden kann als Hamburg…

Außerdem macht Jaroslav Drobny nach Startschwierigkeiten mittlerweile einen guten Job. Er müsste dann definitiv gehen. Ob sich das unbedingt positiv auf seinen Kopf uns eine Leistungen auswirkt, darf man bezweifeln. Er wäre dann zudem ein weiterer dieser Sinnlostransfers des HSV. Als potenzieller Stammtorwart wurde er an der Alster zur Nummer zwei hinter Frank Rost degradiert, lag dem Verein, ohne Leistung zeigen zu können, auf der Tasche und verlor gleichzeitig an Spielpraxis und Form. Kommt jetzt Adler, würde er sich nach nur einem halben Jahr in annähernder Normalform wieder verabschieden. Alles sehr unglücklich.

Weitere Themen

Ein Aufreger-Thema im Februar war die gescheiterte Syrien-Resolution der Vereinten Nationen. Russland und China hatten sie im Sicherheitsrat blockiert. Anschließend reiste Russlands Außenminister Lawrow nach Syrien, um zu verhandeln. Das Protokoll des Treffens mit dem anschließenden russisch-syrischen Resolutionsentwurf liegt uns vor:

Schließlich begleitete uns mal wieder der Verfassungsschutz. Diesmal ging es darum, wieso er 27 Bundestagsabgeordnete der Linken beobachtet, aber zehn Jahre nichts vom NSU wusste oder nichts gegen ihn unternahm. Darüber wurde bei Günther Jauch diskutiert und da gab es nur eine einzige Frage:

Mein nächster Beitrag kann hoffentlich wieder ein einziges Thema etwas ausführlicher behandeln. Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Anhören!

Schlagzeilensintflut

21. November 2011 5 Kommentare

Irgendetwas lag an diesem Wochenende über Deutschland in der Luft. Wie sonst ließe sich dieser verrückte Fußball-Spieltag erklären, der ligaübergreifend noch länger in Erinnerung bleiben dürfte? Die aktuelle Dürreperiode über Mitteleuropa, die die Hirne der Sportler austrocknet? Der Dauernebel, der ihre Sinne trübt? Oder war es die Angst vor Aufmerksamkeitsverlust angesichts der noch verrückteren weltpolitischen Lage?

Eine kurze Zusammenfassung der letzten beiden Tage, damit alle auf dem gleichen Stand sind:

  • An der alten Försterei wird das Spiel zwischen Union Berlin und Fortuna Düsseldorf mit 30 Minuten Verzögerung angepfiffen, da die Gäste so lange im Stau standen.
  • Anhänger von Hansa Rostock zündeln nicht im eigenen Block mit Pyrotechnik herum, sondern feuern die Raketen direkt in den Block der Gäste aus Hamburg Sankt Pauli.
  • Werder Bremen verliert insgesamt 0:9 (Gladbach-Bremen 5:0 und BremenII-Aalen 0:4).
  • Jena bekommt nicht weniger als drei Strafstöße zugesprochen und schlägt Bielefeld mit 4:3 .
  • Freiburg gleicht in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen Berlin aus – nachdem bereits zuvor der sicher geglaubte Ausgleich lange nach dem Torjubel annulliert wurde.
  • Wolfsburg schießt vier Tore, zwei davon macht “Brazzo”, eins Chris, die beide zuvor in der Liga nie für den VfL getroffen hatten.
  • Hannovers Ya Konan fliegt mit rot vom Platz, nachdem er aus 15 Metern den Ball gezielt per indirektem Pass einem Gegner an den Kopf wirft.
  • In allen vier Samstag-Nachmittag-Partien fielen vier oder mehr Tore.
  • Frankfurt besiegt Aachen mit 4:3. Dabei fallen zwei Tore in den ersten und fünf in den letzten zwölf Minuten.
  • Auch Aue lacht zuletzt. In der Nachspielzeit gelingt der Siegtreffer im Sachsenderby bei Dynamo Dresden.
  • In der Regionalliga Nord sorgten die Ergebnisse des Spieltags dafür, dass der Abstand zwischen dem Dritt- und dem Viertplatzierten (11 Punkte) größer ist als der zwischen dem Vierten und dem Letzten (10 Punkte).
  • Schließlich überschattet der erschütternde Selbstmordversuch des Schiedsrichters Babak Rafati den Spieltag.

Und dann hat ja noch Dortmund bei den Bayern gewonnen. Die armen Zeitungsredakteure müssen doch verzweifeln. So viele Ereignisse, die ihre eigene Schlagzeile wert wären, womit macht man dann auf? Diese Frage dürfte sich allerdings leichter beantworten lassen als die, weshalb so viele sonderbare Dinge so oft innerhalb so kurzer Zeit passieren. Oder wieso es uns so vorkommt.

Nächste Woche stehen mit Gladbach-Köln, Dortmund-Schalke und HSV-HSV drei Derbys auf dem Spielplan. Die werden dann bestimmt total langweilig.

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Der richtige Weg

VfB Stuttgart – Hamburger SV 1:2

Mehr als ein halbes Jahr ist es her, dass die Fans des HSV das letzte mal über einen Bundesligasieg ihrer Mannschaft jubeln durften. Damals, am 19. März 2011, saß Michael Oenning das erste mal als Chefcoach auf der Trainerbank und beobachtete gegen Köln den ersten und einzigen Erfolg unter seiner Regentschaft. Seitdem folgten saisonübergreifend 13 sieglose Partien. Zu viele für den Vorstand, der ihn am Montag beurlaubte. Gestern mussten die Hamburger erstmals unter Rodolfo Esteban Cardoso auflaufen, auswärts beim VfB Stuttgart. Eine Erlösung für den Verein, eine Schmach für Oenning war das Ergebnis. Nicht nur die Tatsache, dass der HSV gewinnt, sobald Oenning weg ist, muss für ihn bitter sein, sondern auch die Erkenntnis, dass Cardoso in seinem ersten Spiel mehr richtig machte als sein Vorgänger in seiner gesamten Amtszeit.

In der ersten Hälfte war den “Rothosen” noch die Unsicherheit anzumerken. Mutlos agierten sie nach vorne und bekamen bei Ballbesitz am eigenen Strafraum Panikattacken. Einfachste Pässe im Spielaufbau wurden zielstrebig zum Gegner gespielt, in der Abwehr erinnerte vor allem Rajkovic an die alten HSV-Treppenwitze Gravgaard und Rozehnal. Komplettiert wurde das Trauerspiel vom Torwart Drobny, der nicht nur beim folgerichtigen Gegentor eine unglückliche Figur abgab. Doch mit dem Wiederanpfiff zeigte sich beim HSV etwas, das man lange nicht mehr gesehen hatte: Der Glaube daran, das Spiel noch gewinnen zu können. Flüssig kombinierten sie sich vor das Stuttgarter Tor, erspielten sich mehr Torchancen als in der gesamten restlichen Saison und drehten den Spielstand. Mit dem neu gewonnenen Selbstvertrauen kam auch die Sicherheit in der Defensive zurück, vor allem Bruma zeigte, wieso man ihn an die Alster geholt hat.

Anders als Oenning zuvor fand Cardoso in der Halbzeitpause offensichtlich die richtigen Worte und die passenden taktischen Antworten auf das Stuttgarter Spiel. Doch nicht nur in der Kabine hatte der Interimscoach das glücklichere Händchen. Schon in der Kaderbenennung korrigierte er einige Versäumnisse der letzten Jahre. Er setzte Schwalbenkönig Jarolim und den formschwachen Jansen auf die Bank, holte dafür den wieder genesenen aber sträflich missachteten Castelen zurück ins Boot und stellte den 20-jährigen Deutsch-Chinesen Lam sogar in die Startelf. Cardoso machte unmissverständlich klar, dass der Name nicht vor Auswechslung schützt und zeigte, dass außer Son auch noch weitere Talente in der eigenen Jugend vorhanden sind.

Jetzt sollte die Vereinsführung Mut beweisen. Cardoso bringt bis auf den Trainerschein alles mit, was ein Coach braucht. Er ist fest im Verein verankert, kennt den Nachwuchs, ist kompetent, in der Mannschaft angesehen und obendrein ein Sympathieträger bei den Fans. Die Zusatzmotivation für die Spieler, sich bei einem neuen Trainer neu anbieten zu müssen, ist ebenfalls gegeben. Es wäre nun der richtige Weg, dem eigenen Mann zu vertrauen und ihn arbeiten zu lassen. Mit Schalke, Freiburg, Wolfsburg und Kaiserslautern stehen für die nächsten Wochen durchaus lösbare Aufgaben auf dem Zettel. Was dem HSV in den letzten Jahren gefehlt hat, war die Ruhe, konzentriert arbeiten zu können. Die kehrt mit der internen Lösung eher ein, als wenn man jetzt hastig einen neuen Mann sucht, der sich erst wieder einarbeiten muss und gegebenenfalls die Mannschaft erneut auf den Kopf stellt.

Es scheint jedoch so, als entscheide man sich für die konservative Lösung. Die Zeichen verdichten sich, dass Huub Stevens nach drei Jahren zurückkehrt. Die “Bild” will es mal wieder exklusiv wissen, der “Focus” schreibt diese Meldung nur allzu gerne ab und auch im Interview mit “Sky” dementierte sie Sportchef Arnesen nur insofern, dass “noch nichts fix” sei (Quelle: Kicker). Stevens wäre eine Art Kompromisslösung – zwar extern, war aber wenigstens schon einmal beim HSV. Es wird also wieder so laufen wie 2007/08. Stevens übernimmt den Sportverein als Tabellen(vor)letzten, stabilisiert die Abwehr, führt das Team ins obere Tabellenmittelfeld – lässt dabei aber leider hässlichen 1:0-Antifußball spielen.

Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling. Nach einem Sieg gegen extrem schlagbare Stuttgarter ist alles andere als Euphorie angesagt. Das schlimmste scheint jedoch überstanden. Ruhe und Gelassenheit wäre dem  HSV nun zu wünschen, ein Trainer, der die Offensivstärken der Mannschaft zu nutzen weiß. Eine schnelle Lösung wie Huub Stevens kann das Problem der großen Trainerfluktuation, davon bin ich überzeugt, nicht lösen.

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Ringtausch in der Bundesliga?

10. März 2011 3 Kommentare

Erst van Gaal, dann Veh, jetzt Magath. Binnen weniger Tage haben drei der größten Fußballclubs der Bundesliga ihre Trainer verloren. Sowohl der FC Bayern, als auch der HSV und Schalke stehen spätestens im Sommer ohne Übungsleiter da. Durch diese drei vakanten Posten könnte es im Sommer zu einem einzigartigen Ringtausch kommen.

Sortieren wir mal. Van Gaal verlässt die Bayern. Bayern hat Interesse an Jupp Heynckes. Der trainiert aktuell mit guten Ergebnissen (sieht man von der Euro League heute mal ab) Bayer Leverkusen. Würde er nach München zurückkehren, müsste sich die “Werkself” um Ersatz kümmern. Laut Kicker läuft es dabei auf Robin Dutt hinaus, der allerdings reflexartig dementiert. Dutt würde den FC Freiburg verlassen. Im Breisgau würde sich dann sicherlich Armin Veh sehr wohl fühlen. Ein ruhigeres Umfeld findet man in der Bundesliga kaum, der Gegensatz zum HSV, dessen Chaos er nicht mehr ertragen kann, könnte größer nicht sein.

Und wer kommt dann zum HSV? In der Hansestadt gibt es Stimmen, die nach Felix Magath rufen, der wäre dann ja zu haben. Glaubt man jedoch den Medien, scheint Mr. Facebooks Wechsel zu RB Leipzig nur noch eine Formsache zu sein. Wahrscheinlicher ist also, dass im Norden Co-Trainer Michael Oenning aufrückt oder Ralf Rangnick aus dem sehr zeitigen Vorruhestand geholt wird. Vielleicht kommt jetzt, da Matthias Sammer erfolgreich auf Distanz gehalten wurde, aber auch Jogi Löw an die Alster?

Löw wird jedoch auch mit den Bayern in Verbindung gebracht, falls Heynckes in Leverkusen bleibt. Dann könnte Robin Dutt in Freiburg bleiben und Armin Veh müsste sich einen neuen Verein suchen. Er könnte dann zurück nach Stuttgart oder Wolfsburg gehen und könnte dadurch seinem Versprechen treu bleiben, nach dem HSV keine Bundesligamannschaft mehr trainieren zu wollen.

Bleibt die Baustelle Schalke. Nach Magath will man dort sicherlich keinen “General” van Gaal haben. Der geht ja außerdem sowieso zu Ajax. Stattdessen könnte man sich aber Ottmar Hitzfeld angeln, der den Bayern ja schon abgesagt hat. Ach, wie ist das alles kompliziert. Kann nicht der Einfachheit halber Magath zu Bayern gehen, van Gaal zum HSV und Veh nach Schalke, das ihm nach einem Jahr Hamburg wie die reinste Idylle vorkommen muss? Dann könnte Ralf Rangnick auch nach Leipzig kommen.

Ein Rücktritt jagt den nächsten, Topclubs versinken in Chaos und Mittelmaß, das Duell Bayern gegen Hamburg am Samstag ist nur auf dem Papier ein Spitzenduell. Wir erleben eine der denkwürdigsten Bundesliga-Spielzeiten, in der nur sicher ist, dass Dortmund Meister wird. Und dass es mit den Trainern so kommen wird, wie ich oben geschrieben habe. Oder anders. Auf jeden Fall aber unübersichtlich.

All diese Theorien kann ich mit harten Gerüchten belegen.

Die Faxen dicke

2. Februar 2011 5 Kommentare

Wie war das gleich mit dem “Informationszeitalter” und dem “Millionengeschäft Fußball”? Datenübermittlung funktioniert schneller und zuverlässiger als je zuvor und im bezahlten Fußball gibt es keine Position, die nicht hoch professionalisiert ist? Oder wie? Die beiden Fax-Pannen (ja, richtig gelesen: Fax!) vom Montag lassen da anderes vermuten.

Die verspäteten Faxe bilden den Höhepunkt eines von Lächerlichkeiten nur so gespickten Winterschlussverkaufs im europäischen Fußball. Eine gefühlte Ewigkeit hatten sich der 1. FC Köln und der HSV um das Nachwuchs-Talent Eric-Maxim Choupo-Moting gestritten. Nach einer angebotenen und später zurück genommenen Vertragsverlängerung und endlosem Hin und Her war man sich schließlich einig geworden, den Stürmer bis Saisonende an die Domstädter zu verleihen. Doch dann… kam nur eine Seite des Faxes in Köln an. Der Teil mit der Unterschrift des Kameruners ging im Netz der Telekom verloren. Vielleicht hat jetzt eine Oma im Großraum Köln ein ganz besonderes Autogramm eines Profifußballers?

Im zweiten Versuch, kurz nach 18 Uhr, gelang der Datentransfer, sodass der FC um 18:06 Uhr den Vertrag an die DFL faxen konnte. Da das Durchschnitts-Fax, wie wir alle wissen, genau sieben Minuten unterwegs ist, konnte man in Frankfurt um 18:13 Uhr die Wechselabsichten aktenkundig machen. Unglücklich nur, dass die Frist, man ahnt es, Punkt 18 Uhr endete. (Quelle: Kicker) Noch schlimmer erwischte es den österreichischen Club Red Bull Salzburg, der den Slowaken Robert Vittek verpflichten wollte. Hier kam das entsprechende Fax aus der Türkei genau eine Minute zu spät an, um 00:01 Uhr. Bitter. (Quelle auch hier: Kicker)

Da stellt sich doch die Frage, ob in Zeiten von E-Post-Brief und Chipkarten-Personalausweis noch Faxe nötig sind, ob ein Scan des Vertrags nicht ebenso aussagekräftig ist – und ob man vielleicht nicht erst kurz vor knapp solch wichtige Entscheidungen treffen sollte. Nur so Überlegungen.

Aber was hat Rationalität schon im Transferkarussell verloren? Patrick Helmes wechselt von Leverkusen nach Wolfsburg. Von einem Verein mit einem großen Konzern im Hintergrund zu einem Verein mit einem großen Konzern im Hintergrund. Das Gehalt dürfte ähnlich sein, der Unterschied ist bloß, dass Leverkusen eine funktionierende Mannschaft hat und um die Champions League spielt, während sein neuer Club den Trainer nicht versteht und folglich gegen den Abstieg kämpft. Böse Zungen behaupten, er wechsle in die VW-Stadt, weil er sich in der zweiten Liga einfach wohler fühlt.

Helmes war allerdings nur einer von fünf (in Zahlen: 5) Last-Minute-Käufen der Niedersachsen. Denn wie hieß es vor einiger Zeit so schön? “Ein Verein, auf dem VW steht, sollte auch international vertreten sein.” Also machte man mal eben 20 Millionen Euro locker (ungefähr der gesamte Kader-Wert von Mainz vor der Saison) und holte sich Weltstars wie Jan Polak und Tuncay. Letzterer kam von Stoke City. Stoke? War da nicht was? Genau: Die erste Lachnummer der Winterpause, Demba Ba. Der Stürmer wollte von Hoffenheim auf die Insel wechseln, man war sich einig – doch dann kam der Medizincheck. Ba rasselte durch, hatte Angst vor dem Gelächter der Kollegen, blieb vorsorglich dem Trainingslager fern und fand schließlich bei West Ham Asyl.

Demba Ba war einer der beiden finanztechnischen Verkäufe von Hoffenheim. Er und Luiz Gustavo kosteten Herrn Hopp zu viel Geld, deshalb mussten sie weg. Als Ersatz kam nun der sicherlich wesentlich billigere Vize-Weltmeister Ryan Babel.

Finanzielle Sorgen hat auch der FC Schalke 04 mit seinem Hamster-Käufer Felix Magath. Jeweils 19 Zu- und Abgänge alleine in dieser Saison hat er zu verbuchen. Spieler, die zwei Jahre in Gelsenkirchen bleiben dürfen, können sich glücklich schätzen. Seine beiden Neueinkäufe dürfte er auch im Hinblick auf die Kurzlebigkeit seines Kaders gekauft haben: Angelos Charisteas und Ali Karimi. Der Grieche hat im Sommer fast das in seiner Heimat übliche Rentenalter erreicht und bei Karimi bekommt der Ausdruck “der ehemalige Bundesliga-Profi wurde reanimiert” einen ganz neuen Klang. In Fachkreisen heißt es, Magath habe den Poker mit Sao Paulo um Rivaldo nur knapp verloren. Zudem seien die Verpflichtungen von Ulf Kirsten und Michael Preetz an den zu hohen Gehaltsforderungen gescheitert. Lothar Matthäus habe sich angeboten, aber den wollte selbst “Quälix” nicht mehr haben.

Verrückt, diese Wintertransfers. Stuttgart ist neidisch auf Dortmund, kauft sich seinen eigenen Shinji (Okazaki) und nimmt den aussortierten Hajnal auf, Bayern ekelt den eigenen Kapitän aus der Mannschaft und mindestens drei Wechsel (die beiden Fax-Fälle und der Wolfsburger Koo) müssen am grünen Tisch entschieden werden. Gut, dass Freitag wieder Fußball gespielt wird. Dann kommen die Akteure nicht auf noch mehr Schnapsideen.

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