Stimmungskiller
Und plötzlich herrscht wieder eitel Sonnenschein. Nach der trostlosen Niederlage vor zwei Wochen fand RB Leipzig mit zwei 2:0-Siegen schnell wieder zurück in die Erfolgsspur. Der Rückstand auf die wie verrückt marschierenden Chemnitzer wurde wieder auf sechs Punkte verkürzt, der zweite Tabellenplatz gefestigt.
Doch nicht nur in der Tabelle geht es aufwärts; Freude machte beim heutigen Erfolg gegen die U23 der Hertha aus Berlin fast alles. Siegeswille, Laufbereitschaft, Kombinationen waren endlich zu sehen. Als hätte man plötzlich festgestellt, dass es helfen kann, auf dem Platz miteinander zu reden. Die beste Nachricht kam heute jedoch von den Rängen. Stolze 7122 Zuschauer fanden den Weg ins Zentralstadion. Davon wohl ziemlich genau 7100 Leipziger. Von Spiel zu Spiel wird deutlicher, dass hier etwas erfolgreiches entsteht, inklusive Fankultur. Wenn schon eine so vergleichsweise “normale” Partie derartig viele Besucher anlockt, kann man sich ausmalen, wie das ganze dann zwei Ligen weiter oben aussieht. Allen Zweiflern und Traditionalisten sei an dieser Stelle gesagt, dass diese 7122 Zuschauer mehr Menschen sind, als in beide Stadien der Leipziger Traditionsvereine Lok und Chemie überhaupt hinein passen. Vor allem aber darf man sich darüber freuen, dass zeitgleich in Magdeburg beim Topspiel gegen Chemnitz nur knapp genau so viele Fans in der MDCC-Arena waren. Das Projekt RB findet Zuspruch – und rechtfertigt sich damit von selbst. Erstmals waren heute Fangesänge über beide Tribünen möglich, die Haupttribüne war sich nicht, wie so oft behauptet, zu fein, ihren Verein anzufeuern.
Einen Wermutstropfen gab es trotzdem. Fans und Stadionsprecher fehlt es an Timing. Da wird mitten im Spielerwechsel von RB lauthals ein “Steht auf, wenn ihr für Leipzig seid” angestimmt, sodass der Abgang des besten Spielers des Tages komplett untergeht. Als die Mannschaft nach der Halbzeitpause das Spielfeld betritt, sind die Ultras noch mit sich selbst beschäftigt, während das Team nach dem Schlusspfiff in die Kurve läuft, fängt der Stadionsprecher an, die weiteren Spieltags-Ergebnisse durchzusagen und als das “Humba Täterää” angestimmt werden soll, wird plötzlich Musik eingespielt. Der Trommler im Fanblock schafft es regelmäßig, das Anklatschen von Standardsituationen zu unterbrechen und die Haupttribüne wird angesungen, während man sich eigentlich auf den gefährlichen Freistoß des Gegners konzentrieren möchte. Hier muss noch etwas Feingefühl entwickelt werden.
Auch über den Stadionsprecher sollte man noch einmal nachdenken. Zugegebenermaßen ist er wesentlich besser als die Schlaftablette aus Markranstädt von vergangener Saison. Doch seine Fehler häufen sich allmählich gewaltig. Schon beim letzten Heimspiel sagte er die Endergebnisse der anderen Partien falsch an. Heute bekam er kaum eine einzige Ansage fehlerfrei über die Bühne. Den Star der Gästemannschaft, Andreas “Zecke” Neuendorf, deutsche Fußball-Legende, kannte er ganz offensichtlich nicht. Denn bei der Verkündung der Startaufstellung nannte er ihn “Andreas Nauendorf”, bei seiner Auswechslung gar “Neuenhof”. Sogar bei der Aufstellung seines eigenen Teams unterlief ihm ein Fauxpas, als er kurzerhand den Kapitän, Tim Sebastian, überlas. Von seinem unglücklichen Timing habe ich bereits geschrieben.
So lange jedoch die Leistung auf dem Platz stimmt, darf der Stadionsprecher auch gerne für den einen oder anderen Lacher sorgen. Besser als anders herum.

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