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Mit dem Sonderzug auf die Ehrenrunde

Etwa zwei Drittel des gut gefüllten Gästeblocks in Kiel

Beginnen wir sportlich und beginnen wir positiv: Leipzig hat nicht mit 5:1 verloren. Die rechnerische Aufstiegschance ist noch da und ja, Peter Pacults Aussage, die erste Halbzeit sei “das beste gewesen, was die Mannschaft dieses Jahr auswärts gespielt hat”, ist teilweise nachvollziehbar. Aber damit hört es eben auch auf.

Nach dem Spiel: Kiel feiert, Leipziger konsterniert

Nach 90 Minuten im prall gefüllten Kieler Holsteinstadion war auch das zweite von drei Spitzenspielen der Saison verdient mit 0:1 verloren. Die Kieler jubelten und für Leipzig sind so nun auch die letzten realistischen Chancen verspielt, im zweiten Anlauf in die dritte Liga aufzusteigen. Dabei entschieden an der Ostseeküste die im gesamten Saisonverlauf beobachteten Schwächen. Das Mittelfeld fand keine Mittel gegen die immer wieder starken Spieleröffnungen der Kieler, verhinderte im Gegenzug vielversprechende Situationen durch ungenaue Abspiele, technische Schwierigkeiten bei Ball-An- und -mitnahme brachten den Gegner immer wieder ins Spiel, die defensiv schwache Außenbahn verunsicherte das Team und letztlich fehlte wie so oft die letzte Konsequenz vor dem Tor. Alles bekannte Baustellen. Auch das Spielsystem wirkt wie “schnell den Ball nach Außen spielen und dann mal schauen”. Unkreativ, planlos, zu schlecht für Gegner wie Kiel, das durchaus höher hätte gewinnen können.

Doch trotz der begrabenen Aufstiegshoffnungen war die Partie im hohen Norden nicht kompletter umsonst. Über 600 mitgereiste Fans demonstrieren, dass zumindest die Fankultur auf dem richtigen Weg ist. Zum Vergleich: Zum letzten Auswärtsspiel in Kiel kamen damals ca. 25 Leipziger mit. Die Stimmung im mit 500 Mann voll besetzten Fanzug war prächtig, die Unterstützung im Gästeblock lautstark. Und, das muss an dieser Stelle auch mal erwähnt werden, um Welten kreativer als die der Gastgeber, die nicht viel mehr zu bieten hatten als die beiden Fangesänge “Holstein Kiel” und “Scheiß Red Bull” und auch erst nach dem Führungstreffer halbwegs laut wurden. Die Reise mit einem Sonderzug, wenngleich durch die Unterstützung des Vereins begünstigt, ist eine neue Qualität der Fanszene und ist nach nur drei Jahren Vereinsbestehen durchaus beachtlich. Besonders schön dabei: Die Atmosphäre war jederzeit friedlich und sportlich.

Schlechtes Foto von der Invasion der Leipziger am Kieler Hauptbahnhof

Stimmen, dass die Reise umsonst war, konnte man nicht finden. Vielmehr entstand das Gefühl, dass die gemeinsame Zugfahrt und das geteilte Leid (wobei “nicht aufsteigen” leiden auf hohem Niveau ist) die Fangemeinschaft weiter zusammengeschweißt hat. Das zeigt sich auch dran, dass es nach dem Ende des Spiels keine Pfiffe gegen die Mannschaft gab, sondern vielmehr Applaus als sich Kapitän Daniel Frahn als Reaktion auf die Schmährufe der Kieler Fans stolz auf sein Wappen schlug und dem Anschein nach beim Gang in die Fankurve den Tränen nah war. Er ist einer derjenigen, denen man das abkauft. Und auch wenn das nach Zweckoptimismus klingt – diese Fanentwicklung ist positiv und macht Hoffnung, dass auch die Unterstützung in der dritten Regionalliga-Saison nicht wegbröckelt.

Der kommende Sommer dürfte somit äußerst interessant werden. Bleibt Trainer Pacult? Oder kommt im vierten Jahr der vierte Trainer(stab)? Wie sieht der Kader 2012/13 aus? Kommt Kontinuität in den Kader oder gibt es erneut den großen Umbruch? Setzt man bei eventuellen Neueinkäufen auf Jugend oder Erfahrung, auf Bundesliga- oder Regionalliga-Erfahrung?  Wie kommuniziert man das zweite Scheitern den Fans? Wie groß wird der Druck aus Fuschl am See? Und wie wird die Ursachenforschung in der sportlichen Leitung aussehen? Meine persönlichen Ansichten dazu (bis auf die meiner Meinung nach suboptimale Kaderplanung) hebe ich mir mal für das Ende der Saison auf.

Sicher ist nur: Einfacher wird das Aufsteigen nach der Regionalligareform nicht. Aber andererseits… als RB Leipzig das letzte Mal mit Zwickau, Auerbach, Lok und (evtl.) Bautzen in einer Liga gespielt hat, verlief die Saison nach Plan.

Schnelldurchlauf

Viel passiert, viel zu erzählen, aber deshalb auch viel zu tun! Für meine Blog-Abstinenz versuche ich jetzt etwas zu entschädigen, indem ich einfach alle Themen, über die ich normalerweise einen eigenen Beitrag geschrieben hätte, jetzt kurz zusammenfasse. Das erspart euch auch die vielen lästigen Details. An den passenden Stellen verlinke ich wieder auf meine Satire-Beiträge, die bei mephisto97.6 im “Nachschlag” liefen. Und los geht’s:

Christian Wulff tritt zurück

Das war überfällig! Die “Causa Wulff” hat genervt wie kaum ein zweites Thema. Daran waren die Medien ebenso sehr schuld wie der Ex-Bundespräsident. Ich frage mich sowieso, weshalb sich in der Berichterstattung alle auf den Niedersachsen stürzten, anstatt mal ernsthaft zu thematisieren, welchen Anteil Angela Merkel an der ganzen Geschichte trägt. Schließlich setzte sie Wulff mit aller Gewalt durch, obwohl ihm schon 2010 viele das höchste deutsche Amt nicht zutrauten. Auch aus den eigenen Reihen übrigens, sonst hätte er sich wohl nicht erst im dritten Wahlgang durchgesetzt. Mit Köhler und Wulff hat Merkel die beiden farb- und profillosesten Präsidenten aus dem Hut gezaubert .

Ob Christian Wulff nun ein gestörtes Unrechtsverständnis oder flexible Moralvorstellungen hat, wird jetzt die Staatsanwaltschaft klären. Ich weiß nicht, was ich für einen Bundespräsidenten unwürdiger fände. Für ihn selbst stellt sich jetzt die Frage, wie es nach seinem Rücktritt weitergeht. Sucht er den Weg in die Wirtschaft? Was er auf jeden Fall sucht, ist der Weg zum Arbeitsamt. Wir haben diese Szene einmal nachgestellt:

Ehrenwert übrigens: Bis zuletzt hatte Christian Wulff noch einen tapferen Fürsprecher – Peter Hintze. Oder wie wir ihn nannten: Der letzte Mohikaner, der mit dem Wulff tanzte. Entstanden am Tag vor, gesendet am Tag des Rücktritts:

Joachim Gauck wird neuer Bundespräsident

Für jeden normalen Regierungschef wäre diese Entscheidung unter den gegebenen Umständen die endgültige Bankrotterklärung gewesen. Aber Angela Merkel ist kein normaler Regierungschef. Ob es daran liegt, dass politische Kehrtwenden mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden sind, oder dass sie nach sieben Jahren an der Spitze des Kabinetts einfach keine Konkurrenz mehr in den eigenen Reihen hat, weiß ich nicht. Aber auch aus diesem neuerlichen Kurswechsel oder Fehlereingeständnis, oder wie man es nennen möchte, wird sie unbeschadet hervorgehen. Ein Phänomen.

Ich freue mich darüber, dass die Entscheidung für Gauck gefallen ist, ich finde es aber traurig, wie sie gefallen ist. Rot-Grün haben ihn benutzt, um der Regierung die lange Nase zu zeigen, Philipp Rösler hat ihn benutzt, um sich endlich mal durchzusetzen und irgendwie ein paar Prozentpunkte zu sammeln (notfalls auf Kosten der Koalition) und Merkel hat ihn letztlich benutzt, um sich als rational-pragmatisch zu geben und den überparteilichen Präsidenten zu finden. Alles unter dem Vorwand, Gauck sei der geeignetste Kandidat und man wolle Parteiinteressen hinten anstellen.

Jetzt ist es noch keine Woche her, dass der DDR-Bürgerrechtler als Kandidat benannt wurde, erst in drei Wochen wird er gewählt – und trotzdem zerreißen sich schon wieder alle die Mäuler über ihn. Die einen loben ihn als den Heilsbringer, die anderen sehen ihn als rückwärtsgewandten Konservativen. Ich persönlich erhoffe mir von ihm weder das eine, noch befürchte ich das andere. Ich erwarte nicht, dass ich seine Meinung immer teile, aber ich erwarte, dass er eine Meinung hat und diese auch äußert. Aber lassen wir ihn erst einmal ins Amt kommen.

Auch die Gauck-Mania durfte ich satirisch aufarbeiten. Gestern lief in unserer Sendung ein Korrespondentengespräch mit Uli Dorfdepp. Es begann mit der Frage – sie fehlt im folgenden Beitrag, weil live gestellt – “Wie wurde denn die Entscheidung für Gauck in Berlin und in Deutschland aufgenommen?

RB Leipzig vs. SV Wilhelmshaven 8:2

Was für ein Spiel! Der höchste Sieg der Vereinsgeschichte bei spitzenmäßigem Wetter war der optimale Auftakt in das Fußballjahr 2012. Neuzugang Roman Wallner feierte einen denkwürdigen Einstand mit drei Toren, Tomasz Wisio dürfte Umut Kocin dessen Rückkehr nach der Verletzungspause schwer machen und auch Hoheneder wirkt wie eine gute Ergänzung für die Innenverteidigung. So ein hoher Sieg war nötig, um mal ein Zeichen zu setzen – man darf ihn aber nicht überbewerten. Nach dem Rückstand war Wilhelmshaven kaum noch auf dem Platz und über die gesamten 90 Minuten hatte Leipzig so viel Platz wie wohl nie wieder in dieser Saison. Schon morgen muss diese Leistung beim TSV Havelse bestätigt werden. Dass die spielerische Qualität endlich ansehnlich war, dass endlich mal ein Tor nach einer Ecke fiel und dass endlich auch ein Konter erfolgreich zu Ende gespielt wurde, macht Hoffnung. Allerdings war das erste Pflichtspiel des Jahres alles andere als eine Standortbestimmung. Die folgt erst in der anstehenden englischen Woche bei Havelse, Zwickau und gegen Lübeck.

René Adler wechselt (voraussichtlich) zum HSV

Darüber würde ich mich gerne freuen. Immerhin wechselt einer meiner Lieblingstorhüter – und auch noch ein Leipziger! – zu meinem Lieblingsverein. Allerdings habe ich noch einige Bedenken. Nur Ralf Fährmann und Markus Pröll kommen an die Verletzungsanfälligkeit von Adler heran. Noch einen Leistungsträger, der permanent verletzt ist, kann sich der HSV wirklich nicht leisten. Und wenn man sich die Invalidenliste des HSV der letzten Jahre anschaut, gibt es sehr viele Orte, an denen man besser gesunden kann als Hamburg…

Außerdem macht Jaroslav Drobny nach Startschwierigkeiten mittlerweile einen guten Job. Er müsste dann definitiv gehen. Ob sich das unbedingt positiv auf seinen Kopf uns eine Leistungen auswirkt, darf man bezweifeln. Er wäre dann zudem ein weiterer dieser Sinnlostransfers des HSV. Als potenzieller Stammtorwart wurde er an der Alster zur Nummer zwei hinter Frank Rost degradiert, lag dem Verein, ohne Leistung zeigen zu können, auf der Tasche und verlor gleichzeitig an Spielpraxis und Form. Kommt jetzt Adler, würde er sich nach nur einem halben Jahr in annähernder Normalform wieder verabschieden. Alles sehr unglücklich.

Weitere Themen

Ein Aufreger-Thema im Februar war die gescheiterte Syrien-Resolution der Vereinten Nationen. Russland und China hatten sie im Sicherheitsrat blockiert. Anschließend reiste Russlands Außenminister Lawrow nach Syrien, um zu verhandeln. Das Protokoll des Treffens mit dem anschließenden russisch-syrischen Resolutionsentwurf liegt uns vor:

Schließlich begleitete uns mal wieder der Verfassungsschutz. Diesmal ging es darum, wieso er 27 Bundestagsabgeordnete der Linken beobachtet, aber zehn Jahre nichts vom NSU wusste oder nichts gegen ihn unternahm. Darüber wurde bei Günther Jauch diskutiert und da gab es nur eine einzige Frage:

Mein nächster Beitrag kann hoffentlich wieder ein einziges Thema etwas ausführlicher behandeln. Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim Anhören!

Zwei Neue, wenig Neues

RB Leipzig beim Training, 18.01.2012

Testspiel: RB Leipzig vs. Eintracht Trier 2:2

Seit zehn Tagen befindet sich der Regionalligist RasenBallsport Leipzig wieder im Training. Auf dem Vorbereitungsplan zur Rückrunde der angestrebten Aufstiegssaison stand heute das Testspiel gegen den Tabellenzweiten der Regionalliga West, Eintracht Trier. Eine erste sogenannte Standortbestimmung, bevor es nächste Woche ins Trainingslager in der Türkei geht.

Gutes Zuschauerinteresse beim Testspiel gegen Trier

Gut 500 Zuschauer sahen im Trainingszentrum am Cottaweg bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt kein mitreißendes, aber ein abwechslungsreiches Spiel. Peter Pacult ließ sein Team in einer 4-2-3-1-Formation auflaufen, stellte zur Halbzeit auf das gewohnte 4-4-2 um. Das offensive 3-4-3 mit hängender Spitze vom Testspiel gegen Eilenburg dürfte somit ein einmaliges Experiment gewesen sein. Nach der typischen ersten Unsicherheit in der Abwehr, die fast zum frühen Rückstand geführt hätte, kam RB besser ins Spiel, kontrollierte die Partie, ohne jedoch große Torgefahr auszustrahlen. Durch einen Elfmeter in der 30. Minute (herausgeholt von Rockenbach, sah aus 50 Meter Entfernung mit Publikum im Blickfeld eher nach Ecke als nach Strafstoß aus) ging Leipzig den Spielanteilen entsprechend in Führung – Frahn netzte knapp unter die Latte ein. Nun war der Gastgeber besser im Spiel und erhöhte fünf Minuten später nach einer sehenswerten Kombination auf 2:0. Torschütze erneut Frahn, der mal wieder eine Röttger-Flanke per Kopf verwertete.

In der Pause wechselte Pacult sieben neue Spieler ein und den Spielfluss aus. RB hatte weiterhin mehr Ballbesitz, kam jedoch gegen die zweitbeste Abwehr der Regionalliga West nur selten gefährlich vors Tor. Schulz scheiterte alleine vorm Torwart, ein abgefälschter Rost-Freistoß landete knapp neben dem Tor und ein Kopfball vom Abwehrchef Hoffmann konnte nach einer Ecke geklärt werden. Stattdessen kam jetzt Trier ein ums andere Mal vor Ersatztorwart Bellot zu Chancen. Eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff fiel folgerichtig das obligatorische Freistoß-Gegentor – diesmal allerdings per Kopf und nicht direkt über die Mauer. Nur wenige Minuten später kam Bellot nach einer Fehlabstimmung in der Abwehr nicht energisch genug aus dem Tor. Der Ausgleich der Gäste fiel denkbar einfach. Es blieb beim 2:2. Beide Teams befinden sich mitten in der Vorbereitung und hatten vor dem Spiel noch Trainingseinheiten. Vor diesem Hintergrund können beide Trainer mit der Leistung und vor allem dem Einsatz ihrer Teams zufrieden sein.

Abwehrspieler Christian Müller (links) und Marcus Hoffmann im Zusammenspiel

Das Testspiel sah aus wie die meisten Auftritte der “Roten Bullen”. Große Veränderungen oder Verbesserungen in der Spielanlage waren – verständlicherweise – noch nicht zu erkennen. Allenfalls könnte man mutmaßen, dass Pacult angeregt hat, die Bälle öfter mal prallen zu lassen. Trotzdem lassen sich einige Erkenntnisse ziehen. Der wiedergenesene Pekka Lagerblom besetzte mit Henrik Ernst das zentrale Mittelfeld und dürfte mit dieser Leistung das Leben für Bastian Schulz schwer machen.  Auch wenn sich Ernst zwei, drei Ungenauigkeiten leistete, wirkte diese Kombination wesentlich präsenter, stabiler und gefährlicher als das Paar Rost/Schulz in Halbzeit zwei. Marcus Hoffmann dürfte in der Rückrunde der Abwehrchef werden, als der er geholt wurde. Er spielte heute durch, gab viele Kommandos und sollte somit gesetzt sein. Tom Geißler spielte 45 Minuten lang auf der Position des Spielmachers – und wohl im Saisonverlauf keine Minute länger. Er zeigte sich gewohnt zweikampfstark und einsatzwillig, ließ aber zu oft die Übersicht vermissen. Verwunderlich, dass Pacult nicht Rockenbach auf die “10″ stellte. Für Carsten Kammlott wird die Luft dünner. Auch heute bewies er zwar erneut, dass er pfeilschnell ist, rannte sich aber wie üblich auch Mal für Mal fest, anstatt das Abspiel oder den Torabschluss zu suchen. Lange war er trotzdem Publikumsliebling, doch nach den Kommentaren der Zuschauer zu urteilen, bröckelt auch dieser Status. Dazu dürfte auch sein Interview vom vergangenen Freitag beigetragen haben. Sollte Roman Wallner kommen, wonach es nach Guido-Schäfer-Berichten ja aussieht, dürfte sich Kammlott wohl verabschieden.

Am meisten dürfte Peter Pacult das Auftreten seiner beiden Probespieler interessiert haben. Die beiden Außenverteidiger Andreas Dober (25, Österreicher) und Nejc Skubic (22, Slowene) spielten jeweils eine Halbzeit auf der rechten Seite und präsentierten sich ordentlich. Dober begann in der Startformation und zeigte sich besonders im Offensivspiel engagiert, wirkte in seinem Spiel jedoch dem etatmäßigen Rechtsverteidiger Müller sehr ähnlich. Skubic dürfte Pacult mit seiner Leistung eher überzeugt haben. Nach einigen Anfangsschwächen fand er gut in die Partie, wurde oft gesucht und zog ein schönes Kurzpassspiel an der Seitenlinie auf. Keiner der beiden drängte sich übermäßig auf, solide wären sie wohl dennoch beide und von der Spielweise bereichernd könnte der junge Slowene sein. Pacult dürfte ein Interesse daran haben, diesbezüglich eine Entscheidung zu treffen, bevor die Mannschaft ins Trainingslager fliegt. Ein erster Transfer könnte also unmittelbar bevorstehen.

Viele dramatische Erkenntnisse gab es also erwartungsgemäß noch nicht. Mit den wieder einsatzfähigen Lagerblom, Watzka und Rosin erhöht sich im Mittelfeld der Konkurrenzdruck, in der Türkei sollte die Mannschaft noch besser zueinander finden und die Abstimmung in der Abwehr ist nach wie vor ausbaufähig. Das nächste Testspiel findet bereits am Samstag gegen den österreichischen Viertligisten Schwadorf statt, anschließend geht der Flieger nach Belek. Nach der natürlich nicht überzubewertenden ersten Hälfte der heutigen Partie darf man optimistisch sein, dass RB Leipzig nach den noch dreieinhalb Wochen Training gut vorbereitet in den Aufstiegskampf gehen kann.

Schlagzeilensintflut

21. November 2011 5 Kommentare

Irgendetwas lag an diesem Wochenende über Deutschland in der Luft. Wie sonst ließe sich dieser verrückte Fußball-Spieltag erklären, der ligaübergreifend noch länger in Erinnerung bleiben dürfte? Die aktuelle Dürreperiode über Mitteleuropa, die die Hirne der Sportler austrocknet? Der Dauernebel, der ihre Sinne trübt? Oder war es die Angst vor Aufmerksamkeitsverlust angesichts der noch verrückteren weltpolitischen Lage?

Eine kurze Zusammenfassung der letzten beiden Tage, damit alle auf dem gleichen Stand sind:

  • An der alten Försterei wird das Spiel zwischen Union Berlin und Fortuna Düsseldorf mit 30 Minuten Verzögerung angepfiffen, da die Gäste so lange im Stau standen.
  • Anhänger von Hansa Rostock zündeln nicht im eigenen Block mit Pyrotechnik herum, sondern feuern die Raketen direkt in den Block der Gäste aus Hamburg Sankt Pauli.
  • Werder Bremen verliert insgesamt 0:9 (Gladbach-Bremen 5:0 und BremenII-Aalen 0:4).
  • Jena bekommt nicht weniger als drei Strafstöße zugesprochen und schlägt Bielefeld mit 4:3 .
  • Freiburg gleicht in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen Berlin aus – nachdem bereits zuvor der sicher geglaubte Ausgleich lange nach dem Torjubel annulliert wurde.
  • Wolfsburg schießt vier Tore, zwei davon macht “Brazzo”, eins Chris, die beide zuvor in der Liga nie für den VfL getroffen hatten.
  • Hannovers Ya Konan fliegt mit rot vom Platz, nachdem er aus 15 Metern den Ball gezielt per indirektem Pass einem Gegner an den Kopf wirft.
  • In allen vier Samstag-Nachmittag-Partien fielen vier oder mehr Tore.
  • Frankfurt besiegt Aachen mit 4:3. Dabei fallen zwei Tore in den ersten und fünf in den letzten zwölf Minuten.
  • Auch Aue lacht zuletzt. In der Nachspielzeit gelingt der Siegtreffer im Sachsenderby bei Dynamo Dresden.
  • In der Regionalliga Nord sorgten die Ergebnisse des Spieltags dafür, dass der Abstand zwischen dem Dritt- und dem Viertplatzierten (11 Punkte) größer ist als der zwischen dem Vierten und dem Letzten (10 Punkte).
  • Schließlich überschattet der erschütternde Selbstmordversuch des Schiedsrichters Babak Rafati den Spieltag.

Und dann hat ja noch Dortmund bei den Bayern gewonnen. Die armen Zeitungsredakteure müssen doch verzweifeln. So viele Ereignisse, die ihre eigene Schlagzeile wert wären, womit macht man dann auf? Diese Frage dürfte sich allerdings leichter beantworten lassen als die, weshalb so viele sonderbare Dinge so oft innerhalb so kurzer Zeit passieren. Oder wieso es uns so vorkommt.

Nächste Woche stehen mit Gladbach-Köln, Dortmund-Schalke und HSV-HSV drei Derbys auf dem Spielplan. Die werden dann bestimmt total langweilig.

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Wer nicht wagt…

12. November 2011 1 Kommentar

Ukraine – Deutschland 3:3

Ende 2009, wenige Monate vor der Kadernominierung zur Weltmeisterschaft in Südafrika, stellte Joachim Löw das Spielsystem der deutschen Nationalmannschaft in einem Testspiel gegen den späteren Gastgeber um. Das Experiment damals lautete 4-2-3-1 mit dem jungen Özil erstmals auf der Spielmacherposition. Gestern testete die DFB-Elf erneut kurz vor der Kaderbenennung gegen den künftigen EM-Gastgeber Ukraine und wieder stellte Löw das System um. Der will doch wohl nicht…?

Alle Augen richteten sich zunächst auf das Kreativ-Duo Götze/Özil (“Gözil”), das erstmals gemeinsam agieren durfte. Schnell wanderten die Blicke jedoch von der Offensive in die Defensive. Löw stellte in der Abwehr erstmals eine Dreierkette auf. In der Nationalmannschaft hatte das zuletzt Rudi Völler getan. Das neue 3-5-2-System bereitete den Spielern lange Zeit sichtlich Probleme. Abstimmung und Raumaufteilung fehlten; die berühmten “Automatismen” eben. Besonders bei Kontern der Ukrainer offenbarten sich die riesigen Lücken im deutschen Defensivverbund. Die kannte man zwar schon vorher, aber dass zwei Gegentore hintereinander nach eigenen Eckbällen fallen, war dann doch neu.

Aufgrund der drei Gegentore in der ersten Halbzeit und den ausbleibenden Glanzmomenten von “Gözil” sehnte sich ARD-Kommentator Steffen Simon schon in der Pause das alte System zurück. Ich finde jedoch, man sollte hier nicht vorschnell urteilen. Denn betrachten wir mal die Argumente, die für Löws neue Formation sprechen: Spielt Philipp Lahm links, fehlt auf der Rechtsverteidiger-Position eine gleichwertige Besetzung. Anstatt sich mit halbgaren Lösungen wie Boateng, Höwedes oder Träsch zu plagen, hat es durchaus Sinn, auf den vierten Abwehrmann zu verzichten. Gute Innenverteidiger für die Dreierkette gibt es mit Hummels, Badstuber, Mertesacker oder Boateng genügend. Dass gestern die “Automatismen noch nicht griffen”, kann man dem Team kaum vorwerfen, da es vorher so noch nicht wirklich trainiert wurde. Auch offensiv ist das 3-5-2 eine Überlegung wert. Sollten Götze und Özil zusammen funktionieren, wäre es perspektivisch gesehen fahrlässig, einen der beiden auf der Bank zu lassen. Kommt das deutsche Offensivpotenzial zur Entfaltung, ist jeder Gegner schlagbar.

Dass Deutschland in Kiew kein offensiv-kreatives Feuerwerk abbrannte, liegt auch nicht nur am System. Gegen Ukrainer, die gefühlte 80 Prozent des Spiels mit zehn Mann hinter dem Ball verbrachten, hätte sich wohl jeder Gegner mit jeder taktischen Formation schwer getan. Nicht zu Unrecht sagte Lukas Podolski anschließend, man habe am Ende “gegen 15 bis 20 Ukrainer gekämpft”. Dass den Gästen trotzdem drei Tore gelangen und ihnen ein klarer Strafstoß verwehrt bliebt, ist daher schon eher als Erfolg zu werten. Wenn es Löw gelingt, die Defensive zu ordnen und Götze/Özil sich aneinander gewöhnen, kann Deutschland mit diesem System sehr gefährlich werden.

Und dennoch spricht viel dafür, dass wir das 3-5-2 zumindest in Pflichtspielen so schnell nicht wiedersehen. Zumindest nicht als Startaufstellung. Zu gut harmonierten die Adlerträger vorher und zu wenig Handlungsbedarf herrscht akut. Gut und sinnvoll war dieses Experiment trotzdem. Die Mannschaft wird dadurch noch vielseitiger und für den Gegner unberechenbarer. Man muss als Nationaltrainer hin und wieder auch Mut beweisen und langfristig denken. Da sollte auch ein 3:3 in der Ukraine mal erlaubt sein.

Die Spieler in der Einzelkritik

Ron-Robert Zieler: Erwischte ein äußerst undankbares Debüt. An allen drei Gegentoren schuldlos, rette nach der Pause zweimal stark. (Tim Wiese hätte das zweite Tor wohl verhindert, wäre dabei allerdings vom Platz geflogen…)

Jerome Boateng: Wie immer grundsolide. Schaltete sich auffällig oft ins Offensivspiel ein, wirkt nach hinten jedoch oftmals ungelenk und pomadig.

Holger Badstuber: Wie seine Kollegen mit Abstimmungsproblemen bei Kontern, sonst kaum gefordert.

Mats Hummels: Leitete das 0:2 ein, bereitete jedoch auch das 2:3 vor und zeigte sich bei Standards durchaus torgefährlich. Einige unnötige Fehlpässe, sonst aber auch kaum gefordert. Im DFB-Trikot nicht ausgerutscht.

Christian Träsch: Zunächst mit vielen Ballkontakten, bemüht sich einzubringen. Fiel jedoch vor allem durch schlechte Flanken und Fehlpässe auf. Nach 45 Minuten war zu Recht Schluss.

Toni Kroos: Bestätigte seine gute Form.

Sami Khedira: Zweikampfstark und ordnend im Mittelfeld, offensiv mit einigen guten Dribblings, allerdings ohne Durchschlagkraft und Präzision.

Dennis Aogo: Spielte sich wohl endgültig aus dem EM-Kader. Defizite in der Abwehrarbeit, nach vorne harmlos, keine Flanke fand ihr Ziel. Spielte wohl nur mangels Alternativen durch.

Mario Götze: Oft angespielt, engagiert. Deutete einige Male seine Klasse an, blieb jedoch ohne Glanzmomente. Beim ersten Gegentreffer im eigenen Strafraum unglücklich.

Mesut Özil: Ähnlich wie Götze. Nutzte die 66 Minuten Einsatzzeit, um sich an seinen neuen Kreativkollegen zu gewöhnen. Holte sich viele Bälle tief in der eigenen Hälfte.

Mario Gomez: Kam überhaupt nicht zum Zug. Hatte es im Sturmzentrum gegen viele Ukrainer schwer, sich durchzusetzen, bekam wenige Bälle.

André Schürrle (45. für Träsch): Belebte die rechte Seite sofort. Nach starker Anfangsphase auf der Außenbahn jedoch oft vergessen worden. Rettete einmal im Strafraum klasse.

Simon Rolfes (45. für Khedira): Ersetzte Khedira gleichwertig, war sofort im Spiel und schoss das 2:3. Immer anspielbar und sehr präsent.

Lukas Podolski (66. für Özil): Sehr agil, dribbelte sich jedoch einige Male fest, im Abschluss ungefährlich und oft geblockt.

Thomas Müller (66. für Götze): Seit längerem mal wieder zentral eingesetzt. Trotzdem oft auf den Außen zu finden. Lief viel, half hinten gut mit aus und erzielte (etwas glücklich) den Ausgleich.

Cacau (83. für Gomez): Ein guter Fernschuss, für mehr reichte es in der kurzen Einsatzzeit nicht.

Lars Bender (87. für Kroos): Ohne echte Bewertung. Allerdings beim ukrainischen Konter kurz vor Schluss nicht schuldlos.

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