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Archiv für die Kategorie ‘Stadtgespräch’

Mit dem Sonderzug auf die Ehrenrunde

Etwa zwei Drittel des gut gefüllten Gästeblocks in Kiel

Beginnen wir sportlich und beginnen wir positiv: Leipzig hat nicht mit 5:1 verloren. Die rechnerische Aufstiegschance ist noch da und ja, Peter Pacults Aussage, die erste Halbzeit sei “das beste gewesen, was die Mannschaft dieses Jahr auswärts gespielt hat”, ist teilweise nachvollziehbar. Aber damit hört es eben auch auf.

Nach dem Spiel: Kiel feiert, Leipziger konsterniert

Nach 90 Minuten im prall gefüllten Kieler Holsteinstadion war auch das zweite von drei Spitzenspielen der Saison verdient mit 0:1 verloren. Die Kieler jubelten und für Leipzig sind so nun auch die letzten realistischen Chancen verspielt, im zweiten Anlauf in die dritte Liga aufzusteigen. Dabei entschieden an der Ostseeküste die im gesamten Saisonverlauf beobachteten Schwächen. Das Mittelfeld fand keine Mittel gegen die immer wieder starken Spieleröffnungen der Kieler, verhinderte im Gegenzug vielversprechende Situationen durch ungenaue Abspiele, technische Schwierigkeiten bei Ball-An- und -mitnahme brachten den Gegner immer wieder ins Spiel, die defensiv schwache Außenbahn verunsicherte das Team und letztlich fehlte wie so oft die letzte Konsequenz vor dem Tor. Alles bekannte Baustellen. Auch das Spielsystem wirkt wie “schnell den Ball nach Außen spielen und dann mal schauen”. Unkreativ, planlos, zu schlecht für Gegner wie Kiel, das durchaus höher hätte gewinnen können.

Doch trotz der begrabenen Aufstiegshoffnungen war die Partie im hohen Norden nicht kompletter umsonst. Über 600 mitgereiste Fans demonstrieren, dass zumindest die Fankultur auf dem richtigen Weg ist. Zum Vergleich: Zum letzten Auswärtsspiel in Kiel kamen damals ca. 25 Leipziger mit. Die Stimmung im mit 500 Mann voll besetzten Fanzug war prächtig, die Unterstützung im Gästeblock lautstark. Und, das muss an dieser Stelle auch mal erwähnt werden, um Welten kreativer als die der Gastgeber, die nicht viel mehr zu bieten hatten als die beiden Fangesänge “Holstein Kiel” und “Scheiß Red Bull” und auch erst nach dem Führungstreffer halbwegs laut wurden. Die Reise mit einem Sonderzug, wenngleich durch die Unterstützung des Vereins begünstigt, ist eine neue Qualität der Fanszene und ist nach nur drei Jahren Vereinsbestehen durchaus beachtlich. Besonders schön dabei: Die Atmosphäre war jederzeit friedlich und sportlich.

Schlechtes Foto von der Invasion der Leipziger am Kieler Hauptbahnhof

Stimmen, dass die Reise umsonst war, konnte man nicht finden. Vielmehr entstand das Gefühl, dass die gemeinsame Zugfahrt und das geteilte Leid (wobei “nicht aufsteigen” leiden auf hohem Niveau ist) die Fangemeinschaft weiter zusammengeschweißt hat. Das zeigt sich auch dran, dass es nach dem Ende des Spiels keine Pfiffe gegen die Mannschaft gab, sondern vielmehr Applaus als sich Kapitän Daniel Frahn als Reaktion auf die Schmährufe der Kieler Fans stolz auf sein Wappen schlug und dem Anschein nach beim Gang in die Fankurve den Tränen nah war. Er ist einer derjenigen, denen man das abkauft. Und auch wenn das nach Zweckoptimismus klingt – diese Fanentwicklung ist positiv und macht Hoffnung, dass auch die Unterstützung in der dritten Regionalliga-Saison nicht wegbröckelt.

Der kommende Sommer dürfte somit äußerst interessant werden. Bleibt Trainer Pacult? Oder kommt im vierten Jahr der vierte Trainer(stab)? Wie sieht der Kader 2012/13 aus? Kommt Kontinuität in den Kader oder gibt es erneut den großen Umbruch? Setzt man bei eventuellen Neueinkäufen auf Jugend oder Erfahrung, auf Bundesliga- oder Regionalliga-Erfahrung?  Wie kommuniziert man das zweite Scheitern den Fans? Wie groß wird der Druck aus Fuschl am See? Und wie wird die Ursachenforschung in der sportlichen Leitung aussehen? Meine persönlichen Ansichten dazu (bis auf die meiner Meinung nach suboptimale Kaderplanung) hebe ich mir mal für das Ende der Saison auf.

Sicher ist nur: Einfacher wird das Aufsteigen nach der Regionalligareform nicht. Aber andererseits… als RB Leipzig das letzte Mal mit Zwickau, Auerbach, Lok und (evtl.) Bautzen in einer Liga gespielt hat, verlief die Saison nach Plan.

20 Jahre Leipzig

9. April 2012 5 Kommentare

In diesem Monat ist es genau 20 Jahre her, dass ich mit meiner Familie nach Leipzig gezogen bin. Besser gesagt meine Familie mit mir, denn als zweijähriger Knirps hatte ich bei dieser Entscheidung kaum Mitspracherecht. Seither lebe ich in dieser schönen Stadt und habe hier trotz diverser mehr oder weniger langen Wohnaufenthalte in meiner alten Heimat in Nordrhein-Westfalen oder in Meißen mein einziges echtes Zuhause. Ein Zuhause, das ich in der ganzen Zeit nicht nur lieben, sondern auch gut kennen gelernt habe.

Viele Facetten dieser abwechslungsreichen Olympiastadt der Herzen durfte ich erleben. Nun sind zwei Jahrzehnte auch viel Zeit, sollte man meinen. Genug, um alles einmal getan zu haben, was einem die Stadt anbietet. Aber wie das bei Angeboten so unmittelbar vor der Haustür oft ist, waren auch für mich einige davon zu einfach, zu selbstverständlich, um sie tatsächlich in Anspruch zu nehmen. Anlässlich meines 20-jährigen Leipzig-Jubiläums  hier also eine Liste an Dingen, die ich bislang versäumt habe, zu tun:

  • Auf die Aussichtsplattform des Uni-Riesen/MDR-Towers/City-Hochhauses gehen
  • Den Uni-Riesen überhaupt mal betreten
  • Eine Bootstour durch die Kanäle
  • Ein Spiel des HCL besuchen
  • Einen Beschwerdebrief an die LVZ schreiben
  • Ein Konzert oder eine Party in der Moritzbastei besuchen (die 15 Minuten auf der Ersti-Party zählen nicht)
  • Am Seifenkistenrennen auf dem Fockeberg teilnehmen
  • Auf dem Fockeberg Silvester feiern
  • Völkerschlacht-Schauspiel an selbigem Denkmal besuchen
  • Das Bildermuseum besuchen (bin bislang nur bis zur Lobby gekommen)
  • Das Stadtgeschichtliche Museum besuchen
  • Die Deutsche Nationalbibliothek betreten
  • Ein Pferderennen auf der Rennbahn Scheibenholz ansehen
  • Mit der Partytram fahren
  • Belantis besuchen
  • Beim Schwarzfahren erwischt werden
  • Ein Fahrrad klauen

Ich habe also noch genügend Programm für die nächsten Jahre in Leipzig. Und dennoch ist es, wenn man sich mal eine Weile damit beschäftigt, auch irgendwie beängstigend, wie viele eigentlich für Touristen prädestinierte Orte und Events ich besucht habe. Trotz der obigen Versäumnisse, so denke ich, ist meine Bilanz auch was das Pflichtprogramm für jeden echten Leipziger angeht, durchaus vorzeigbar. Auch hierfür habe ich eine kurze Liste zusammengetragen, für alle Leipziger zum Abgleichen mit eurer Liste und für alle (Noch-)Nicht-Leipziger möglicherweise als Anregung. Ich bin/habe:

  • Mich über Halle lustig gemacht
  • Spiele von Lok, Sachsen und RB Leipzig in deren jeweiligen Stadien, sowie Spiele der UniRiesen besucht
  • Mit der Parkeisenbahn um den Auensee gefahren
  • Zoo, Tierpark und Botanischen Garten besucht
  • Konzerte/Vorstellungen in Gewandhaus, Oper, MuKo, Centraltheater und Thomaskirche besucht, inklusive Classic Open (nicht nur das, ich stand als Schüler sogar auf zwei Bühnen dieser Häuser)
  • Mit Fahrrad und Fahrrad-Kutsche um den Cospudener See gefahren und darin gebadet
  • Buchmesse, ami-Messe, Modell&Hobby-Messe besucht sowie diverse Veranstaltungen auf dem Agra-Gelände
  • Das Völkerschlachtdenkmal erklommen
  • Im Kohlrabizirkus Schlittschuh gelaufen und in der Soccer World Fußball gespielt
  • Das Panometer besucht, ebenso wie das Zeitgeschichtliche Forum, Grassi- und Naturkundemuseum
  • In Auerbachs Keller und im Riquet gegessen bzw. Kaffee getrunken
  • Urlaubstage in Schrebergärten verbracht
  • Auf der Kleinmesse gewesen
  • Das Wasser im Becken von Specks Hof zum Schwingen gebracht
  • Fausts Schuh berührt
  • An Studentendemos teilgenommen
  • In einem City-Tunnel-Informationszentrum gewesen
  • Diverse Veranstaltungen in Haus Auensee, Arena Leipzig, Werk II und Schaubühne Lindenfels besucht
  • Ein Feuerwerk auf der Festwiese erlebt
  • Im Johannapark gerodelt und an Schneeballschlachten teilgenommen
  • An einer Stadtrundfahrt im “Gläsernen Leipziger” teilgenommen
  • Auf der Großen Wiese Drachen steigen lassen
  • Auf der Großen Wiese Sterne geschaut
  • Dem MDR einen O-Ton gegeben und RTL in der WG gehabt
  • In Sachsentherme, Poseidon, Riff, Stadtbad, Ökobad Lindenthal und Wackerbad “schwimmen” gewesen
  • Einem Punk am Hauptbahnhof Kleingeld gegeben
  • Gegen Nazis demonstriert
  • In der Uni-Klinik und im St.-Georg-Krankenhaus behandelt worden
  • Dreharbeiten von Soko Leipzig und dem Tatort beobachtet
  • Am Set von “In aller Freundschaft” gewesen
  • Führungen durch Altes und Neues Rathaus bekommen
  • Eine halbe Stunde auf die eingeschneite Straßenbahn gewartet
  • Ein Fahrrad gestohlen bekommen und dies nicht zur Anzeige gebracht

Keine der beiden Listen erhebt Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn ich etwas vergessen habe, das man in Leipzig unbedingt mal getan haben muss, schreibt es mir! Und nein, zu Silvester am Connewitzer Kreuz Einrichtungen demolieren gehört nicht dazu.

PS: Ich bitte noch einmal, die derzeitige Schreibflaute zu entschuldigen. Sie ist meiner Arbeit geschuldet, die mich momentan ziemlich auf Trab hält. Wer dennoch an Texten von mir interessiert ist, sei auf die satirische Radiosendung verwiesen,  für die ich wöchentlich aktiv werde.

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Zwei Neue, wenig Neues

RB Leipzig beim Training, 18.01.2012

Testspiel: RB Leipzig vs. Eintracht Trier 2:2

Seit zehn Tagen befindet sich der Regionalligist RasenBallsport Leipzig wieder im Training. Auf dem Vorbereitungsplan zur Rückrunde der angestrebten Aufstiegssaison stand heute das Testspiel gegen den Tabellenzweiten der Regionalliga West, Eintracht Trier. Eine erste sogenannte Standortbestimmung, bevor es nächste Woche ins Trainingslager in der Türkei geht.

Gutes Zuschauerinteresse beim Testspiel gegen Trier

Gut 500 Zuschauer sahen im Trainingszentrum am Cottaweg bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt kein mitreißendes, aber ein abwechslungsreiches Spiel. Peter Pacult ließ sein Team in einer 4-2-3-1-Formation auflaufen, stellte zur Halbzeit auf das gewohnte 4-4-2 um. Das offensive 3-4-3 mit hängender Spitze vom Testspiel gegen Eilenburg dürfte somit ein einmaliges Experiment gewesen sein. Nach der typischen ersten Unsicherheit in der Abwehr, die fast zum frühen Rückstand geführt hätte, kam RB besser ins Spiel, kontrollierte die Partie, ohne jedoch große Torgefahr auszustrahlen. Durch einen Elfmeter in der 30. Minute (herausgeholt von Rockenbach, sah aus 50 Meter Entfernung mit Publikum im Blickfeld eher nach Ecke als nach Strafstoß aus) ging Leipzig den Spielanteilen entsprechend in Führung – Frahn netzte knapp unter die Latte ein. Nun war der Gastgeber besser im Spiel und erhöhte fünf Minuten später nach einer sehenswerten Kombination auf 2:0. Torschütze erneut Frahn, der mal wieder eine Röttger-Flanke per Kopf verwertete.

In der Pause wechselte Pacult sieben neue Spieler ein und den Spielfluss aus. RB hatte weiterhin mehr Ballbesitz, kam jedoch gegen die zweitbeste Abwehr der Regionalliga West nur selten gefährlich vors Tor. Schulz scheiterte alleine vorm Torwart, ein abgefälschter Rost-Freistoß landete knapp neben dem Tor und ein Kopfball vom Abwehrchef Hoffmann konnte nach einer Ecke geklärt werden. Stattdessen kam jetzt Trier ein ums andere Mal vor Ersatztorwart Bellot zu Chancen. Eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff fiel folgerichtig das obligatorische Freistoß-Gegentor – diesmal allerdings per Kopf und nicht direkt über die Mauer. Nur wenige Minuten später kam Bellot nach einer Fehlabstimmung in der Abwehr nicht energisch genug aus dem Tor. Der Ausgleich der Gäste fiel denkbar einfach. Es blieb beim 2:2. Beide Teams befinden sich mitten in der Vorbereitung und hatten vor dem Spiel noch Trainingseinheiten. Vor diesem Hintergrund können beide Trainer mit der Leistung und vor allem dem Einsatz ihrer Teams zufrieden sein.

Abwehrspieler Christian Müller (links) und Marcus Hoffmann im Zusammenspiel

Das Testspiel sah aus wie die meisten Auftritte der “Roten Bullen”. Große Veränderungen oder Verbesserungen in der Spielanlage waren – verständlicherweise – noch nicht zu erkennen. Allenfalls könnte man mutmaßen, dass Pacult angeregt hat, die Bälle öfter mal prallen zu lassen. Trotzdem lassen sich einige Erkenntnisse ziehen. Der wiedergenesene Pekka Lagerblom besetzte mit Henrik Ernst das zentrale Mittelfeld und dürfte mit dieser Leistung das Leben für Bastian Schulz schwer machen.  Auch wenn sich Ernst zwei, drei Ungenauigkeiten leistete, wirkte diese Kombination wesentlich präsenter, stabiler und gefährlicher als das Paar Rost/Schulz in Halbzeit zwei. Marcus Hoffmann dürfte in der Rückrunde der Abwehrchef werden, als der er geholt wurde. Er spielte heute durch, gab viele Kommandos und sollte somit gesetzt sein. Tom Geißler spielte 45 Minuten lang auf der Position des Spielmachers – und wohl im Saisonverlauf keine Minute länger. Er zeigte sich gewohnt zweikampfstark und einsatzwillig, ließ aber zu oft die Übersicht vermissen. Verwunderlich, dass Pacult nicht Rockenbach auf die “10″ stellte. Für Carsten Kammlott wird die Luft dünner. Auch heute bewies er zwar erneut, dass er pfeilschnell ist, rannte sich aber wie üblich auch Mal für Mal fest, anstatt das Abspiel oder den Torabschluss zu suchen. Lange war er trotzdem Publikumsliebling, doch nach den Kommentaren der Zuschauer zu urteilen, bröckelt auch dieser Status. Dazu dürfte auch sein Interview vom vergangenen Freitag beigetragen haben. Sollte Roman Wallner kommen, wonach es nach Guido-Schäfer-Berichten ja aussieht, dürfte sich Kammlott wohl verabschieden.

Am meisten dürfte Peter Pacult das Auftreten seiner beiden Probespieler interessiert haben. Die beiden Außenverteidiger Andreas Dober (25, Österreicher) und Nejc Skubic (22, Slowene) spielten jeweils eine Halbzeit auf der rechten Seite und präsentierten sich ordentlich. Dober begann in der Startformation und zeigte sich besonders im Offensivspiel engagiert, wirkte in seinem Spiel jedoch dem etatmäßigen Rechtsverteidiger Müller sehr ähnlich. Skubic dürfte Pacult mit seiner Leistung eher überzeugt haben. Nach einigen Anfangsschwächen fand er gut in die Partie, wurde oft gesucht und zog ein schönes Kurzpassspiel an der Seitenlinie auf. Keiner der beiden drängte sich übermäßig auf, solide wären sie wohl dennoch beide und von der Spielweise bereichernd könnte der junge Slowene sein. Pacult dürfte ein Interesse daran haben, diesbezüglich eine Entscheidung zu treffen, bevor die Mannschaft ins Trainingslager fliegt. Ein erster Transfer könnte also unmittelbar bevorstehen.

Viele dramatische Erkenntnisse gab es also erwartungsgemäß noch nicht. Mit den wieder einsatzfähigen Lagerblom, Watzka und Rosin erhöht sich im Mittelfeld der Konkurrenzdruck, in der Türkei sollte die Mannschaft noch besser zueinander finden und die Abstimmung in der Abwehr ist nach wie vor ausbaufähig. Das nächste Testspiel findet bereits am Samstag gegen den österreichischen Viertligisten Schwadorf statt, anschließend geht der Flieger nach Belek. Nach der natürlich nicht überzubewertenden ersten Hälfte der heutigen Partie darf man optimistisch sein, dass RB Leipzig nach den noch dreieinhalb Wochen Training gut vorbereitet in den Aufstiegskampf gehen kann.

90 Minuten Peinlichkeit

2. Hauptrunde DFB-Pokal: RB Leipzig – FC Augsburg 0:1

Es war ein Spiel, wie man es im DFB-Pokal schon oft gesehen hat. Der Große spielt gegen den Kleinen. Der Amateurverein ist sich dabei seiner Chancenlosigkeit bewusst, mauert sich deshalb hinten ein und wartet auf Konter. So kommt es, wie es kommen muss: Die spielstärkere Mannschaft bestimmt das Geschehen, erarbeitet sich gute Chancen, setzt den Gegner permanent unter Druck, scheitert aber an der gut aufgestellten Betonwand. Ein Konter der Kleinen sitzt, das Spiel ist entschieden. So kam es auch am Dienstagabend in der Leipziger Red Bull Arena, dass der FC Augsburg mit 1:0 RB Leipzig besiegte und somit ins Achtelfinale einzieht.

Gähnende Leere im Gästeblock

Sportlich gesehen war das Kräftemessen in Leipzig über weite Strecken wie erwartet kein Leckerbissen. Großchancen waren selten, das spielerische Niveau überschaubar. Schuld daran war jedoch in erster Linie der Bundesligist, der von Anpfiff bis Spielende eine peinliche Figur ablieferte. Auf und neben dem Platz. Es begann mit den Gästefans, die ausschließlich durch Abwesenheit glänzten. Ganze 80 Fans (laut Eurosport, vermutlich etwas mehr) mit “Ultras”-Banner fanden den Weg nach Sachsen und machten dadurch gegen die 34.200 Leipziger ihre eigenen “Tradition statt Red Bull”-Banner lächerlich.

Bloßgestellt wurde dann auch das Team der Schwaben. In keiner Minute machte der Erstligist die geringsten Anstalten, die Spielgestaltung zu übernehmen. Statt Kreativität und Torgefahr bekam das Publikum vom Favoriten lediglich Zweikampfschwäche, Spielzerstörung und Zeitspiel zu sehen. Stattdessen erspielte sich der Regionalligist aus Leipzig vor allem in der zweiten Halbzeit Chance um Chance, scheiterte lediglich an der mangelnden Durchschlagskraft vor dem Tor. Augsburg beschränkte sich wie in der Bundesliga ganz aufs Kontern. Doch selbst die schnellen Gegenstöße konnten die Bundesligaaufsteiger nicht zu gefährlichen Angriffen nutzen. Lediglich ein einziges Mal war der FCA-Stürmer schneller und cleverer als die RB-Abwehr, schob den Ball ins lange Eck an Torwart Pascal Borel vorbei zur Führung. Anschließend zog der Gastgeber ein zwanzigminütiges Powerplay auf. Die finale Peinlichkeit für Augsburg. Die Mannschaft fand kein Mittel, sich aus dem Klammergriff zu befreien, prügelte die Bälle nur noch auf die Tribüne, mehrere Spieler sahen die gelbe Karte wegen Spielverzögerung. Trotz des Sieges hat sich der FC Augsburg an diesem Pokalabend blamiert und musste zudem von den gut aufgelegten Leipziger Fans “Absteiger!”-Gesänge einstecken und sich wiederholt den Schmähruf “Erste Liga, keiner weiß, warum” anhören.

Erneut große Kulisse in der Red Bull Arena

Die sportliche Niederlage schmälert den Erfolg von RB Leipzig nur minimal. Erneut verkaufte sich die Mannschaft teuer, spielte couragiert und konnte Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben in der Regionalliga sammeln. Auch das Leipziger Publikum sorgte wieder dafür, dass das Projekt von Red Bull ein paar Unterstützer gewonnen haben dürfte. Die Rekordkulisse sorgte über das gesamte Spiel für erstklassige Stimmung und zeigte erneut, dass die Anhänger trotz fehlender Vereinstradition emotional und engagiert die eigene Mannschaft unterstützen. Im Unterschied beispielsweise zu den zuletzt kritisierten Hoffenheimer Fans. Selbst Rundfunk und Presse nahmen das zur Kenntnis: “Und die Leipziger jubelten, sangen und brüllten für ihre Mannschaft und hätten genauso wie die anrennende Elf ein Weiterkommen verdient gehabt. Super Stimmung, tolle Kulisse, friedliche, faire Fans – so geht’s also auch.” (Quelle erneut Eurosport)

Vielleicht nehmen sich die Spieler den heutigen Abend als Ansporn, um noch härter am Aufstieg in die dritte Liga zu arbeiten. Denn je höher man spielt, desto öfter locken Abende wie diese. Die traurigste Nachricht aus Leipziger Sicht lautet, dass es nun einige Zeit dauern wird, bis das Stadion durch attraktive Begegnungen wieder so gut gefüllt sein wird. Übrigens wartet RB durch die Pokalniederlage noch immer auf das erste Tor vor dem Fanblock.

Trotz des Pokalausscheidens dürfen die “Bullen” in den kommenden Tagen guten Gewissens in ihren Pokalschlappen zum Duschen gehen. Schockierend bleibt das Auftreten des FC Augsburg, dessen Bundesligatage mit solchen Leistungen gezählt sein dürften.

Vorschau DFB-Pokal Runde 2: RB Leipzig vs. FC Augsburg

In der ersten Pokalrunde bezwangen die Bullen die Wölfe. Da sollten die Augsburger Puppen jetzt doch kein Problem sein! Der Fußball-Regionalligist RB Leipzig möchte sich am Dienstag (19 Uhr, Red Bull Arena) zum Pokalschreck entwickeln und nach dem VfL Wolfsburg auch den FC Augsburg schlagen. Eine Vorschau auf die Partie der zweiten Runde des DFB-Pokals.

Die Generalproben sprechen für den FCA. Freitagabend spielten sowohl Augsburg als auch Leipzig zu Hause gegen Gäste aus dem Norden, jeweils 1:1. Die Schwaben, Abstiegskandidat der Bundesliga, dürften mit ihrem Punktgewinn gegen Werder Bremen jedoch wesentlich zufriedener sein als die Sachsen, Aufstiegskandidat der Regionalliga, mit ihrem Remis gegen die U23 des FC St. Pauli. Beide Spiele haben gezeigt, mit welchen Problemen die Teams am Dienstag kämpfen müssen.

RB Leipzig hat ein Heimproblem. Zum dritten Mal in Folge kamen die “Bullen” nicht über ein 1:1 hinaus, die Fans warten nach wie vor auf das erste Tor vor ihrem Block in der laufenden Saison (inklusive Pokal). Dabei werden die Defizite immer offensichtlicher. Im Sturm fehlt die Durchsetzungskraft. Anstatt den Torabschluss zu suchen, wird im Strafraum noch zwei- bis dreimal quergelegt oder sich in der Abwehrreihe des Gegners festgerannt. Wer nicht schießt, kann nicht treffen. Auch die Standardsituationen des RBL zeichnen sich hauptsächlich durch Ungefährlichkeit aus. Und schließlich fehlen nach wie vor die Impulse aus dem zentralen Mittelfeld. Nicht zuletzt Neuzugang Bastian Schulz sorgt durch seine permanenten Quer- und Rückpässe dafür, dass das Spiel der Leipziger einschläft und steile Pässe in die Spitzen Seltenheitswert besitzen. Insbesondere gegen tief stehende, gut verteidigende Gegner wirkt die Mannschaft einfallslos.

Augsburg war in der Bundesliga bislang genau so ein Gegner. Immer dann, wenn die Defensive des FCA organisiert agierte, konnte der Club punkten. Als Außenseiter konnten sich die Schwaben stets aufs Verteidigen konzentrieren und und auf Konter lauern. Diese Taktik reichte bislang zwar nur zu einem Sieg, brachte aber immerhin fünf Unentschieden ein. Trotz guter Offensivkräfte wie Sascha Mölders steht Augsburg mit acht Toren aus zehn Spielen nicht für Torgefahr. Es spricht einiges dafür, dass es kommende Woche zu der seltenen Situation kommt, dass der Bundesligist den unterklassigen Gegner das Spiel machen lässt und aus der sicheren Abwehr heraus die berühmten “Nadelstiche” setzt. Die Konteranfälligkeit des Gegners spricht dafür, ebenso die Favoritenrolle, die in diesem Jahr ungewohnt sein dürfte. Setzen sich die Mängel der Leipziger fort, könnte es eine klare Angelegenheit für Augsburg werden.

Chancenlos sind die Leipziger jedoch mitnichten. Gegen höherklassige Teams kamen die Rasenballer stets besser zurecht, im Pokal sowieso. Die Motivation, auch wenn das keiner zugeben wird, ist in der zweiten Pokalrunde wesentlich größer als gegen die zweite Mannschaft von Sankt Pauli. Besonders viel Selbstvertrauen aus der ersten Runde dürften die Gäste aus Schwaben zudem nicht mitbringen. In Oberhausen gerieten sie zunächst in Rückstand und konnten nach dem Ausgleich erst in der 120. Minute den Siegtreffer erzielen. Mit der Aufgabe, das Spiel gestalten zu müssen, konnte das Team von Jos Luhukay nicht umgehen. Spannend wird also die Frage, wie beide Trainer ihre Teams einstellen.

Mit ähnlicher Spannung wird in Leipzig die Zuschauerzahl erwartet. Trotz des vermeintlich unattraktiveren Gegners und der deutlich niedrigeren Temperaturen läuft der Vorverkauf genau so gut wie im Juli. Man darf also wieder mit rund 30000 Besuchern und packender Pokalatmosphäre rechnen. Es wird auch an den Zuschauern liegen, für Stimmung zu sorgen. Denn angesichts der Ausgangssituation erwarte ich ehrlich gesagt keinen fußballerischen Leckerbissen. Ein umkämpftes Spiel mit wenigen Torszenen und einem knappen Ausgang, womöglich sogar einer Verlängerung halte ich für sehr wahrscheinlich. Allerdings lasse ich mich gerne eines besseren belehren.

RB Leipzig zumindest gibt sich schon wieder kampfeslustig. In der Innenstadt wurden Augsburger Pokalschlappen verteilt.

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