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Archiv für die Kategorie ‘Film und Fernsehen’

Roche & Böhmermann

5. März 2012 1 Kommentar

Warum eigentlich nicht im Hauptprogramm?

Ein altmodischer Programmsprecher kündigt mit gerahmter Brille, klobigem Mikrofon und Notizen auf A4 die neue Talkshow des ZDF an. Das Set ist eine Stilmischung aus “Dr. Strangelove”, “Edgar Wallace” und Film Noir. Alles an dieser Sendung ist bewusst “retro” gehalten – es darf sogar getrunken und geraucht werden. Und doch ist “Roche & Böhmermann” eins der modernsten, weil unkonventionellsten Formate der letzten Jahre.

Auf dem versteckten Experimentierkanal zdf.Kultur führen, wie der Name schon sagt, Charlotte Roche und Jan Böhmermann durch die Talkstunde. Charlotte Roche ist Bestsellerautorin und, wenn sie nicht gerade schreibt, eine durchaus angenehme Moderatorin. Jan Böhmermann ist vor allem aus der “Harald Schmidt Show” bekannt, hat aber auch in Eigenregie erfolgreiche Comedy- und Satireprogramme gestaltet und prägte das vermeintliche Podolski-Zitat “Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel”. Eine schlagfertige und trinkfeste Kombination.

Interessant ist am Konzept der Sendung nicht nur, dass die Moderatoren regelmäßig für Lacher sorgen, dass die Regie statt über Knöpfe im Ohr per Zettel mit ihnen kommuniziert, dass es einen Knopf zum selbst-zensieren gibt und dass sie offen den “Wunderbaum”-Konsum ihrer Gäste vor der Sendung ansprechen. Interessant ist vor allem, dass es kein Thema gibt. Alles, was vorher feststeht, sind die fünf Gäste. Die werden über die Stunde verteilt vorgestellt (mit großartigen Einspielern!) und dann wird über die Aspekte des Gastes gesprochen, die die Runde spannend findet. Weder entstehen so die mitunter nervtötenden Wortgefechte einer politischen Talkrunde, noch sind die Gäste hauptsächlich der Promotion ihres neuen Werkes wegen im Studio. Die Persönlichkeiten bestimmen die Sendung.

Und die waren in der ersten Ausgabe mit Sido, Jorge Gonzalez, Marina Weisband, Britt Hagedorn sowie Türsteher und Fotograf Sven Marquart zwar nicht besonders ausgefallen, sorgten aber dennoch für genügend Gesprächsstoff: Von Anti-Atomkraftbewegung und Ökostrom über Drogenkonsum, Parteigeschichten und Trash-TV bis hin zu der Geschichte, dass Sven Marquart einst Sido den Zutritt zu seinem Club verweigerte, war ein breites Spektrum an Themen abgedeckt, die angeregt und pointiert diskutiert wurden.

Reden, wie einem die Schnauze gewachsen ist. Ohne Angst vor Schleichwerbung, jugendgefährdenden Inhalten oder beleidigten Gästen. Das ist “Roche & Böhmermann”. Erfrischend, unterhaltend und trotz humoriger Aufbereitung nicht platt und niveaulos. Eine der wenigen Schwächen der Show wurde bereits im Abspann aufgearbeitet. Jan Böhmermann war etwas zu sehr auf Krawall gebürstet. So verweigerte er beispielsweise der Sat.1-Moderatorin Britt eine vielversprechende Antwort. Seine provozierenden Fragen taten der Sendung gut, mit der Zeit übertrieb er es jedoch ein wenig. Wenn er das etwas zurück fährt, die Diskussionen noch mehr an Tiefe gewinnen und die Gäste facettenreich genug bleiben, kann aus dem neuen zdf.Kultur-Format eine erfolgreiche Reihe werden. Qualität und Potenzial sind vorhanden.

Das gilt im Übrigen auch für die zdf.neo-Sendung “Stuckrad Late Night” mit Benjamin von Stuckrad-Barre und mit Abstrichen auch für Joko&Klaas’ “neoParadise”. Es ist schade, dass das ZDF drei seiner vielversprechendsten Sendungen auf den kaum beachteten Digitalkanälen versteckt. Natürlich ergeben sich durch die geringe Aufmerksamkeit mehr Möglichkeiten zum Experimentieren. Aber Sendungen wie diese haben ein größeres Publikum und das Publikum hat mehr Sendungen wie diese verdient. Mit “Pelzig hält sich”, Monika Grubers “Leute, Leute” und der Reihe “ZDFzoom” hat das ZDF bereits mit etwas Mut zum Risiko drei eher ungewöhnliche Sendungen ins Programm geholt. Es wäre wünschenswert, wenn man in Mainz diesen Weg fortsetzen und die eine oder andere Perle aus dem Digital- ins Hauptprogramm holen würde. Mit “Markus Lanz” und der “SOKO Leipzig” fallen mir da auch spontan zwei gute Streichkandidaten ein…

Die erste Ausgabe von “Roche & Böhmermann” gibt es noch sechs Tage in der ZDF-Mediathek zu sehen.

The Ides of March – Tage des Verrats (2011)

Es herrscht Wahlkampf in den USA. Die demokratische Partei befindet sich mitten in den Vorwahlen, die entscheiden, ob Gouverneur Mike Morris (George Clooney) oder Senator Pullman der kommende Präsidentschaftskandidat wird. Mit dem Bundesstaat Ohio steht eine der wichtigsten Abstimmungen unmittelbar bevor. Eine amerikanische Redensart lautet “As Ohio goes, as goes the nation” (“Wie Ohio entscheidet, so entscheidet auch die Nation”), entsprechend angespannt ist Morris’ Wahlkampf-Team rund um Paul Zara (Philip Seymour Hoffman) und Steven Meyers (Ryan Gosling).

Noch liegt der Gouverneur in den Umfragen deutlich vorne, doch auch das Management des Gegners wittert noch seine Chance. Skrupellos buhlt Pullman-Manager Tom Duffy um die Wählerstimmen der Republikaner und die Gunst eines wichtigen aber politisch fragwürdigen Senators. Auch Meyers, der trotz seinen nur 30 Jahren als der beste Medienberater des Landes gilt, bekommt erst einen Anruf von Duffy und anschließend das Angebot, die Seiten zu wechseln. Zeitgleich lässt sich Meyers auf die junge Praktikantin Molly ein. Sowohl sie, als auch das (abgelehnte!) Angebot der Gegenseite bringen Meyers’ Job und Morris’ gesamte Kampagne empfindlich in Gefahr. Hinter der sauberen Fassade entwickeln sich nun komplexe, durchtriebene, dreckige Machtkämpfe, die keinen Platz für persönliche Schicksale kennen.

George Clooney schildert in “The Ides of March – Tage des Verrats” das schmutzige Geschäft der Politik. Von vorne bis hinten vertritt er nur die eine These: Wer es bis ganz nach oben schaffen möchte, muss sich auf das Spiel einlassen. Prinzipien, Integrität und Überzeugungen müssen im Zweifel knallharten Deals weichen. So war Morris beispielsweise zunächst dagegen, Spenden für den Wahlkampf entgegen zu nehmen oder dem genannten Senator für seine Unterstützung einen Kabinettsposten anzubieten. Im Laufe der Zeit muss er eingestehen, dass er es so jedoch nie ins Weiße Haus schaffen wird. Solche Opfer muss ein Präsidentschaftskandidat hinnehmen, auch wenn es eine harte Entscheidung ist. Erst recht für einen Mann wie Morris, der als Saubermann schlechthin gilt, ein neues Wertesystem proklamiert und sich gerne als absolut rational und konsequent darstellt.

Das wesentlich größere Opfer muss jedoch sein Wahlkampf-Manager Meyers erbringen. Auch er war zunächst ein ehrenhafter Mann. Medial zwar mit allen Wassern gewaschen, aber stets fair und kollegial. Die Intrigen, in die er sich verstrickt, bringen ihn jedoch an den Rand seiner Existenz. So sieht er sich gezwungen, den Spieß umzudrehen und seinerseits Leute zu feuern, verraten oder erpressen. Mit der Folge, dass er mit dem Konflikt leben muss, Anstand zu fordern und das Gegenteil zu praktizieren.

Dieses Motiv zieht sich durch den gesamten Film. Clooney inszeniert routiniert-wirksam die Diskrepanz zwischen der (medialen) Fassade und der Wirklichkeit der Strippenzieher im Hintergrund. Da heizt beispielsweise Gouverneur Morris einer Kongresshalle mit wohlgewählten Worten ein, während auf der Rückseite der amerikanischen Fahne Meyers und Zara über den weiteren Verlauf der Kampagne streiten. Es gelingt Clooney sehr gut, diesen Unterschied zwischen vor und abseits der Kamera, zwischen Bühne und Hinterzimmer darzustellen. Ebenso überzeugend sind die schauspielerischen Leistungen von Ryan Gosling und George Clooney, die einen radikalen Persönlichkeitswandel beziehungsweise zwei unterschiedliche Gesichter zeigen müssen. Ryan Gosling entwickelt sich immer mehr zu einem ernst zu nehmenden Darsteller.

Der Stoff an sich ist nicht unbedingt neu. Dass viele politischen Entscheidungen in den Carl-Schmitt’schen “Vorräumen der Macht” entschieden wird, ist bekannt und auch den Verdacht, dass auch die besten Politiker in hohen Ämtern wohl nicht ohne Fehltritte sind, äußert Clooney nicht als Erster. Schließlich wirkt auch die politische Erziehung, die der Regisseur über Gouverneur Morris praktiziert, etwas übertrieben. Ähnlich wie bei “Fair Game” scheint Hollywood der Meinung zu sein, Amerika habe das nötig. Wer mag es ihnen verdenken. Die Entscheidung, die Handlung in der Partei der Demokraten spielen zu lassen, kommt jedoch nicht von ungefähr. Einerseits behandelt schon das zu Grunde liegende Theaterstück (“Farragut North“) diese Partei, andererseits wird so auch dargestellt, dass auch bei den vermeintlich vernünftigeren Demokraten die Wege an die Macht nicht anders sind als bei den Republikanern.

“The Ides of March – Tage des Verrats” ist ein spannender Polit-Thriller, der zeigt, was Macht mit den anständigsten Menschen anstellen kann. Er ist kein Film von epochaler Bedeutung, aber souverän inszenierte Unterhaltung der anspruchsvolleren Art. Und er hilft dabei, den real anstehenden Wahlkampf in den USA besser zu verstehen. Der Gang ins Kino lohnt sich allemal.

(Trailer)

“Es war keine Beerdigung”

4. Dezember 2011 1 Kommentar

Ein letztes Mal Thomas Gottschalk bei “Wetten, dass…?”

Stehende Ovationen, emotionale Musik, die eine oder andere Träne im Publikum und in großen, leuchtenden Lettern “Danke Thomas”. Es muss ein großer Moment für Thomas Gottschalk gewesen sein, als gestern kurz nach 23 Uhr seine 151. und letzte Sendung Europas größter Unterhaltungs-Sendung, “Wetten, dass…?”, zu Ende ging. Sichtlich gerührt genoss er die letzten Momente einer Show, die gestern eindrucksvoll ihre eigene Unverzichtbarkeit demonstrierte.

Es herrschte ein Hauch von Jahresrückblicks-Stimmung in der Messe von Friedrichshafen. Alle Gäste (natürlich bis auf Til Schweiger und Jessica Biel) brachten Gottschalk kleine Geschenke mit, ehemalige Wettkandidaten waren zu Gast und diverse kurze Rückblicke auf die Höhepunkte der letzten 23 Jahre ergänzten den gewohnten Sendeablauf. Das Abschiedsmotiv zog sich zwar durch den Abend, beherrschte ihn aber nicht. Stattdessen lieferte der Franke eine der unterhaltsamsten Ausgaben seit langer Zeit ab. Lustige, spannende und beeindruckende Wetten waren erneut das Rückgrat der Sendung, aber auch die Gäste trugen entscheidend dazu bei. Mit Günther Jauch, Dirk Nowitzki und Iris Berben waren diese zwar nicht besonders ausgefallen, dafür sah man ihnen an, dass sie gerne auf der Couch saßen. Gottschalk selbst war wie gewohnt in Topform.

In den letzten Jahren waren die Wetten oftmals mau und die Gäste zwar von hoher Prominenz, aber ohne Spaß an der Sendung. Die gestrige Auswahl, von Jessica Biel mal abgesehen, sorgte für einen Abend, der dem ZDF zeigte, dass es sich den Verlust dieses Formats nicht leisten kann. Der Blick auf die Einschaltquoten untermauert diese Tatsache. Fast 15 Millionen Zuschauer, so viele wie sonst nur bei Fußballspielen, sahen Gottschalks Abeschiedssendung. Und bei dieser Qualität dürften auch im kommenden Jahr einige davon wieder einschalten. Auf eine so unterhaltende und in der Fernsehlandschaft einzigartige Show sollte man nicht verzichten müssen. Thomas Bellut sollte also unbedingt versuchen, das Format am Leben zu halten, es gegebenenfalls leicht zu überarbeiten und einen geeigneten Moderator zu finden.

Die Spekulationen darüber wurden gestern wieder angeheizt. Günther Jauchs geniale Cross-Promotion für den heutigen RTL-Jahresrückblick war die bisher positivste Antwort, die jemand auf die Nachfolge-Frage gegeben hat: Er möchte es sich bis zum Abend überlegen und dann mit Gottschalk “in aller Ruhe darüber reden”. Der spontane Beifall des Friedrichshafener Publikums deutet an, dass der Weg mit Jauch für das ZDF ein gangbarer sein kann. Kaum ein deutscher TV-Moderator ist so akzeptiert wie er; dass er nicht nur steifen Polit-Talk kann, hat er bei Übertragungen von Fußballspielen und Skispringen bereits bewiesen und die Produzenten aus Mainz müssten sich auch bei der Ehefrau des Showmasters keinen neuen Namen merken (sowohl Gottschalk als auch Jauch sind mit einer Thea verheiratet). Ob er allerdings neben RTL und der ARD nun für einen dritten Sender arbeiten sollte, ob er nicht etwas zu bieder für eine solche Sendung ist und ob diese Entscheidung unbedingt am Tag nach Gottschalks Abschied getroffen werden sollte, ist jedoch fraglich. Zumal es keine gute Aussage wäre, wenn Jauch ausgerechnet in einem alten Gottschalk-Anzug (Einlösung eines Wetteinsatzes) die Zusage geben sollte.

Fest steht nur, dass sich Thomas Gottschalk spätestens gestern ein Denkmal gesetzt hat. Ob mit Torte, mit überdimensionaler Schneeskulptur, mit Küssen oder mit Wortspielen, auch das Fahrrad habe keinen “Rücktritt” – alle Beteiligten zollten dem Bamberger ihren Respekt oder versuchten ihn doch noch umzustimmen. Ein Zurück kann es nach so einem perfekten und erfrischend unpathetischen Abschied nicht geben, aber eine “Beerdigung” des ganzen Formats war es mitnichten. Was also bleibt, ist die Erinnerung an unzählige Fernsehabende mit vielen überzogenen Minuten mal stärker, mal schwächer, mit bösen Sprüchen und kreativen Wettideen. Und die Hoffnung, dass noch viele weitere folgen. Eine Ära ist zu Ende. Ich hätte nichts dagegen, wenn eine neue folgt.

Fail Blog Schmand Style #2

28. Oktober 2011 2 Kommentare

Mein letzter Artikel über TV-Werbung liegt fast ein Dreivierteljahr zurück. Höchste Zeit, die aktuelle Lage zu analysieren! Heute habe ich mich für drei Kategorien entschieden, in denen mir jeweils zwei Spots bzw. Spotpaare aufgefallen sind.

1. Kategorie: It is Gurken

Schlechtes Englisch in deutschen Werbungen kennen wir nicht erst seit SolarWorld und “Schein, Baby, schein!” Auch Lieder schützen nicht vor deutschem Akzent. Diese Erkenntnis hat uns Somfy schon vor einiger Zeit mit dem nervigen Ohrwurm “It’s so easy, it’s Somfy” gebracht. Nun haben sie ihre Werbung noch einmal perfektioniert. Jetzt singt man dort von einem “Homoschen“.

Kaum besser sind die Sängerinnen, die versuchen, betont englisch zu singen, indem sie beispielsweise Endungen verschlucken oder Vokale unsauber aussprechen. Der Haushaltsgerätehersteller Beko hat für seine aktuelle Werbung einen Song schreiben lassen, der in diversen Ländern Europas in der Landessprache läuft, nur in Deutschland natürlich auf englisch, damit es nicht ganz so bescheuert klingt. Problem an der Sache: Wer die Sprache nicht versteht, fragt sich, was zur Hölle “It is Gurken” bedeuten soll.

Kategorie 2: Kommt mir bekannt vor…

Es folgen zweimal zwei Spots, bei denen es sich lohnt, sie unmittelbar nacheinander anzuschauen.

Weitestgehend bekannt sein dürfte die Kampagne der Ergo Versicherungsgruppe, in der ein Protagonist durch die Gegend läuft und in die Kamera seine Klagen über das Versicherungswesen loswird. Dem Ausgangsspot folgten mittlerweile unzählige weitere. Kürzlich hat sich noch ein zusätzlicher Werbespot dazugesellt. Allerdings mit dem falschen Unternehmenslogo…

Noch lachhafter wird es  für die Commerzbank, wenn man bedenkt, dass ihre Kopie der Hommage an die Ergo-Kampagne quasi nur die Umsetzung einer Idee in dritter Instanz ist. Schließlich hat man sich bei Ergo (bzw. deren Partneragentur) sehr stark von High Fidelity inspirieren lassen.

Im zweiten Beispiel haben die Werber so etwas wie Langzeitgedächtnis bewiesen. In den letzten Tagen läuft im Ersten auf prominenten Werbeplätzen vor der Sport- und der Tagesschau ein groß angelegter Imagespot des amerikanischen Konzerns General Electric, kurz GE, unter dem Slogan “Das GE in Germany”.

Vor genau sechs Jahren gab es so eine Imagekampagne schon einmal. Damals ging es nicht um das “GE in Germany”, sondern um Germany an sich. Die Kampagne trug den Namen “Du bist Deutschland“. Alleine die Machart ist erschreckend ähnlich, wenn auch noch im Rahmen der im Werbebusiness üblichen Nachahmung eines erfolgreichen Konzepts. Richtig peinlich wird es erst bei der Musik, die dem Spot seine Stimmung verleihen soll. Ganz offensichtlich hätte man hier am liebsten die Oscar-nominierte Filmmusik zu Forrest Gump aus dem “Du bist Deutschland”-Spot übernommen. Damit das auch dem letzten klar wird, wurde selbst der gleiche und für das “Forrest Gump”-Thema irgendwie auch charakteristische Tonartwechsel übernommen. Und das gleich am Anfang und nicht erst wie von Alan Silvestri an einem dramaturgisch sinnvollen Zeitpunkt.

Kategorie 3: Oh, Heimatland!

Zum Schluss ein Blick vor die eigene Haustür. Für seine (überregionale) Fernsehwerbung ist der Werbestandort Leipzig nicht wirklich bekannt. Dazu trägt mutmaßlich auch bei, dass hierher nur Spots kommen, die nicht unbedingt dazu animieren, hier entwickeln und produzieren zu lassen. Schade eigentlich. Nun ja. Wenigstens kann man sich drüber lustig machen, dass ein großes Unternehmen wie Unister so geizig ist, dass es für Travel 24 dermaßen billige und schlechte Werbung produzieren lässt. Da haben nicht nur die Figuren im Clip einen schlechten Deal gemacht… (Wobei leider zu befürchten ist, dass die Kampagne trotzdem sehr erfolgreich war)

Mein aktueller Lieblingsspot, der es wahrscheinlich auch bis in alle Ewigkeit bleiben wird, kommt aber vom Leipziger Unternehmen Back&Frost. Jedes Wort ist hier eins zu viel. Zurücklehnen und genießen!

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Eine ganz heiße Nummer (D 2011)

Gut, dass der Papst schon weg ist

Im bayerischen Marienzell nahe Regensburg hat die Wirtschaftskrise zugeschlagen. Die Glashütte, Haupteinnahmequelle des Dörfchens, musste schließen, genau wie praktisch alle anderen Betriebe auch. Maria und Waltraud, zwei Frauen Ende 40, betreiben zusammen mit der jungen Lena einen Lebensmittel-und-Krimskrams-Laden. Als die Bank ihnen mitteilt, den Kredit zu kündigen, stehen auch sie am Rande der Existenz. Doch dann entwickeln die Gemeinde und die drei Frauen zwei recht unterschiedliche Ansätze, den Aufschwung zurück zu holen.

Die erzkatholische Gemeinde bekommt die Nachricht, dass der Regensburger Dom neue Fenster bekommen soll. Also setzen sie alles daran, den Dekan von ihren Entwürfen zu überzeugen und den Auftrag an Land zu ziehen. Maria, Waltraud und Lena setzen auf eine andere Karte. Telefonsex. Zunächst zögernd und nach einiger Eingewöhnungszeit, später dafür umso enthusiastischer erfüllen sie den Männern aus der Region ihre Wünsche. Dabei lernen sie ganz neue Seiten ihrer Persönlichkeit kennen. Anfangs telefonieren sie noch zaghaft in einem Hinterzimmer, kurz darauf bereits mit dem Handy von zu Hause aus, letztendlich sogar mit Headset beim Arbeiten, im Auto und nach dem Gespräch mit Gott in der Kirche. In einem so christlich-konservativen Dorf stößt die neue Einnahmequelle auf wenig Gegenliebe. Folgerichtig kommt die Widersacherin der drei, Gerti (gespielt von der Kabarettistin Monika Gruber), ihnen auf die Schliche.

Zum Beginn der gestrigen Sneak Preview stöhnte das Publikum dreimal auf. Die Ankündigung “In Kooperation mit dem ZDF” sorgte für das erste “Oh nein!”, der bayerische Dialekt der Figuren für das zweite, der Titel schließlich für das letzte. “Eine ganz heiße Nummer” in Verbindung mit Bayern und ZDF lassen erst einmal eine platte Heimatkomödie befürchten. So ganz unrecht hat man damit auch nicht. Aber gestöhnt wurde nach den ersten Minuten nur noch auf der Leinwand.

Markus Goller (“Friendship!”) hat aus dem gleichnamigen Roman von Andrea Sixt einen durchaus unterhaltsamen Kinofilm geformt. Die Charaktere sind zwar nicht besonders ausgefallen, dafür aber sympathisch und vergleichsweise glaubwürdig. In erster Linie punktet der Film durch seine teilweise bösartige politische Inkorrektheit. Da steckt sich der Pfarrer, während er die Beichte abnimmt, mal eben ein paar Münzen aus der Kollekte ein oder der Informationskasten der Kirche wird mit Telefonsex-Plakaten beklebt, denen ein Bildnis der Maria Magdalena als Vorlage gedient hat.

Neben dem traditionellen, abgeschnittenen, ja beinahe inzestuösen Dorfleben muss die Kirche mit Abstand am meisten einstecken. Denn wenn der Film so etwas wie eine Botschaft hat, dann dass konservative Bibeltreue auch keine Lösung ist. Von den überaus schrulligen Geistlichen ganz zu schweigen. In Verbindung mit den deftigen, ganz und gar nicht jugendfreien Dialogen und Pointen wird daraus eine hübsche Komödie, die nicht weiter anspruchsvoll, aber für das Fernsehen zu krass und zu gelungen ist.

“Eine ganz heiße Nummer” läuft am Donnerstag in den Kinos an, bietet nicht unbedingt das bewegende Kinoerlebnis, sorgt aber für gute Laune und Unterhaltung. (Trailer)

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