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Neues aus der Anstalt #21

So war das nicht gemeint!

Das Institut für KMW kommt einfach nicht zur Ruhe. Über zwei Wochen lang im Dezember beschäftigte die “Causa Machill” Studenten, Professoren und Presse. (Bis heute ist nicht ein einziger Tag vergangen, an dem mein Beitrag zu diesem Thema nicht mindestens einmal angeklickt wurde.) Nach einem klärenden Gespräch, aus dem der Professor als Punktsieger hervorging, waren die Sache vom Tisch und halbwegs ruhige Weihnachten durchaus im Bereich des Möglichen. Wäre da nicht diese blöde Hochschulpolitik.

An allen sozialwissenschaftlichen Instituten der Universität Leipzig (offenbar auch an den Fremdsprachen) sollen Mittel gekürzt und Stellen gestrichen werden. Auch die Kommunikations- und Medienwissenschaften sind davon betroffen. Bereits in diesem Semester konnten die Tutorien für die Erstsemester nur durch das Geld eines anonymen Spenders stattfinden. Nun sollen noch im Januar vom Institutsrat weitaus größere Einschnitte beschlossen werden. Eine der beiden Journalistik-Professuren soll komplett gestrichen und durch einen weiteren PR-Lehrstuhl ersetzt werden. Professor Machill würde seinen Lehrstuhl behalten und einen Junior-Assistenten an die Seite bekommen.

Nun sollte man von einem Institut für Kommunikationswissenschaft eigentlich erwarten, dass man derlei Probleme intern lösen kann; dass es zwischen den Professoren geregelte Gespräche, in den entsprechenden Gremien Beschlüsse und am Ende eine verständliche und einheitliche Stellungnahme gibt. Und man geht im naiven Glauben davon aus, dass das “who is who” der deutschen Medienwissenschaft eine anständige Krisenkommunikation auf die Beine stellen kann. Aber das IfKMW wäre nicht “das Original”, wenn es nicht auch hier wieder zu öffentlichen Auseinandersetzungen käme.

Vergangene Woche, am 11. Januar, veröffentlichte die “Journalistik” ein Positionspapier. Darin werden einige Zahlen aufgeführt. Zum Beispiel, dass künftig nur noch 20 statt 44 Master-Studienplätze angeboten werden könnten. Vor allem aber machen die Beteiligten ihrem Frust Luft. Dass die Hörfunk-Ausbildung nun von Professoren, die keine Journalisten sind, ausgeführt würde, geht ihnen gegen den Strich. Ein externes Gutachten wird erwähnt, das sogar eine Aufwertung der Journalistik-Professuren empfiehlt. Lang und breit wird sich darüber ausgelassen, was für Folgen für den deutschen Journalismus und somit die Demokratie unseres Landes die Kürzung in ihrem Bereich hätte, weil Menschen wie Maybritt Illner oder Kristin Otto nicht mehr an der Uni Leipzig ausgebildet werden könnten.

Bei allem Verständnis für die Verärgerung: Ist es wirklich zielführend, ein beleidigtes Positionspapier über die Unigrenzen hinweg zu veröffentlichen, das unter dem Vorwand der Faktennennung eben doch hauptsächlich emotionalisiert? Unter den Professoren habe es für diesen Entschluss nur eine Gegenstimme (Machill) gegeben, im Institutsrat würde er nun einstimmig beschlossen, da der MPA Harvard dort nicht vertreten ist. Hat man sich einmal die Frage gestellt, wieso das so ist? Vielleicht haben die eigenen Kollegen genug von den ewigen Streitereien. Vielleicht ist Professor Machill selbst daran Schuld, dass er bei den Wahlen nur eine einzige Stimme (bei erlaubter Selbstwahl) bekommen hat. Vielleicht hat er es sich mit einigen Leuten verscherzt, die er nun mit seinen durchaus sachlichen Argumenten nicht mehr überzeugen kann. Und vielleicht liegt das auch daran, dass er lieber rechthaberische Positionspapiere schreibt, um seinen Namen zu schützen, als die Dinge intern zu klären, eine Niederlage zu akzeptieren und gegebenenfalls nachträglich zu erläutern, dass er gegen diese Umstrukturierung war, aber aufgrund der Personalkonstellationen nichts daran ändern konnte.

Um eines zu klären: Ich selbst finde die Opferung der Journalistik zugunsten einer weiteren PR-Professur auch äußerst fragwürdig. Unabhängige, kompetente Journalisten sind mir lieber als noch mehr PR-Praktiker. Aber was werfen solche Geschichten denn für ein Licht auf das Institut und die Universität? Wenn hauptsächlich über Konflikte innerhalb der Lehrenden berichtet werden muss und jeder kleine Streit nach außen dringt, darf man sich nicht wundern, wenn Universitäts-Leitung und Landesregierung irgendwann keine Geduld mehr haben und Gelder kürzen. Ich würde mein Geld auch lieber dort anlegen, wo ich wüsste, dass es gut aufgehoben ist.

Bei aller Kritik, die ich über mein Institut geäußert habe… dass es sich gegenseitig abschafft, wollte ich nicht anregen. Man kann es auch übertreiben!

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  1. 18. Januar 2011 um 23:29 | #1

    Ich habe nicht das Gefühl, dass die Leipziger Journalistik noch eine allzu rosige Zukunft hat, sollte diese Reform greifen. Insofern kann man den Gang an die Öffentlichkeit vielleicht auch als letzten Hilferuf verstehen. Von Seiten der Journalistik-Studenten wurde ja eine nicht-öffentliche Stellungnahme verfasst und verbreitet.

    Man sollte aber auch erwähnen, dass nicht nur Machill mit dem Gang an die Öffentlichkeit vielleicht den falschen Weg gewählt hat, sondern dem wohl schon einige krumme Dinge vorausgegangen sind. Warum forciert man diesen Reform-Prozess ausgerechnet über Weihnachten/Silvester, ausgerechnet in einer Zeit, in der die Uni ohne regulären Rektor dasteht? Und warum stellt man beispielsweise den wissenschaftlichen Mitarbeitern erst kurz vor ultimo die Reformpläne zu und gibt allen Beteiligten nicht ausreichend Zeit, sich ein Bild von den Plänen und möglichen Auswirkungen zu machen? Das Institut hat mit seinem Vorgehen meiner Meinung nach eine solche Reaktion ja fast provoziert. Im Institutsrat soll es ja auch entsprechend wild zugegangen sein (eine “denkwürdige Sitzung”).

    Naja, ich bin froh, dass ich nicht diesem Institut angehöre. Im Moment scheint es da ja wirklich nur noch um irgendwelche privaten Befindlichkeiten zu gehen.

  2. 20. Januar 2011 um 09:34 | #2

    Ich würde der Einschätzung zustimmen, dass viele der Entwicklungen auch mit dem institutsinternen Standing des Prof. Machill zu tun haben. Andererseits sollte man auch mal erwähnen, dass es hier um eine (auch aufgrund der finanziellen Lage) notwendige Anpassung der Institutsstrukturen geht. Und die Journalistik wird in diesem Rahmen einfach nur Strukturen verlieren, die andere Bereiche der KMW nie hatten. Meines Wissens nach kümmert sich die Journalistik nicht um die BA-Ausbildung, sondern ausschließlich um den Master Journalistik. Trotzdem haten sie bis zu Hallers Abschied 2 Professuren und 6 (?) ganze Mitarbeiterplanstellen. Mitarbeiterstellen jenseits von Drittmitteln gibt es in anderen Bereichen (die trotzdem BA- und MA-Studenten betreuen) fast gar nicht mehr. Man tut immer so, als wäre die Journalistik die Sahnehaube der KMW, dabei ist die Journalistik aber nur EIN, bisher sehr gut finanzierter Bereich der KMW, der nun ein Stückweit auf das Maß der anderen zurück gestutzt wird und das unter der maßgeblichen (fast einstimmig beschlossenen) Institutsstrategie eher die Wissenschaft als die Medienpraxis zu stärken. So lassen sich eben auch (hoffentlich) die Bereiche der Buchwissenschaft und der Medienpädagogik erhalten, die ginge es nach dem Willen der Journalisten, wohl bald abgesägt würden. Ich persönlich würde behaupten, dass die Integration der Journalistik in die KMW ein Gründungsfehler ist. In der studentischen Praxis war die Journalistik eh immer was eigenständiges, Journalistikseminare waren für Nicht-journalistische-KMW-Studenten immer ein unerreichbares, gesellschaftliches Ereignis und in der Idee dessen, was das Studium soll, differierte die Journalistik auch von den meisten anderen KMW-Bereichen. Da die Journalistik aber nun mal Teil der KMW ist, wird sie auch damit leben müssen, dass sie nur ein gegenüber ihren Schwesterbereichen gleichberechtigter, schlecht finanzierter Teil ist.

  3. Richard
    28. Januar 2011 um 01:16 | #3

    @ rotebrause

    Sag mal, begreift ihr alle nicht, dass so eine Entscheidung eine ganz andere Dimension hat, als dass “nur” irgendwelche Stellen aus “strukturellen” Gründen gestrichen werden? Seid ihr so in eurem Denken “beschränkt”?

    Vorab: Ich bin kein Journalistik-Student und auch kein wissenschaftlicher Mitarbeiter oder einer, der jemandem mit diesem “Problen” nahesteht.

    Was muss in einem Menschen vorgehen, der durch sein Geschriebs hier eine derartige Weltsicht preiszugeben scheint?

    • 28. Januar 2011 um 10:42 | #4

      @Richard: Ganz ruhig! Diese Fragen, die du stellst, solltest du lieber den Verantwortlichen im Institut stellen. Denn genau diese Begründungen, die rotebrauseblogger hier anführt, wurden in der Informationssitzung neulich auch angegeben, um die Reformen zu rechtfertigen. Überfinanzierte Journalistik, größerer Fokus auf Forschung, Exponiertheit der Journalistik im Institut. Das ist eben dieses rein wirtschaftliche Denken, das uns allen nicht gefällt.

  4. 30. Januar 2011 um 21:33 | #5

    Himmel, sind das Zustände, hoffentlich geht das bei euch an anderen Instituten nicht ähnlich drunter und drüber. Sonst tät’ ich mir nochmal überlegen, ob ich wirklich da im Herbst weiterstudieren will…

    Vielleicht sind mehr PR-Lehrstühle gar nicht mal so schlecht, gute PR scheint ja das zu sein, was das Institut grad ganz gut bräuchte.

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