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“Causa Machill”, die Letzte

Eigentlich war dieses Thema für mich schon lange durch. Ich habe über das aus meiner Sicht fragwürdige Handeln von Professor Machill berichtet und eine kurze, überraschte Zusammenfassung des enormen Feedbacks gegeben. Mit vielen Lesern bei heiklen Inhalten entsteht natürlich Verantwortung, vor der ich mich nicht drücken möchte, weshalb ich auch das tatsächlich überfällige Impressum angelegt habe. Jetzt möchte ich mich, hoffentlich zum letzten Mal, zu dieser Thematik äußern.

Das Büro des Leipziger Journalistik-Professors hatte zunächst mit einer ersten Stellungnahme auf der Homepage des Lehrstuhls reagiert, die zwar faktisch sicherlich korrekt ist, aber dennoch am Problem vorbei zielt. Nun wurde auf der gleichen Seite ein PDF-Dokument veröffentlicht, das eine “Schmutzkampagne” einiger Studenten darlegen soll. Da auch mein Blog darin auftaucht, sehe ich mich gezwungen, auf einige der Inhalte einzugehen.

Das Machill-Büro schreibt gleich zu Beginn: “Insgesamt wird aus dieser Zusammenstellung deutlich, dass es dem KMW-Studenten Roger Vogel und seiner Unterstützergruppe niemals nur um das samariterhafte Einstellen von Prüfungsliteratur ging, sondern um die systematische Demontage eines Professors, mit dessen didaktischen Ansatz sie nicht klarkommen.” Hierzu muss gesagt werden, dass mehrere Aspekte vermischt wurden. Roger Vogel hat das Buch sicherlich nicht mit der Intention eingescannt, Professor Machill zu “demontieren”. Es ging zunächst eben doch “nur um das samariterhafte Einstellen von Prüfungsliteratur”. Erst als der UVK-Verlag mit einer Klage drohte, machte er die Sache öffentlich, die aufgrund der Sachlage Professor Machill mehr schadete als dem Studenten Vogel.

In der Folge wird das Dokument nicht nur unsachlich im Ton, sondern auch undifferenziert. “Besonders pikant: Der Journalist der Süddeutschen Zeitung, Christoph Giesen, lässt sich von dem Studenten Robert Vogel als “Buddy” in die geschlossene Facebook-Gruppe einführen.” Ihm wird unterstellt, dass er automatisch Teil der “Kampagne” ist. Dass er der Gruppe beigetreten ist, um, wie Machills Mitarbeiter, an Informationen zu gelangen, wird als Möglichkeit noch nicht einmal in Betracht gezogen. Auch wenn Machills Mitarbeiter vielleicht Recht haben, diese Behauptung als Tatsache hinzustellen, ist journalistisch unsauber und juristisch gefährlich.

Jetzt kommt mein Blog ins Spiel. In einem Kommentar zu meinem Beitrag wurden Link und Passwort zur online bereitgestellten Pflichtlektüre genannt, weshalb die Seite verständlicherweise gesperrt werden musste. Beurteilt wird diese Aktion mit den Worten “So haben die Kampagnen-Studenten ihren 80% normal studierenden Kommilitonen einen Bärendienst erwiesen”. Einerseits ist das korrekt, da auch ich insbesondere das Verraten des Passworts für falsch halte. Andererseits ist hier von “den Kampagnen-Studenten” die Rede, was emotionalisierend, verallgemeinernd, unsachlich und falsch ist. Zudem frage ich mich, was “normal studierende Kommilitonen” sind und woher die Zahl der 80 Prozent kommt. Nach meinem Gefühl sind nämlich 80 Prozent mit Prof. Machills Methoden höchst unzufrieden. Zumindest unter den Bachelorstudenten. Im Dokument heißt es weiter: “Eine Minute, nachdem das Passwort im Internet veröffentlicht wurde, wird der Zugang zu der Literatur gesperrt.” Aufgrund dieser Tatsache sehe ich keine Möglichkeit, wie ich diesen Umstand hätte verhindern können. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Passworts hatte ich keinen Zugang zum Internet und auch trotz der Kontrolle der eingehenden Links war es mir nicht möglich, zeitnah den fraglichen Eintrag zu entfernen. Mittlerweile wurden die entsprechenden Passagen gelöscht.

Anschließend wird der Kommentar von “Mondendingens” erwähnt. Dass diese Lobeshymne auf Professor Machill angeführt wird, überrascht nicht weiter. Was ich jedoch beachtlich finde, ist, dass sie im gleichen Wortlaut nicht nur auf meinem Blog, sondern auch in einem Internetforum erschienen ist. Das ist natürlich Mondendingens’ gutes Recht. Fragwürdig wird es allerdings dann, wenn erstens Kommentare von anderen Bloggern als direkte Reaktion darauf dargestellt werden, obwohl sie sich auf andere beziehen und zweitens die ernst gemeinten, inhaltsreichen Reaktionen ausgeblendet werden. Denn anders als einige User und ich ernsthaft auf die “anderen Meinungen” einzugehen, wird in diesem Dokument die gesamte Blog-Gemeinschaft ins Lächerliche gezogen. Nebenbei wurde in keiner der Stellungnahmen auf den eigentlichen Vorwurf eingegangen – die überzogene Klagedrohung von Prof. Machills Verlag, die die ganze Diskussion erst ausgelöst hat.

Zum Schluss möchte ich noch zwei, drei Worte direkt an den Verfasser des Dokuments wenden. Halb augenzwinkernd, halb herablassend haben Sie positiv vermerkt, dass ich nun ein Impressum angelegt habe. Dazu hilft vielleicht die Erklärung, dass ich zuvor auf einer Plattform war, die ein eigenes Impressum überhaupt nicht zuließ. Zudem bemerken Sie, dass ich mir “eine eigene Rechtslage zimmere”, indem ich darauf hinweise, dass ich Wert auf E-Mail-Kontakt vor Anwaltsschreiben lege. Nun ja, was soll ich dazu sagen? Juristisch gesehen haben Sie natürlich wieder Recht. Sehen Sie es einfach als gut gemeinten Hinweis, dass man nicht alles machen muss, was man machen kann. Aus der Geschichte rund um Roger Vogel sollten Sie die Erkenntnis gezogen haben, dass es aus Image-Sicht wesentlich eleganter ist, solche Angelegenheiten pragmatisch und mit einfachem, direkten Kontakt zu regeln. Sollte darauf keine Reaktion erfolgen, kann man immer noch juristisch tätig werden. Außerdem werden Sie feststellen, dass mein Blog frei von strafrechtlich relevanten Inhalten ist. Nicht jedes “bei rot über die Ampel gehen” muss angezeigt werden. Alles, was darüber hinaus geht, wird es auf meinem Blog nicht geben.

Eine letzte Frage bleibt dann noch. Warum verweist ein fachlich so brillantes Institut in diesem Zusammenhang immer und immer wieder auf diese Glosse? Es hätte dort eigentlich jemandem auffallen müssen, dass sie nicht nur schlecht, langweilig und unlustig geschrieben ist, sondern auch das Thema verfehlt.

Ich sehe mich nicht als Teil irgendeiner “Kampagne”. Ich habe über einen nach meinem Dafürhalten berichtenswerten Inhalt berichtet und habe dazu weit mehr Zustimmung als Ablehnung erfahren. Ich möchte Professor Machill nicht aus dem Amt hetzen. Wenn überhaupt, dann möchte ich Denkprozesse anregen, wieso es überhaupt so weit kommen konnte, ob die Lehrmethoden wirklich die sinnvollsten sind und ob die Prioritäten richtig gesetzt wurden. “Causa Machill” – für mich abgeschlossen. ( Bis die Anwaltspost kommt ;-) )

  1. Bettina
    5. Dezember 2010 um 16:38 | #1

    Meiner Meinung nach wird die ganze “Causa” durch die Entgegnungen vom Lehrstuhl II nur weiter am Kochen gehalten. Vielleicht wäre es besser gewesen, gar nicht groß drauf einzusteigen. (?) Auf der anderen Seite ist es natürlich das Recht von Herrn Machill, seine Sicht der Dinge darzulegen.

    Das Ganze verkommt zur Schlammschlacht, bei dem keiner so richtig gut weg kommt. Vor allem das Image des Instituts wird leiden.

  2. 5. Dezember 2010 um 17:27 | #2

    Zumal die Darstellung in der neuen Zusammenfassung als “falsch und unwahr” das Recht auf Gegendarstellung aufkommen lässt – u.a. wegen Verletzung persönlicher Ehre und dem eine Lynchjustiz auszulösen. Nur mal bye-the-way vllcht bekommt bald jemand anderes Post vom Anwalt.

  3. VV
    5. Dezember 2010 um 17:29 | #3

    Danke für die ausgewogen kommentierende Darstellung. Ich wollte noch anmerken, dass bei einer ‘geschlossenen’ Facebook-Gruppe keine Personen “beitreten” können, sondern diese nur von Gruppenmitgliedern hinzugefügt werden können. Ob dies mit dem Willen oder gegen den Willen des Hinzugefügten geschieht, ist nicht nachprüfbar. Da Christoph Giesen aber kein Mitglied der Gruppe mehr ist, kann angenommen werden, dass er einem Hinzufügen nicht zugestimmt hat und wieder ausgetreten ist. Die Aktivität, die ihm in dem Dokumentationsdokument sowie in diesem Blogeintrag zugeschrieben wird, ist schlicht falsch. Der Autor des Dokumentationsdokument hat scheinbar kaum oder keine Facebook-Kenntnis oder -Kompetenz.

  4. 5. Dezember 2010 um 17:36 | #4

    Man kann allerdings auch Anfragen stellen, die dann angenommen oder abgelehnt werden. So habe ich es gemacht, bevor ich auch wieder ausgetreten bin.

  5. 5. Dezember 2010 um 18:43 | #5

    Puh. Ich finde, es ist harter Tobak, hier von einer “Kampagne” zu reden. Das wirft sicherlich kein positives Licht auf das Institut allgemein und Machills Persönlichkeit insbesondere. Die “Dokumentation der von einigen Studenten initiierten Medienkampagne gegen Professor Machill” enhält viele Punkte, die angreifbar sind (Undifferenziertheiten, Verzerrungen, Verkürzungen).

    Mir persönlich ist vor allem der SZ-Artikel ein Rätsel. Wenn Machills Darstellung zutreffend ist, wäre das ein Armutszeugnis für dieses Qualitätsmedium. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Giesen sich das alles aus den Fingern gesaugt hat. Vor allem das Fach-Zitat offenbart in seiner Eindeutigkeit nur wenig Potenzial für Missverständnisse.

  6. Bettina
    5. Dezember 2010 um 19:19 | #6

    “Prof. Dr. Wolfgang Fach, Prorektor für Lehre und Studium, kommentiert seine Äußerungen, die in dem Beitrag der Süddeutschen Zeitung zitiert sind, so: „Zu dementieren gibt es wenig, zu differenzieren eine ganze Menge, schon des wegen, weil es in dem Telefonat um viel mehr und auch ganz Anderes gegangen ist als um das juristische Problem. Zum Rechtsaspekt selbst habe ich zwar auch etwas gesagt, doch das kommt im Art ikel nicht vor. Von dessen Existenz habe ich im Übrigen erst aus den Reaktionen auf ihn erfah ren. Ich bin davon ausgegangen, dass es sich um ein Hintergrundgespräch handelt. Sonst hätte ich, wie es so üblich ist, ein Blatt oder auch mehrere vor den Mund genommen.“
    Quelle: http://whistl3blow3r.wordpress.com/

    Ich weiß nicht, woher das Zitat ursprünglich stammt.

    Tja, da hat Herr Giesen wohl auch beim Gespräch mit Fach nicht gesagt, was er wirklich vorhat. Mir scheint, dass hier eine Menge Porzellan zerschlagen wurde.

  7. lustig
    6. Dezember 2010 um 10:03 | #7

    wichtig ist das Prof. Fach nicht sagt “Mein Zitat wurde falsch in der SZ dargestellt!” man muss einfach das Auge auf die Verdrehung von Prof. Machill werfen – das scheint Standard zu sein und wenn das keinen Prof. unseriös macht, was dann?

  8. Quax
    6. Dezember 2010 um 11:14 | #8

    Ach, gottchen. Die Glosse ist das Jaulen der getroffenen Hunde. Wer den Begriff “Achtung Ironie” verwendet, katapultierst sich doch automatisch ins humorische Abseits.
    Schon mit dem Titel “Post von Vagner” hat ja jemand ganz, ganz tief in die urige Polemikkiste gegriffen, auf den Rest der Glosse brauch’ ich wohl nicht einzugehen. Mein Gott, so einen verkrampft-blöden Müll schreibe nicht mal ich zusammen (und ich schreibe viel Müll)!

    Im übrigen bin doch sehr enttäuscht, dass mein Beitrag zum Thema nicht als Teil der Schmutzkampagne gewertet und in die Verleumdungscollage aufgenommen wurde.
    Bestimmt nur, weil ich aus’m Westen bin!

  9. 6. Dezember 2010 um 11:21 | #9

    Ganz ehrlich? Das habe ich mich auch schon gefragt :D Wollte es hier aber nicht schreiben, um dich da nicht in irgendwas mit rein zu ziehen.

  10. 6. Dezember 2010 um 14:25 | #10

    Ich komm auch nicht drin vor. Ist vielleicht auch besser so ;)

    Und warum eigentlich Kampagne? Es hat in der letzten Woche (erstaunlich) viele Blogposts aus verschiedenen Ecken zu dem Thema gegeben. Aber jeder von uns, die wir darüber geschrieben haben, hat das von sich aus getan, jeder hat andere Aspekte erwähnt. Das zeigt eher, dass viele Studenten diese Probleme mehr oder weniger unabhängig voneinander sehen, als dass es auf eine zielgerichtete Kampagne hindeutet.

    Die Aktionen im Internet wurden von niemandem, nicht von Roger oder sonstwem, koordiniert oder gelenkt. Auch die facebook-Gruppe wurde erst relativ spät im Verlauf der Diskussion gegründet.

  11. two_for
    7. Dezember 2010 um 13:40 | #11

    Das ist alles sehr traurig. Jetzt werden hier Menschen vorgeführt, Glossen ohne Angabe des Verfassers geschrieben, Stimmung gemacht. Dabei sollte es doch um das Produkt gehen, darum, was am Insitut für Journalistik II schief läuft. Da hätten wir doch alle genug zu tun..

    Die Süddeutsche hat auch wieder reagiert:
    http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1079125

  12. Bettina
    7. Dezember 2010 um 15:42 | #12

    In der Süddeutschen online wird Prof. Fach zitiert, bzw. eine Stellungnahme genannt. Weiß jemand, wo die zu finden ist? Oder gibt es die nur offline?

  13. 9. Dezember 2010 um 17:16 | #13

    Grüße,

    natürlich gibt es die Stellungnahme (http://whistl3blow3r.wordpress.com/) und auch einen neuen Artikel der taz “Erst abmahnen, dann sprechen” mit dem interessantesten was bisher veröffentlicht wurde:

    Zitat aus dem Artikel:

    Nach Ansicht von Medienanwälten ist diese Dokumentation rechtswidrig. “Diese Veröffentlichung verstößt zum einen gegen deutsches Datenschutzrecht. Darüber hinaus wird das Recht am eigenen Bild der mit Foto abgebildeten Studenten verletzt”, sagt der Stuttgarter Anwalt Carsten Ulbricht, spezialisiert auf Social Media und Internetrecht.

    “Die Profilbilder und der Inhalt der Postings in der geschlossenen Gruppe waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, insofern könnte durch die Veröffentlichung das Persönlichkeitsrecht der Personen verletzt sein”, sagt auch Burkhard Renner, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Zudem könne es auch urheberrechtliche Bedenken geben.

    Die betroffenen Facebook-User hätten demnach Unterlassungsansprüche, könnten einen Anwalt beauftragen und Professor Machill abmahnen lassen. Das allerdings würde den Konflikt weiter eskalieren lassen. Ob die Studenten das riskieren, ist noch unklar. Immerhin spielen auch finanzielle Aspekte eine Rolle, müssten sie doch für die Abmahnung mit einem hohen dreistelligen Betrag für Anwaltskosten selbst in Vorkasse gehen.

    Mehr ist dazu nicht zu sagen – da beugt jemand selbst Recht, wenn nicht noch schlimmer.

  14. Stefan
    15. Dezember 2010 um 16:15 | #14

    Hehe, gerade habe ich eine Juraklausur geschrieben und ziemlich oft an deinen Blog denken müssen. Konkret an den Vorwurf vom Prof. Machill, “der Verfasser zimmert sich seine eigene Rechtslage”. Genau das habe ich nämlich gerade getan. :-) Ich hatte keine Ahnung von dem konkreten Fall, also habe ich eine Rechtslage ersonnen, bei der ich alle meiner Meinung nach relevanten Probleme ansprechen konnte und natürlich zu dem von mir als richtig empfundenen Ergebnis kam. Mal sehen, ob die Wirklichkeit das auch so sieht… ^^

  15. 15. Dezember 2010 um 17:26 | #15

    :D sehr schön. dann viel erfolg! ;)

  1. 6. Dezember 2010 um 13:43 | #1
  2. 7. Dezember 2010 um 17:51 | #2

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